Wie man das Klima auf die richtige Temperatur herunterkocht

31.03.2010

Obamas Pläne für "Offshore Drilling", das Imperium der Brüder Koch und deren Finanzierung von Klimaskeptikern

Der Schritt kommt für Anhänger Obamas, die sich viel von dessen Umweltpolitik versprochen haben, überraschend: Nach Informationen der New York Times, die sich auf Angaben von Regierungsmitgliedern stützt, plant die US-Regierung weite Teile der Küste am atlantischen Ozean, sowie Küstengebiete am östlichen Golf von Mexiko und im Norden Alaskas für Öl-und Gasbohrungen freizugeben. Damit würde ein Moratorium beendet, gegen das eine starke Lobby aus Vertretern der amerikanischen Ölindustrie seit langem schon ankämpfte. Einiges, so die Zeitung, deutet darauf hin, dass hinter dem Vorschlag ein politischer Deal steckt, bei dem es um Energie- und Klimagesetze geht.

Wie ein Bericht der Umweltorganisation Greenpeace, der gestern veröffentlicht wurde, darlegt, ist vor allem das Netzwerk der Brüder Charles und David Koch (beide in der Forbes-Liste der reichsten Amerikaner unter den Top10) ein Gegenspieler von Umweltschutzgesetzen, der größere Summen als Exxon darin investiert, die "Klimawandelleugner-Maschinerie" gut zu schmieren.

Man muss nicht lange suchen, um Verbindungen zwischen der Küstenbohrer-Lobby und dem Netzwerk der Kochs zu finden, sie trägt beispielsweise den Namen Nancy Pfotenhauer, politische Beraterin des republikanischen Präsidentschaftskandidaten McCain, die sich mit viel Einsatz für die Aufhebung des Moratoriums stark gemacht hatte. Pfotenhauers Lebenslauf nennt Stationen - Universitäten und führende Positionen in Think Tanks, wie z.B. Americans for Prosperity, und Organisationen -, die in dem 44 seitigen Greenpeace-Bericht als Schaltwerke und Sponsoren der "Climate Denial Machine" aufgeführt werden.

Zentrum einer rechtsgerichteten Meinungsmaschine

Dass die Koch-Familienstiftung zu den Mäzenen rechtskonservativer Think-Tanks gehört (siehe dazu Die Geldmaschine der Rechten) und das Unternehmen Koch Industries (im Ölhandel, Raffinerien, Pipelines u.a.) ins "Zentrum einer rechtsgerichteten Meinungsmaschine" gestellt wird, ist keine Neuentdeckung von Greenpeace. Doch rückt der Bericht in detaillierten Zuordnungen ans Licht, was in der täglichen Berichterstattung selten auftaucht.

Wer hätte beispielsweise gewusst, dass längst nicht mehr Exxon der große Sponsor von Organisationen, Stiftungen, Think-Tanks, Instituten und anderen Meinungsbildungs-Playern ist, die trickreich gegen Ergebnisse aus Klimawandelforschung argumentieren und gegen politische Folgerungen, die sich daraus ergeben, - sondern dass das Koch-Network dem Ölriesen Exxon hier den Rang abgelaufen hat?

Im Zeitraum von 1997 bis 2008 haben die Koch-Foundations so genannten "Climate Opposition Groups" mehr als 48 Millionen Dollar zu Verfügung gestellt, so der Greenpeace-Bericht. Im Zeitraum von 2005 bis 2008 waren es 24, 9 Millionen, wohingegen Exxon nach Recherchen von Greenpeace im selben Zeitraum nur 8,9 Millionen für "ähnliche Aktivitäten" ausgegeben habe.

Wie die "Aktivitäten" genauer aussehen und wie die Propaganda-Maschine funktioniert, schildert der Bericht anhand zweier Beispiele: "Climategate" und "Polar-Bear". So sollen zwanzig Organisationen aus dem Koch-Netzwerk den Skandal um die gehackten E-Mails (vgl. Von Climategate, Klimalüge und dem Wissenschaftsbetrieb) dazu genutzt haben, um als eine Art "Echokammer" in verschiedenen TV-und Internet-Medien Fernsehen immer wieder dieselbe Botschaft von einer politischen Verschwörung hinter der Annahme der menschlich verursachten Erderwärmung zu streuen.

Eisbären, Pseudowissenschaft und Klimawandel

Das "Polar Bear Junk Science" genannte Fallbeispiel bezieht sich auf einen Artikel aus dem jahre 2007, der in einem wissenschaftlichen Kontext erschien, ohne "peer-review", der behauptete, dass Eisbären von der Erderwärmung nicht bedroht würden. Die These, die von Wissenschaftlern bestritten wird, bedient laut Greenpeace Interessen der Ölindustrie, die befürchte, dass umfangreiche Schutzprogramme für Eisbären Ölförderprojekte in der Arktis behindern könnte. Greenpeace verweist auf eine Stelle am Ende des Artikels über die Eisbären, in der einer der Autoren, Willie Soon, eine finanzielle Quelle für seine Arbeit angibt:

W. Soon’s effort for thecompletion of this paper was partially supported by grantsfrom the Charles G. Koch Charitable Foundation, AmericanPetroleum Institute, and Exxon-Mobil Corporation.

Seite 10 des Berichts

Sieht man sich die mehr als 40 Empfänger des Kochschen Finanzströme und das dazu gehörige beeindruckende Netzwerk an, dann muss man sich um die Interessen der Ölfirmen nicht sorgen. Um Umwelt und Klima schon.

Umso mehr, wenn man die aalglatte Antwort der Sprecherin von Koch Industries zu den Vorwürfen liest:

Koch companies have consistently found innovative and cost-effective ways to ensure sound environmental stewardship and further reduce waste and emissions of greenhouse gases associated with their operations and products. Based on this experience, we support open, science-based dialogue about climate change and the likely effects of proposed energy policies on the global economy.

Brr, fröstelt da den Eisbär.

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