Fast die Hälfte der Wachzeit an Medien gekoppelt

23.08.2010

Zwar dominiert weiter das Fernsehen, aber Smartphones und die Nutzung von Sozialen Netzwerke werden ebenso wie Multitasking immer wichtiger

Wir leben zunehmend unter einer medialen Glocke, die uns aus der unmittelbaren Um- und Mitwelt heraushebt, in der sich unsere Körper und die unserer Mitmenschen befinden. Möglicherweise kann man doch von einer Entfremdung dieser räumlichen Nahwirklichkeit sprechen, wenn die Menschen durchschnittlich bereits 45 Prozent ihrer Wachzeit an Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsmedien angekoppelt sind und sich so zumindest in zwei Räumen gleichzeitig aufhalten. Oft sind sie dabei nicht einsam, sondern sie kommunizieren mit Handys und Internet vermutlich mehr und länger als jemals zuvor. Männer nutzen Medien durchschnittlich noch eine Stunde mehr als Frauen.

Die britische Regulierungsbehörde Ofcom hat erstmals in einer Studie untersucht, wie viel Zeit die Briten mit welchen Medien verbringen. Sehr viel anders dürfte dies in Deutschland auch nicht sein. Wenig überraschend ist, dass das Fernsehen noch immer an der Spitze liegt, vor allem am Abend. 3,45 Stunden verbringen die Briten durchschnittlich vor der Glotze, jedenfalls läuft sie so lange, 3 Prozent mehr in den letzten 5 Jahren.

Dass der Fernsehkonsum nicht sinkt, könnte sich daraus erklären, dass immer mehr Menschen, auch wenn manche Deutsche das gar nicht gut und erträglich finden, Multitasking betreiben, nämlich mehrere Medien gleichzeitig nutzen. Damit würden 8,45 Stunden Mediennutzung in 7 Stunden zusammengepresst, wenn man etwa gleichzeitig Musik hört und Emails schreibt oder liest. Ein Fünftel benutzen mehrere Medien gleichzeitig, bei den 16-24-Jährigen sind es bereits 29 Prozent. Sie würden gar 9,5 Stunden in 6,5 Stunden komprimieren – vorwiegend am Computer und mit dem Handy, wo sie für 67 Prozent der damit verbrachten Zeit kommunizieren, vor allem in den Sozialen Netzwerken wie Facebook. Die älteren Internetnutzer ziehen zur Kommunikation Emails vor.

Allerdings verlangt Fernsehen doch offenbar mehr Konzentration ab oder man will einfach mal anstrengungslosen Konsum, die Meisten würden neben dem Fernsehen normalerweise kein weiteres Medium benutzen, so Ofcom. Mehr und Mehr nutzen auch die Möglichkeit, über das Internet zu fernsehen. Überhaupt werden Smartphones immer wichtiger, mit denen man auch mobil auf das Internet zugreifen kann, die Jüngeren halten sich damit über die Sozialen Netzwerke informiert über ihre "Freunde", aber es wird auch immer mehr Multimedia-Content abgerufen. Smartphones ersetzen nicht das Fernsehen, vermutlich aber teilweise den Computer, zumal Jüngere auf das Internet auch über ihre Spielekonsolen zugreifen.

Die Nutzung der Sozialen Netzwerke nimmt auch bei den Älteren zu, die Hälfte der 35-54-Jährigen nutzt sie bereits, bei den über 55-Jährigen sind es erst 20 Prozent. Facebook ist noch immer am populärsten und verschlingt am meisten Zeit. Ein Viertel der Online-Zeit wird bereits in Sozialen Netzwerken verbracht. Überhaupt ist die Zeit vorbei, in der das Internet ein "junges" Medium war. Die Alten stellen die am schnellsten wachsende Gruppe der Internetnutzer dar. Über 14 Stunden verbringen die erwachsenen Briten durchschnittlich im Internet. Aber auch SMS sind weiter attraktiv. 2009 wurde die Rekordzahl von 104 Milliarden versendet, das sind pro Kopf 1.700 in einem Jahr.

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