Der Nacktscanner auf der Straße

Florian Rötzer 27.08.2010

Eine US-Firma will weltweit Fahrzeuge an Behörden verkauft haben, mit denen sich in andere Fahrzeuge - und unter die Kleidung von Passanten - schauen lässt

Es hat Proteste gegen die Einführung der populär als Nacktscanner bezeichneten Röntgenscanner gegeben, die mit der Backscatter-Technik unter die Kleidung schauen können. Mit derselben Technik lassen sich auch andere Oberflächen durchdringen, so dass man sehen kann, was dahinter ist. Street View war gestern, der öffentliche Raum dehnt sich bis in Fahrzeuge, unter die Kleidung und in die Innenräume aus.

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Im Vorbeifahren schauen, was in einem anderen Fahrzeug ist. Bild: AS&E

Wie gerade durch einen Blog von Forbes bekannt wurde, soll das US-Unternehmen American Science & Engineering (AS&E) nach Aussage des Vize-Marketingchefs Reiss um die 500 Fahrzeuge - Z Backscatter Van (ZBV) - an US-Behörden und ins Ausland verkauft, mit denen sich unterwegs in andere Fahrzeuge sowie in diesen mitgeführte Gepäckstücke oder andere Behälter schauen lässt, um versteckte Gegenstände oder Personen zu entdecken - die Grenzwächter der ehemaligen DDR hätten sich über eine solche Technik gefreut (Video). Käufer habe es in allen Kontinenten geben, vielleicht fahren also auch schon bei uns die Durchblicker-Vans herum, die die Privatsphäre noch entschieden weiter verletzten würden als die Google-Fahrzeuge, die Bilder für Street View aufgenommen haben.

Man könne Waffen, Drogen, schmutzige Bomben, versteckte illegale Einwanderer oder Terroristen oder Schmuggelware erkennen, preist das Unternehmen an. Empfohlen werden die Vans nicht nur zur Grenz- und Hafenüberwachung, sondern etwa auch zur "urbanen Überwachung". Praktisch dürfte auch sein, dass damit auch unter die Kleidung der Passanten geblickt werden kann; allerdings können, so AS&E, die Körper nicht so genau gesehen werden wie bei den Nacktscannern am Flughafen. Für die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU wäre die Auswanderung der Nacktscanner auf die Straßen eine Verletzung der Verfassung, zumal eine Belastung für die Gesundheit durch die Strahlung noch nicht ausgeschlossen werden kann.

Das Nacktscanner-Fahrzeug. Bild: AS&E

Das mag man glauben oder nicht. Jedenfalls können die Bilder gespeichert werden, das Entkleiden und Durchsehen dürfte aber als Durchsuchung zu bewerten sein, wofür eine richterliche Genehmigung erforderlich wäre, zumal eine Durchsuchung im öffentlichen Raum ohne konkreten Verdacht nicht sowieso völlig illegal wäre. Interessant also wäre durchaus, ob es in Deutschland solche Vans gibt und wie sie eingesetzt werden.

Bild: AS&E

Im Prinzip könnte man mit der Technik auch durch Wände sehen (Die Stadt und ihre Gebäude sollen zum Panopticon werden). Die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, hätte solche Möglichkeiten natürlich gerne. Damit wäre man nicht mehr bei der dann richtig harmlos scheinenden Street View, sondern mit dem Backscatter-Lauschangriff könnte man in die Häuser und Wohnungen von Autos, Flugzeugen oder Drohnen blicken - nicht nur staatliche Sicherheitskräfte, sondern auch diejenigen, die sich solche Techniken leisten können.

http://www.heise.de/tp/artikel/33/33199/1.html
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