Verfügen Aliens über gesunden Menschenverstand?

31.07.2010

Eine Astronomen-Familie schlägt Veränderungen für die Suche des SETI-Projektes vor

Seit 50 Jahren suchen Menschen mit Radioteleskopen den Himmel nach Signalen ab, die ein Zeichen für die Existenz außerirdischen Lebens sein könnten. Die Suche – koordiniert im SETI-Projekt in Mountain View (Kalifornien) – hat unsere Vorstellung davon, dass wir im Universum nicht allein sind, beflügelt.

Die Ergebnisse dieser Suchaktion sind bislang allerdings überaus mager – um nicht zu sagen: Es gibt keine (Ergebnisse). Die Scientific Community, die sich rege am SETI-Projekt beteiligt, stellt sich daher nun langsam die Frage, ob es vielleicht an der Suchmethode liegen könnte. Bei dieser werden nämlich insbesondere nahe gelegene Sternensysteme daraufhin "abgehört", ob von ihnen ungewöhnliche Muster ausgesandt werden. Gibt es vielleicht eine bessere Methode? Gregory Benford, Astrophysiker bei UC Irvine (sowie Science-Fiction-Autor) und sein Zwillingsbruder James – Physiker, spezialisiert auf Starkstrom-Mikrowellen-Technologie – glauben: Es gibt eine. Und ihre Ideen finden zusehends Beachtung.

In zwei Studien, die in der Juni-Ausgabe des Journals Astrobiology veröffentlich wurden, untersuchen die Benford-Brüder zusammen mit James Benfords Sohn Dominic (einem NASA-Wissenschaftler) die Aussichten dafür, eine Zivilisation auf Basis der von ihr ausgesandten Signale zu entdecken – oder wie Gregory Benford es nennt: "den Standpunkt desjenigen, der die Rechnungen zahlt einzunehmen. Unser Großvater sagte immer: ‚Reden ist billig, Whiskey kostet Geld.‘" Die Übermittlung von Signalen – zumal über interstellare Distanzen - ist teuer und ressourcenaufwändig.

SETI-Vortrag von James Benford. Screenshot Interstellar Beacons - James Benford (SETI Talks)

Vorausgesetzt also die Alien-Zivilisation würde sich bemühen, ihre Kosten für solch eine Sendung zu optimieren und ihre Signal-Technologie effizient zu gestalten, dann würden diese Signale wohl nicht kontinuierlich und in alle Richtungen in den Weltraum gefunkt, sondern eher gepulst, auf nahe Ziele gerichtet und im Breitband zwischen 1 und 10 Gigahertz zu suchen sein – schlagen die Benfords vor.

"Dieser Ansatz ist eher wie Twitter und weniger wie ‚Krieg und Frieden‘", scherzt James Benford, der Gründer und Präsident von Microwave Sciences Inc. In Lafayette (Kalifornien). Das Konzept, kurze, zielgerichtete Funkzeichen – von der Presse mittlerweile "Benford Beacons" getauft – hat weitreichende Beachtung in wissenschaftlichen Publikationen, wie z.B. Astronomy Now gefunden. Der bekannte Kosmologe Paul Davies hat in seinem dieses Frühjahr erschienen Buch "The Eerie Silence: Renewing Our Search for Alien Intelligence" die Theorie der Benfords unterstützt.

SETI-Vortrag von James Benford. Screenshot Interstellar Beacons - James Benford (SETI Talks)

SETI könnte – das seine Suche bislang auf das Schmalband konzentriert – also nach der falschen Art von Signalen suchen. Die Benfords und eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern, die an der Suche nach außerirdischen Signalen beteiligt sind, empfehlen daher, die SETI-Empfänger neu einzustellen, um auf diese Weise die Möglichkeit, direkte, breitbandige Signale zu empfangen, zu vergrößern. Aber wo soll nach diesen gesucht werden? Auch dafür haben die Benfords einen Tipp: Ihr Konzept der "sparsamen Aliens" verweist im Prinzip direkt auf unsere Milchstraße, insbesondere deren Zentrum, wo sich 90 Prozent der Sterne unserer Galaxie befinden.

"Diese Sterne sind eine Milliarde Jahre älter als unsere Sonne, was die Möglichkeit mit einem Kontakt zu einer fortschrittlicheren Zivilisation noch vergrößert", so Gregory Benford. Die SETI-Empfänger zielen bislang aber entweder aus der Milchstraße hinaus oder auf wesentlich jüngere und weniger "bevölkerte" Gegenden unserer Galaxie. "Ob die Suche nach Signalen von anderen Welten funktioniert?", fragt Benford und rät: "Die Bemühungen des SETI-Projektes lohnen fortgesetzt zu werden aber unser eher auf den ‚gesunden Menschenverstand‘ setzender Ansatz für mögliche Signalquellen und -arten könnte eher zu einer Antwort auf diese Frage führen."

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Harald Zaun:
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