Ocean's Four

Achim Fehrenbach 13.03.2010

Raubzug mit verteilten Rollen: "Monaco" gewinnt den Hauptpreis beim Independent Games Festival in San Francisco

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Limbo

Heist Movies sind ein Film-Genre, das sich auch Jahrzehnte nach "Ladykillers", "Rififi" (beide1955) und "Topkapi" (1964) großer Beliebtheit erfreut. Anfang des neuen Jahrtausends drehte Steven Soderbergh seine elegante "Ocean's"-Trilogie, und 2008 trat Action-Star Jason Statham in "The Bank Job" auf. Meist ist es eine Gruppe von Außenseitern unterschiedlichster Charakterprägung, die unter Zuhilfenahme von Gimmicks, Gewalt und Galanterie fette Beute machen wollen. Natürlich gab es auch Versuche, das erfolgreiche Kino-Genre in die Videospielwelt zu übertragen allerdings mit nur mäßigem Erfolg.

2009 etwa erschien 15 Days, ein "Meisterdieb-Adventure im Hollywood-Stil", in dem der Spieler abwechselnd die Rollen von drei Edelgangstern übernahm. Als Point&Click-Abenteuer war 15 Days aber schlichtweg zu statisch, um die aus Heist Movies gewohnte Action adäquat abzubilden. Der Reiz dieser Filme liegt ja gerade darin, dass sie den Raub als simultanes Spektakel inszenieren: Einbrecher X bohrt die Tresortür auf, Y lenkt die Wachen ab, und Z hackt sich in die Alarmanlage des Tresors. Im Prinzip ist diese Aufgabenteilung nichts anderes als das, was Spiele wie "Counter-Strike", "Left 4 Dead" oder "LittleBigPlanet" als zentrales Gameplay-Element verwenden. Dass es bis vor kurzem keine coop heist game gab, ist schon ein bisschen verwunderlich. Monaco beglückt uns mit genau dieser Spielidee und hat auch gleich den Hauptpreis beim Independent Games Festival gewonnen.

Monaco

Das IGF ist so etwas wie das Sundance Festival der Games-Branche: Hier zeigen unabhängige Spiele-Entwickler, was mit kleinen Budgets und großen Ideen möglich ist. Seit 1998 ist das IGF Teil der Game Developers Conference in San Francisco. Der Indie-Pavillon im Moscone Center ist Treffpunkt der Szene, hier finden Vorträge und Panel-Diskussionen statt, und GDC-Besucher können die fürs Finale nominierten Wettbewerbsbeiträge ausprobieren. Die Spiele werden in verschiedenen Kategorien Design, Grafik, Vertonung - prämiert; der Hauptpreis, der Seumas McNally Grand Prize, ist mit immerhin 20.000 US-Dollar dotiert. Das IGF ist beileibe kein Refugium für Mauerblümchen: Wettbewerbsteilnehmer vergangener Jahre wie Braid oder World of Goo waren später auch kommerziell erfolgreich. Auch 2010 erlebte das Festival einen spannenden Wettbewerb. Die meisten Stimmen der 170-köpfigen Jury aus Branchen-Veteranen, Entwicklern und Journalisten fielen schließlich auf Monaco. Grafisch wirkt es zunächst wenig spektakulär es ist aber gerade die pixelig-minimalistische Optik, die das Spielprinzip von Monaco so gut zur Geltung bringt. Entwickler Andy Schatz beschreibtMonaco als "eine Mischung aus Gauntlet und Hitman": Bis zu vier Spieler steuern die heist gang aus der Top-Down-Perspektive, jede Spielfigur hat spezielle Fähigkeiten wie Schlösserknacken, Schleichen oder bewaffneten Kampf. Der Level-Editor dürfte für schier unendliche Variationen und eine lebendige Community sorgen. Allerdings müssen sich Indie-Fans noch etwas gedulden, denn einen Release-Termin gibt es noch nicht.

Rocketbirds: Revolution!

Ein Blick auf die übrigen Finalteilnehmer zeigt, dass ästhetischer Minimalismus schon längst nicht mehr ein allgemeingültiges Indie-Merkmal ist. Bestes Beispiel ist das knallbunte Rennspektakel Joe Danger: Als Stuntman saust der Spieler mit seinem Motorrad durch Loopings, springt über Schanzen und zeigt in der Luft gewagte Freestyle-Akrobatik. Am besten lässt sich Joe Danger wohl als Mischung aus Trials HD und LittleBigPlanet beschreiben originell ist es vor allem deshalb, weil man die Rennstrecken nach Lust und Laune editieren kann. Während "Joe Danger" auf die Konsolen-Besitzer zielt, hat Rocketbirds: Revolution! die Browser-Gamer im Visier. Der Spieler zieht als "Hardboiled Chicken" - ein Rambo-artiges, bis an den Schnabel bewaffnetes Huhn in einen schier aussichtslosen Kampf gegen den Vogel-Diktator "Il Putzki". Rocketbirds ist eines von wenigen IGF-Spielen, die schon jetzt als Vollversion verfügbar sind. Ähnlich augenzwinkernd wie in diesem 2D-Vogelshooter geht es in dem beinharten Platformer Super Meat Boy! zu, dessen Vorgänger Meat Boy bereits Kultstatus genießt.

Trauma

Dass Indie Games sich aber auch ernster Themen annehmen können, zeigt Trauma, der fünfte Wettbewerber um den "Seumas McNally"-Preis. Trauma ist eine von zwei deutschen Produktionen bei den IGF Awards. Entwickelt hat es der in Warschau geborene, in Darmstadt aufgewachsene und mittlerweile am Cologne Games Lab arbeitende Krystian Majewski. Trauma handelt von einer jungen Frau, die nach einem schweren Autounfall im Krankenhaus liegt: In ihrem Kopf fügen sich traumartige Bilder zu bruchstückhaften Erinnerungen zusammen. Das Spiel ist aber weniger ein Rätsel als eine interaktive Auseinandersetzung mit Themen wie Verlust und Einsamkeit[1].

Tuning

Wer auf der Suche nach spannenden Spielideen ist, wird auch in den IGF-Unterkategorien fündig. Mit dem "Nuovo Award" haben die Veranstalter einen Preis für besonders experimentelle Spiele ausgelobt. Den holte sich der überaus produktive Entwickler Cactus für seinen freischwebenden Platformer Tuning. Nicht weniger beeindruckend und jetzt schon als Flash-Version spielbar ist Closure: Auf seinem Weg durch geheimnisvolle Tempelanlagen ist der Spieler auf seine Lichtquelle angewiesen denn alles, was im Dunkel liegt, ist Abgrund.

Closure

Weitere Highlights der IGF Awards 2010: Shank, Cogs, AAAAAA, Heroes of Newerth, Limbo.

Heroes of Newerth
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32247/1.html
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