Zivil-militärische Zusammenarbeit
Um die Resultate zu verbessern, drängt Telespazio auf eine Erhöhung der Anzahl der Satelliten. Damit könnten mehr Bilder in kürzerer Zeit geliefert werden, wenn gleichzeitig mehrere Satelliten auf verschiedenen Umlaufbahnen unterwegs wären.
Weitere offene Fragen beziehen sich auf den Ort, an dem die gewonnen Aufklärungsdaten zentral analysiert werden sollen. Der Chef der italienischen Küstenwache fordert, dass ein solches Zentrum über höchste Anforderungen automatisierter Datenverarbeitung verfügen müsste wie sie etwa beim Militär üblich ist (C4I).
Auf der Konferenz hatte der Leiter des Sicherheitsbereichs des spanischen Rüstungskonzerns INDRA das Projekt "SIVE" vorgestellt, das zunächst eine umfangreiche Radarabdeckung spanischer Küstenbereiche gewährleistete (Elektronischer Schutzwall gegen Einwanderer). Weil allerdings Migranten auf die zunehmende technische Überwachung reagierten und nun mit größeren Booten von weiter entfernten Häfen (Mauretanien und Senegal) kämen, hätten die spanischen Grenzbehörden bereits testweise Satellitenaufklärung in das System integriert. Zum Zuge kamen Bilddaten des kommerziellen Ikonos-Satelliten, der mehrmals täglich in 680 Kilometer Höhe die Erde umrundet. Eine Empfangsstation wurde in Gran Canaria eingerichtet. SIVE wurde zudem probehalber durch eine Drohne ergänzt, die mit einem SAR-Radar ausgerüstet ist (Drohnen für die EU-Grenzen). Die Einbeziehung der Drohne wurde den Projektpartnern von LIMES auf einer Tagung in Gran Canaria vorgeführt. "Satellitenaufklärung ist das beste Werkzeug zur Erlangung von Aufklärungsdaten über Veränderungen von Bedrohungen", folgert die Präsentation des INDRA-Managers. Taktische, also schnellere Entscheidungen sollten hingegen durch Drohnen-Aufklärung ergänzt werden.
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| Integration verschiedener Systeme am Beispiel des spanischen SIVE-Programm. Bild: Europäische Kommission für Unternehmen und Industrie |
Die Europäische Kommission wurde kürzlich vom Rat aufgefordert, die Implementierung der GMES-Ergebnisse in die europäische Migrationsabwehr bis Ende 2010 zu präzisieren. Hier dürften auch die Ergebnisse eines weiteren GMES-Projekts eine Rolle spielen, das sich explizit der Migrationsabwehr widmet. Mit dem European Maritime Security Services (MARISS) finanziert die EU das Ziel, "den Aufbau von konsistenten und nachhaltigen europäischen maritimen Sicherheitsdiensten" vorzubereiten. Neben dem Aufspüren von "Boat People" soll MARISS illegalen Handel und Fischerei in den Gewässern der Europäischen Union aufspüren.
Die Europäische Verteidigungsagentur EDA betreibt mit Maritime Surveillance (MARSUR) ein ähnliches Vorhaben, das die "Maritime Coordination Centres" (NMCCs) der Mitgliedsstaaten vernetzen soll. Eine Studie schlägt zudem eine zivil-militärische Vernetzung vor, indem auch die Grenzbehörden mittels EUROSUR an die militärische Aufklärung angeschlossen werden sollen. In einer Konferenz im März letzten Jahres in Brüssel kamen die Beteiligten der verschiedenen zivil-militärischen Forschungsprojekte zusammen, um über zukünftige Kooperationen zu beraten.
Nachfolger von LIMES ist das am 1. Januar 2009 im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms gestartete GMES services for Management of Operations, Situation Awareness and Intelligence for regional Crises (G-MOSAIC) mit Diensten für "Einsatzmanagement und Lageeinschätzung im Bereich Sicherheit". Ziel des dreijährigen Projekts unter Leitung der Raumfahrtsparte des italienischen Rüstungsgiganten Finmecchanica ist die Bereitstellung von Informationen für die EU-Mitgliedstaaten vor, während und nach einer "Krise". Polizei, Militär und Zivilschutz sollen durch "Sicherstellung von Einsatzbereitschaft, Krisenmanagement, Schadensbewertung, Wiederaufbau und Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Strukturen" unterstützt werden. Gemäß dem italienischen Innenminister Roberto Maroni ist Finmeccanica in Kooperation mit Libyen mit dem Aufbau eines Satellitenüberwachungssystems für die Sahara-Grenzen beauftragt, das die EU kofinanzieren soll.
Ebenfalls im Januar 2009 wurde das Projekt Services and Applications for Emergency Response (SAFER) mit Diensten und Anwendungen für den Notfalleinsatz ins Leben gestartet, das eine schnelle Kartierung in der Einsatzphase zum Ziel hat und innerhalb von 6 Stunden Referenzkarten zur Verfügung stellen soll.
Zu den potentiellen Nutzern der neuen Projekte gehören der zivil-militärische "Europäische Auswärtige Dienst", die Generaldirektionen Entwicklung, Humanitäre Hilfe (ECHO) und Umwelt der Europäischen Kommission, Stellen des Europäischen Rates sowie nationale Institutionen wie etwa Außenministerien, Polizeiorganisationen, Katastrophenschutz etc. Unter den 29 privaten und 25 öffentlichen "Partnern" aus 16 europäischen Ländern freut sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt über eine führende Rolle im Management. Das DLR hatte schon 2008 einen Workshop veranstaltet, auf dem Vertreter des Bundeskriminalamtes, mehrerer Landeskriminalämter, der Bundespolizei und des Bundesministeriums des Innern "eine engere Kooperation zwischen den beteiligten Stellen" ausgelotet hatten.
Zu SAFER und G-MOSAIC gesellen sich weitere Projekte, die allesamt von den großen europäischen Rüstungskonzernen dominiert werden. GMES and Earth observation with position-based image and sensor communications technology for universal rescue, emergency and surveillance management (GEO-PICTURES) etwa soll in Beinahe-Echtzeit Lagebilder erstellen, die sowohl Bild-, Video- und Audiodaten enthalten. Der Dienst, dessen Start letzte Woche bekanntgegeben wurde, soll zudem mit Informationen aus der Aufklärung mit Drohnen gefüttert werden.
Das "S" für Sicherheit in GMES wird Hauptdarsteller
Zivil-militärische Zusammenarbeit
Satellitenaufklärung auch zur Handhabung von politischem Protest
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