"Überwiegend Personen mit alternativ-technischem Interesse"
Ein mutmaßlicher Betrüger drehte seinen Opfern "eine Art Perpetuum Mobile" an
Der "Perendev Magnet Motor" sollte Energie aus dem Magnetfeld der Erde holen und in Bewegung verwandeln können. Über diesen "stets und immer laufenden 300-Kilowatt-Generator" hatte sich Matthias Gräbner in Telepolis bereits 2006 amüsiert. Angeboten wurde er von dem im Münchener Nobelviertel Grünwald ansässigen Südafrikaner Mike B., der dazu und für die Vermarktung anderer "revolutionärer Erfindungen" eine Firma gegründet hatte. Allerdings spricht vieles dafür, dass deren Arbeit mehr oder weniger ausschließlich darin bestand, mittels einer Website und mehrerer YouTube-Videos weltweit Kunden anzulocken. Die sollten seine Geräte erwerben und ihm für jede Bestellung die Hälfte des Kaufpreises im Voraus zahlen. Am Anfang bot der Exiljohannesburger die Motoren noch für fünfstellige Summen an, am Schluss nur mehr als Leasing-Modell für dreistellige Raten.
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Bei dem auf der Website beschriebenen Magnetmotor handelt es sich trotz seiner Behördeneinstufung als "eine Art Perpetuum Mobile" genau genommen nicht um ein in klassischer Weise gegen den Energieerhaltungssatz verstoßendes Gerät, sondern um eines, das den Interessenten vorgaukelt, sich aus vorhandener Umgebungsenergie bedienen zu können. Tatsächlich gibt es einige Vorrichtungen, die beispielsweise auch kleine Temperaturunterschiede zur Energierzeugung nutzen können. Allerdings sind diese (von Ausnahmen wie atmosphärischen Uhren und Seismographen abgesehen) hauptsächlich Spielzeuge und Vorführobjekte ohne weiteren praktischen Wert.
Nach einer Anzeige ermittelten die Münchener Strafverfolgungsbehörden bisher allein in Deutschland 61 Geprellte, die auf B.s Versprechen hereinfielen - "überwiegend Personen mit alternativ-technischem Interesse", wie der Polizeibericht leicht spöttisch anmerkt. Ein Effekt, der möglicherweise damit zu tun hatte, dass der Südafrikaner seinen Motor auch als Umweltwunder bewarb, der "den Planeten retten" sollte. Als die Polizei bei diesen Kunden - unter denen sich auch juristische Personen befanden - nachfragte, fand sie heraus, dass keiner von ihnen jemals einen der bestellten und anbezahlten Motoren erhalten hatte. Zusammengerechnet schätzt sie den daraus entstandenen Schaden auf etwa eine Million Euro.
Der Anbieter hatte seine Münchener Firma währenddessen in die Insolvenz geschickt und sich in die Schweiz abgesetzt, wo er eine teure Immobilie am Zürichsee bewohnte und sich, so das Wirtschaftsdezernat der Münchner Kriminalpolizei, "einen umfangreichen Fuhrpark mit einem Maserati und mehreren Range Rovers" hielt. Anhand solcher und anderer Indizien konkretisierte sich bei der Staatsanwaltschaft München I der Verdacht, "dass der Mann die Anzahlungen seiner Kunden nicht in die Entwicklung der angeblichen Erfindung gesteckt, sondern für seinen luxuriösen Lebensstil verbraucht hat". Die Ermittlungsergebnisse überzeugten schließlich auch die Schweizer Behörden soweit, dass sie den mutmaßlichen Betrüger nach Deutschland auslieferten.
Was B. zu den Vorwürfen sagt, ist bisher noch nicht bekannt. Die Staatsanwalt schweigt dazu ebenso wie zu Fragen nach dem Namen seines Anwalts. Rechtsbeistände, so die Pressestelle, würden sich schon selbst an die Medien wenden, wenn ihre Mandanten etwas an die Öffentlichkeit geben wollten.
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32499/1.html- Re: Nikola Tesla würde sich im Grabe umdrehen (31.7.2010 23:54)
- Re: Nikola Tesla (31.7.2010 23:46)
- Re: Physik II. (4.5.2010 10:06)
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