Den Missbrauchs-Sumpf trockenlegen - nur wie?
Entschädigungen, vielleicht auch Entschuldungen mögen die Pein der Opfer lindern. Viel wichtiger ist aber, welche Lehren aus dem Skandal gezogen werden. Die Lage ist aber viel vertrackter als gedacht
Nun sollen es also "Runde Tische" richten. Nicht nur die Vereinigung der Landerziehungsheime (LEH), die 21 Internatsschulen vertritt, auch die Bundesregierung plant am 23. April einenrunden Tisch zum Thema Missbrauch. Geladen sind alle gesellschaftlich relevanten Gruppen, nicht nur die katholische Kirche, worauf die Bundesjustizministerin zunächst noch beharrt hatte.
Wo Es war, soll Ich werden. Es ist Kulturarbeit etwa wie die Trockenlegung der Zuidersee.
Ob "das Runde" der Weisheit letzter Schluss ist, solche Zusammenkünfte den Missbrauchs-Sumpf austrocknen, Entschuldigungen bei den Opfern nach derart langen Jahren der Vertuschung und Verheimlichung oder Entschädigungszahlungen an sie das abtragen können, was den Opfern angetan wurde, wird sich zeigen.
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Zum einen mauern manche verantwortlichen Stellen in Kirchen und Vorständen immer noch – auch wenn dank des öffentlichen Drucks Bewegung in die Sache gekommen ist und allseits öffentliche Aufklärung versprochen wird; zum anderen sind Lage und Thema viel komplizierter und verworrener als sich dessen die Öffentlichkeit bislang bewusst ist.
Es geht ja nicht nur um ein paar fehlgeleitete pädophile Lehrer (Knabenliebe zum pädagogischen Prinzip erhoben). Oder um deren "heimliche Unterstützer", die Schandtaten zwar nicht gedeckt, aber aus Rücksichtnahme auf die Täter und aus Sorge um den guten Ruf ihrer Schule entweder zu vertuschen oder die Opfer-Täter Struktur umzukehren versucht haben.
Oskar Negt hat diese Strategie neulich, ohne seinen Freund Hartmut von Hentig zu schonen, auf der Jahrestagung der "Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft" eine klare und deutliche Sprache gewählt und diese Sache als "unerträglich" bezeichnet.
Vielmehr geht es, erstens, um den ideologischen Überbau, der Missbrauch immer noch bagatellisieren und durch Verweis auf antike Gepflogenheiten erklären und verklären will (Nähe ist ein Lebensmittel, kein Missbrauch), sowie, zweitens, um ein pädagogisches System und ihre Strukturen, die solche Praktiken begünstigen oder erst möglich gemacht haben.
Involviert sind neben einer pädagogischen Theorie und Praxis, die emotionale Nähe, freundschaftliche Bande und persönliche Zuwendung und Hingabe zwischen Lehrern und Schülern propagiert, auch die Institution Schule, die Elternschaft und die staatlichen Behörden. Vor allem sie haben im Verbund ein Umfeld und Milieu gestiftet, in denen solche Dinge erst geschehen konnten. Später, als sie damit konfrontiert und die Fälle öffentlich ruchbar wurden, sind sie ihrer Verantwortung gegenüber den Betroffenen nicht gerecht geworden (Hänseljagd an der Odenwaldschule).
Den Missbrauchs-Sumpf trockenlegen - nur wie?
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32301/1.html- "Teacher, leave them kids alone" oder Eunuchen als Lehrer? (23.3.2010 23:24)
- Die WELT fordert: eine neue Inquistion muß wieder walten! (23.3.2010 19:09)
- Gefälligkeitsnoten bei Abschlüssen? Quatsch. (23.3.2010 17:21)
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