Angeschaltet bleiben für Arecibo

20.08.2010

Einstein@Home: Private Computernutzer aus Deutschland und Iowa halfen, einen ungewöhnlichen Pulsar zu entdecken

Weil drei User von zwei Kontinenten anstatt ihre Computer herunterzufahren, sie eingeschaltet und das Einstein@Home-Programm laufen ließen, konnte ein Pulsar in 17.000 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Fuchs entdeckt werden.

"Das Arecibo-Teleskop" (Foto: Cornell University)

Der Fund geht auf Daten zurück, die vom Projekt Pulsar ALFA (PALFA) des Arecibo-Observatorium der Cornell University gesammelt und vom Cornell Center for Advanced Computing aufbereitet wurden. Es handelt sich bei der Entdeckung um die erste derartige Entdeckung im "deep space" mithilfe des Einstein@Home-Programms, welches Leerlauf-Kapazitäten privater Computer nutzt und bereits 250.000 Unterstützer in 192 Ländern gefunden hat.

Die Entdecker des Pulsars sind (die Computer von) Chris und Helen Colvin, beide Informatiker aus Ames (Iowa), und Daniel Gebhardt, Systemanalytiker an der Universität Mainz im Bereich Musikinformatik. Ihre Computer haben zusammen mit 500 000 anderen rund um den Globus Daten für Einstein@Home analysiert. Das Programm war ursprünglich entwickelt worden, um Gravitationswellen – also Wellen in der Raumzeit – mit Hilfe des Laser Interferometer Gravitational Wave Observatory (LIGO) zu finden. 2009 sind die Daten des Arecibo-Observatoriums zum Projekt hinzugekommen.

Der jetzt entdeckte Pulsar mit der Bezeichnung PSR J2007+2722 ist ein alleinstehender Neutronenstern, der sich 41 mal pro Minute um sich selbst dreht. Jim Cordes, Professor für Astronomie an der Cornell, findet das Objekt besonders deshalb interessant, weil es sich wahrscheinlich um einen "recycelten" Pulsar handelt: Ein Neutronenstern, der einmal einen Begleiter besessen hatte, von dem er seine Masse erhielt, der dann jedoch explodiert ist und den Pulsar dadurch fortgeschleudert hat.

Die Position des Pulsars im Sternbild Fuch (rot umkreist) (Foto: AEI Hannover)

"Wir glauben, dass es noch mehr solcher 'zerrissener' Pulsar-Doppelysteme gibt, haben aber noch nicht sehr viele davon entdeckt", bemerkt Cordes, der ebenfalls bei der PALFA-Arbeitsgemeinschaft, einer internationalen Gruppe von Astronomen, die die Suche durchführt, mitwirkt.

Egal was wir sonst noch darüber herausfinden, dieser Pulsar ist überaus interessant, um daran die grundlegenden physikalischen Eigenschaften von Neutronensternen und ihrer Entstehung zu untersuchen.

Die Entdeckung verdeutlicht darüber hinaus die Leistung von derartigen Computernetzwerken beim Sammeln und Ordnen von großen Datenmengen, die vor allem durch das SETI@Home-Projekt (siehe Verfügen Aliens über gesunden Menschenverstand? bekannt wurden. Das Einstein@Home-Projekt hat seinen Sitz am Center for Gravitation and Cosmology der Universität von Wisconsin-Milwaukee und dem Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut, AEI) in Hannover.

Etwa ein Drittel der Rechenkapazität des Projektes wird für die Arecibo-Daten genutzt. Diese werden vom Cornell Center for Advanced Computing via Internetverbindung mit hoher Bandbreite zum AEI übermittelt, dort verarbeitet und an die teilnehmenden Computer rund um den Globus verteilt. Die Ergebnisse laufen dann zurück an AEI und Cornell zur weiteren Untersuchung.

"Der Fund war ein aufregendes Ereignis für Einstein@Home und seine Unterstützer. Er beweist, dass eine derartige öffentliche Beteiligung an der Suche durchaus neue Phänomene im Universum entdecken helfen kann", so Bruce Allen, Leiter des Einstein@Home-Projektes, AEI-Direktor und außerordentlicher Professor für Physik an der Universität Wisconsin-Milwaukee.

Ich hoffe, der Fund ermuntert mehr Menschen, sich dem Projekt anzuschließen und uns bei der Suche nach verborgenen Geheimnissen in den Daten zu unterstützen.

Das Colvin-Ehepaar und Daniel Gerhardt haben inzwischen eine Plakette für ihre Entdeckung erhalten und wollen weiter am Projekt mitarbeiten. Für die Colvins stellt diese Mitwirkung glücklicherweise keine Extraarbeit dar, denn sie erwarten am 20. August ein Baby. Dann dürften ihre beiden Rechner ohnehin häufiger ungenutzt herumstehen und vielleicht bald ein dritter hinzu kommen.

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