Unterschiedliche Wege

Peter Mühlbauer 19.05.2010

Während die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland nach dem Kirchhof-Gutachten mit 800 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen rechnen, will die BBC sparen und Gelder statt in den Sportrechtekauf und die Unterhaltung in die Produktion anspruchsvoller Programminhalte stecken

In Deutschland sind sich Politiker aller Parteien einig, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht weniger, sondern mehr Gebührengelder bekommen soll. Dazu soll die bisherige geräteabhängige Gebühr in eine Art Kopfsteuer umgewandelt werden, die pro Haushalt gezahlt werden muss. In Großbritannien gibt es keine solche Einheitsfront: Dort machten die Tories bereits im letzten Jahr klar, dass sie von der BBC, deren Charter nicht ewig gilt, sondern 2012 verlängert werden muss, Sparanstrengungen erwarten. Und weil niemand ernsthaft einen Labour-Wahlsieg erwartete, präsentierte die Anstalt bereits zu Anfang des Frühjahrs einen Plan, der unter anderem vorsieht, dass Digitalradioprogramme eingestellt werden und Gelder statt für Sportrechte für die Produktion anspruchsvoller Programminhalte ausgegeben werden.

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Insgesamt sollen im Rahmen des Leitsatzes "Qualität vor Quantität" 600 Millionen Pfund umgeleitet werden. Um ein Viertel bis ein Drittel gekürzt wird das Budget zum Einkauf ausländischer Serien, das derzeit bei 100 Millionen Pfund liegt. Diese Serien sind zwar qualitativ teilweise durchaus hochwertig, doch lieferte sich die BBC in der Vergangenheit häufig unnötige Bieterwettbewerbe mit den privaten Fernsehstationen ITV und Channel 4, auf die man nun verzichten will, weil der Zuschauer in Großbritannien die Produktionen ja ohnehin zu sehen bekommt. Auch der 112 Millionen Pfund umfassende Etat für den Internetauftritt wird um ein Viertel verringert. Zudem soll die BBC dort in Zukunft stärker auf Zeitungsartikel verlinken und so helfen, deren Traffic zu erhöhen. In Deutschland dürfte das geplante Gesetz zu Leistungsschutzrechten für Zeitungsverleger exakt das Gegenteil herbeiführen.

Die britische Öffentlichkeit nahm die Sparankündigungen ganz überwiegend wohlwollend auf. Proteste gab es im Großen und Ganzen nur gegen die geplante Schließung von 6 Music, einem Digitalradiosender, den zwar nur ein Fünftel der Briten kennt, der aber aufgrund seiner Musikauswahl und DJs wie Jarvis Cocker eine relativ treue Fangemeinde hat. Neben ihm und dem Migrantensender Asian Network sollen auch die Teenagerangebote Switch und Blast ganz eingestellt werden.

Mit Gebühreneinnahmen in Höhe von 3,6 Milliarden Pfund jährlich kommt die BBC mit sehr viel weniger als den etwa 7,6 Milliarden Euro aus, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland kostet. In dessen Führungsetagen denkt man, anders als in London, nicht an Einsparungen in den Bereichen Unterhaltung und Sport. Dabei nehmen die Kosten für Sportrechte bei ARD und ZDF mittlerweile solch einen bedeutenden Anteil an den Budgets ein, dass die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) in ihren letzten Bericht erhebliche Unterschiede zwischen den Ausgaben in geraden und ungeraden Jahren festgestellt hat, die sich ausschließlich durch "Sport-Großereignisse" erklären. Die Kommission konstatiert darin außerdem, dass Sport sowohl bei der ARD aus auch beim ZDF das absolut teuerste Ressort ist. Die höchsten Kosten pro Minute verursachen die unter dem Begriff "Fernsehspiel" laufenden Eigenproduktionen mit Affen, Nonnen, Christine Neubauer und Ähnlichem. Beide Bereiche weisen, so die KEF, "auf der Kostenseite negative Veränderungsraten gegenüber dem Referenzjahr 2004 auf" - was heißt, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland immer mehr Geld dafür ausgeben.

http://www.heise.de/tp/artikel/32/32653/1.html
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