Wie Kopenhagen machbar ist

Matthias Gräbner 04.05.2010

Forscher nennen die Bedingungen, unter denen sich die Klimaerwärmung auf höchstens zwei Grad begrenzen lässt

Auch wenn Ende 2009 die Verhandlungen von Kopenhagen letztlich gescheitert sind, gab es doch eine Art Ergebnis (siehe Kopenhagen endet mit Armutszeugnis). Zum einen hat man sich auf ein Klimaziel geeinigt - die Erwärmung der Erde durch den Einfluss des Menschen möge doch bitte zwei Grad nicht überschreiten. Zum anderen haben die Unterzeichner zur Kenntnis genommen, dass dazu gewisse Taten nötig sein werden. Und nicht nur das, man zeigt sich sogar gewillt, diese Erkenntnis in die Praxis umzusetzen, und zwar auf einer gerechten Basis.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Dass all das recht vage klingt, kann man den Verhandlungspartnern natürlich gern übel nehmen, allen voran den USA und China, die sich am stärksten gegen einen verbindliche Vertrag im Rahmen der UNO einsetzten. Sinnvoller ist es aber, nun die Rahmenbedingungen zu erforschen, wie sich das gemeinsame Ziel überhaupt erreichen ließe. In den Veröffentlichungen der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) gehen die Klimatologen Veerabhadran Ramanathan und Yangyang Xu von der University of California nun genau dieser Frage nach.

Und zwar mit einem erstaunlichen Ergebnis: Wenn die Verhandlungsteilnehmer ihre Versprechen ernst gemeint und die Forscher richtig gerechnet haben, dann haben sie sich mit der Zwei-Grad-Grenze eine überraschend harte Anforderung gestellt. Das zeigen Ramanathan und Xu mit ein klein wenig Mathematik und gängigen Klimamodellen. Soll die Temperatur nämlich höchstens um zwei Grad steigen, ergibt sich daraus die Anforderung, dass menschliche Aktivität höchstens 2,5 Watt pro Quadratmeter der Erdoberfläche zur Energiebilanz hinzufügen darf - auf den gesamten Globus hochgerechnet sind das 1280 Terawatt. Das entspricht einem Kohlendioxid-Äquivalent-Gehalt in der Atmosphäre von 441 ppm.

Bei dieser Rechnung gibt es nur ein kleines Problem - schon die bisherigen Treibhausgas-Emissionen des Menschen addieren zur Energiebilanz der Erde etwa 3 Watt pro Quadratmeter, die Grenze wird also heute schon um 20 Prozent überschritten.

Grafik: Ramanathan und Xu

Das heißt auf deutsch: Es reicht nicht, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Zwar ist das auf lange Sicht sehr wünschenswert - doch wegen der extrem langen Haltbarkeit von Kohlendioxid in der Atmosphäre können wir unsere "Wärmedecke" auf diese Weise nicht dünner machen. Nun könnte man, auch das erwähnen die Forscher in ihrer Studie, hoffen, den Treibhauseffekt zu reduzieren, indem man die eingestrahlte Energiemenge verringert. Sprich: die Luft derart zu verschmutzen, dass der Treibhauseffekt egalisiert wird. Hässliche Nebenbedingungen wären allerdings dann zu erwartende Dürren und saurer Regen.

3 Lösungswege

Wir könnten auch versucht sein, auf die etwa zehnprozentige Chance zu hoffen, dass sich das Klima mit der Energieeinstrahlung weniger stark erwärmt. Cleverer wäre es aber vermutlich, sich darauf vorzubereiten, dass der weitaus wahrscheinlichere Fall eintritt.

Dazu schlagen die Wissenschaftler in ihrer Studie drei Wege vor, die allerdings keine Alternativen sind, sondern gleichzeitig beschritten werden müssen.

http://www.heise.de/tp/artikel/32/32563/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS