Facebook liebt die Öffentlichkeit: Die User auch?

07.06.2010

Facebook will wachsen und im Netz eine zentrale Stellung einnehmen - neue Funktionen sollen dafür den Weg bereiten.

Facebook ist mit bald 500 Millionen aktiven Nutzern das soziale Netzwerk im Web und seit dem März 2010 auch die meist aufgerufene Website in den USA. In den vergangenen Wochen hat Facebook mehrere größere Änderungen vollzogen, die viele kritische Berichte und Proteste in Blogs und Medien zur Folge hatten. Die neuen Funktionen und Einstellungen gaben persönliche Daten von Nutzern dem Netz preis, von denen diese bisher ausgehen konnten, dass sie privat sein und bleiben würden. Was will Facebook?

There is an old saying that when you go to heaven, all of your friends are there and everything is just the way you want it to be. So, together, let’s make a world that’s that good.

Mark Zuckerberg, CEO Facebook, 2010

Klar ist, dass erst eine gewisse selbstverständliche Offenheit der Informationen die Kommunikation in einem sozialen Netzwerk flüssig und die vielen kleinen gegenseitigen Status-Updates zwanglos und einfach macht. Freunde wollen sehen, was Freunde machen. Entscheidend ist dabei aber, dass genau definiert und nachvollziehbar ist, wer zu welchen Informationen Zugang hat. Facebook selbst hat als elitäres Netzwerk für Studenten der Eliteuniversität Harvard angefangen und die Mitgliedschaft zunächst streng auf diesen Personenkreis begrenzt, es war ein "walled garden".

Doch im Laufe des Wachstums hat Facebook die beunruhigende Tendenz gezeigt, die Privatsphären-Einstellungen der User zunehmend zu lockern, um durch dieses Mehr an öffentlich verfügbaren Daten Nutzen zu ziehen. Mit den neuesten Schritten in den letzten Monaten hat Facebook diese Tendenz bestätigt und ebenso nützliche wie beunruhigende neue Funktionen und Änderungen (von denen manche nach einer jüngsten Ankündigung allerdings zurückgenommen oder modifiziert werden sollen) vorgestellt, die Facebook eine zentrale Bedeutung im Netz geben sollen.

Facebook nutzen

Wer selbst einen Account auf Facebook nutzt, weiß, wie erstaunlich große Teile seiner Freunde und Bekannten unter den rund 10 Millionen Facebook Usern in Deutschland dort schon vertreten sind. Zunehmend kann man sein soziales Netz auf Facebook immer besser online widerspiegeln und viele User machen die Erfahrung, dass Facebook eine Bereicherung des eigenen sozialen Lebens sein kann: sei es, um verloren geglaubte alte Klassenkameraden wiederzufinden oder um die Kontakte mit weit entfernten Freunden und Bekannten aufrecht zu halten - Facebooks Reichweite als größtes Netzwerk ist international sehr groß.

Die vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation via Facebook reichen von "Mögen" oder bloßem Kommentieren der Aktivitäten von Freunden über persönliche Nachrichten, das Teilen von Vorlieben bis hin zu privaten Chats, Meldungen (Status-Updates) auf der eigenen Seite, Kommentieren von Neuigkeiten von Freunden oder Einstellen von Fotos und Videos. Weitere Vorteile: man wird automatisch an den Geburtstag von Freunden erinnert und kann sich mit dem Facebook Login bei vielen Seiten ganz einfach anmelden ohne sich erst registrieren zu müssen. Auch haben immer mehr Clubs, Museen, Galerien oder Unternehmen offizielle Seiten auf Facebook, über welche sie Meldungen zu ihren Veranstaltungen oder andere Infos anbieten - für den User praktisch ist das einheitliche Interface und die Infrastruktur, innerhalb der diese Informationen angeboten werden.

Ist der eigene Freundeskreis auf Facebook aktiv, kann ganz einfach gemeinsam der Abend geplant und dessen Verlauf mitgeteilt werden. Oder man kann auch (zusammen) spielen: das beliebteste Spiel auf Facebook mit 80 Millionen Teilnehmern ist FarmVille, und viele weitere locken - alle unter einem Dach, mit allen Freunden als potentiellen Mitspielern.

Facebook ist als das größte soziale Netzwerk auch ein Ort, um ohne Aufwand eine kleine Bewegung zu starten - mit welchem Ziel auch immer: eine neugegründete Seite, die innerhalb kürzester Zeit mehrere Millionen Nutzer unter einer Flagge vereinen kann, bekommt schon alleine deswegen Aufmerksamkeit - auch die der traditionellen Presse, wenn es sich um ein öffentlichkeitswirksames Thema handelt.

Das Wachstum Facebooks als größtem sozialen Netzwerk wird von einer positiven Rückkoppelung genährt: je mehr Menschen Facebook benutzen, desto eher werden neue User sich ebenfalls dort anmelden anstatt bei einem konkurrierendem Netzwerk: jeder User, der schon dabei und aktiv ist, wirbt automatisch in seinem Freundeskreis für weitere Neuzugänge. Zudem weist diese Umfrage darauf hin, dass die Bedeutung Facebooks in Zukunft weiter zunehmen wird: unter minderjährigen Facebook-Usern in den USA gaben 28 % von 10-12jährigen (interessant dabei: 40% der Mädchen, aber nur 6% der Jungen) an, dass Facebook das wichtigste in ihrem Leben sei.

Immer öffentlicher?

Im Rahmen der jüngsten Neuerungen im April 2010 und auch schon im Dezember 2009 hat Facebook einige gravierende Änderungen an den Standardeinstellungen der Privatsphäre vorgenommen und neu entschieden, welche Daten von Usern privat und welche öffentlich einsehbar sind. Im Dezember hatte Facebook die Freundeslisten seiner User publik gemacht - ein gewaltiger Bruch der Privatsphäre, denn bis dahin konnte jeder User davon ausgehen, dass nicht im ganzen Netz einsehbar ist, mit wem er befreundet ist. Nach Protesten jedoch hat am 26. Mai Facebook-CEO Zuckerberg Änderungen angekündigt, die in den nächsten Wochen schrittweise vollzogen werden sollen. Folgende Daten sind bis zum Vollzug der Änderungen jedoch noch immer öffentlich einsehbar (sofern vom User überhaupt eingegeben): Name, Profilphoto, Angaben über Geschlecht, Wohnort, Netzwerke, Fanseiten, sowie Interessen wie Musik, Bücher oder Filme - diese Informationen können von Suchmaschinen gefunden werden und tauchen auf den Profilseiten auf, wenn Fremde sie anschauen. Und auf Seiten im Netz, die Facebooks Social Plugins benutzen, ist einsichtig, ob man diese Seite "gemocht" hat.

Verwirrend: Man kann zwar beschränken, wer die Freundesliste auf dem Profil sehen darf, aber diese kann trotzdem von Apps oder Webseiten via API abgerufen werden. Nach den angekündigten Änderungen soll es möglich sein, Freundeslisten auch vor Apps zu verbergen und wieder die Sichtbarkeit seiner Interessen (wie vor den letzten Neuerungen) zu kontrollieren - es ist allerdings nicht klar ob und in welchem Umfang das auch für die eigenen "Likes" ("Gefällt mir") zutrifft.

Doch nicht nur im Sachen Privacy-Einstellungen gab es Veränderungen. Mehrere Tools für Entwickler wurden gestartet, um Facebookfunktionen leichter auf Webseiten einzubetten. Hier die auf der Facebook Entwicklerkonferenz f8 im April vorgestellten Änderungen im einzelnen - durch Facebooks vorherrschende Stellung als das größte soziale Netzwerk haben alle Neuerungen potentiell große Implikationen für die nächste Zukunft des Netzes:

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