Pay-TV-Sender orientiert sich an Gema und GEZ

Peter Mühlbauer 31.08.2010

Der Sky-Deutschland-Vertrieb Exomax wirbt um Mitarbeiter, die Gaststätten und Hotels kontrollieren sollen

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Die Abonnentenzahl von Sky Deutschland stagniert bei unter zweieinhalb Millionen und damit in einem Bereich, der im letzten Jahr zu einem EBITDA-Minus in Höhe von 262,7 Millionen Euro führte. Bemerkenswert ist, dass diese Abonnentenstagnation trotz eines Lockangebots anhält, durch das Kunden bis 2011 weniger als die Hälfte der dann fälligen 42,90 Euro monatlich für ein Angebot zahlen, zu dem noch sie noch die Kosten für die GEZ und eventuell den Kabelanschluss hinzurechnen müssen.

Auch Kooperationen mit Kabelnetzbetreibern und Internetanbietern konnten die Zahl der Teilnehmer bisher nicht maßgeblich steigern. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Telekom das Pay-TV-Hauptzugpferd Fußball-Bundesliga über ihr IPTV-Angebot zusammen mit Telefon und Internet derzeit für 44,95 Euro monatlich liefert, während Sportfans für die gleiche Leistung im Paket von Sky und Netcologne fast zehn Euro mehr zahlen.

Beobachter spekulieren seit längerem, dass Rupert Murdoch, dessen News Corporation eine relative Mehrheit an dem Unternehmen hält, das Zuschussgeschäft satt haben und den Sender wieder verkaufen könnte. Allerdings scheint bisher eher das Gegenteil der Fall zu sein: Noch im Juli ersetzte der Medientycoon den Aufsichtsratsvorsitzenden Markus Tellenbach durch seinen Gefolgsmann Chase Carey.

In der Vergangenheit orientierte man sich bei Sky Deutschland überwiegend an Rezepten aus den USA und Großbritannien, wo es bereits seit langem erfolgreich operierende Pay-TV-Sender gibt. Nun scheint sich die AG auf ein traditionell deutsches Modell der Einkommensgenerierung zu stützen, das unter anderem von der Gema und der GEZ erfolgreich praktiziert wird: Man schickt Kontrolleure los, die Bezahlansprüche geltend machen.

Freilich bestehen solche Ansprüche - anders als bei der GEZ - nicht gegen jeden Besitzer eines Rundfunkempfangsgeräts, eines Computers oder eines halbwegs neuen Mobiltelefons, sondern nur gegen solche Personen, die das Angebot des Senders tatsächlich nutzen. Konkret ins Auge gefasst hat man darunter eine Gruppe, deren Räume sich - anders als Privathaushalte - ohne den Einsatz von Tricks kontrollieren lassen: Gaststätten, die für eine Lizenz deutlich mehr bezahlen müssen, als für einen Privatanschluss - nämlich je nach Raumgröße und Laufzeit zwischen 190 und 385 Euro monatlich.

Öffentlich wurde das Vorhaben durch eine Stellenausschreibung, in welcher die Vertriebsfirma Exomax "Handelsvertreter" sucht, die solche Kontrollen vornehmen. Offiziell läuft das Stellenangebot unter "regionale Vermarktung". Bei den Einstellungsvoraussetzungen ist man - ähnlich wie die GEZ - nicht allzu kleinlich und begnügt sich mit einem Hauptschulabschluss

Mit der "innovativen Tätigkeit mit absoluten Top-Konditionen" sollen die freien Mitarbeiter nach einer "absoluten Top Ausbildung und Vorbereitung auf die Aufgabe" Monatseinkommen von über 3.500 Euro erzielen. Die kommen angeblich nicht nur dadurch zustande, dass sie in einem mit "Gebietsschutz" ausgestatteten Bereich Hotels "Vorteile einer kostenlosen Pay-TV-Anbindung" darlegen, sondern auch indem sie "regelmäßig die rechtmäßige Ausstrahlung der Pay-TV-Inhalte in den Hotels, Restaurants, Bar`s etc. [...] überprüfen".

"Diese Überprüfungsaufgabe", so Exomax, "wird pauschal noch einmal extra und besonders lukrativ vergütet" und hat darüber hinaus "den weiteren Vorteil, dass Sie hier pro Kunden die Möglichkeit bekommen, die bereits extra vergütete Kontrolle (bei unrechtmäßigen Gebrauch des Pay-TV-Senders) des Kunden zusätzlich dann noch in einen zahlenden Neukunden per Vertragsneuaufnahme umzuwandeln [sic]". Kontrolliert werden soll offenbar vor allem, während die Fußball-Bundesliga übertragen wird. Dann sind der Vertriebsfirma nach pro Spieltag "zusätzliche Einkünfte von etlichen Hundert Euro machbar."

http://www.heise.de/tp/artikel/33/33220/1.html
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