Warum sich Sarrazin mit Gaddafi gut verstehen sollte

Florian Rötzer 31.08.2010

Gaddafi will die Europäer zum Islam bekehren und warnt vor einem "zweiten Afrika" durch die drohende Massenimmigration aus Afrika

Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi sorgt bei seinem Italienbesuch mal wieder für Aufregung. Der autoritäre Weltretter, der sich seit 1969 an der Macht hält und immer wieder mal eine Mission für sich als Messias vom islamischen Sozialismus bis zu einer arabischen oder afrikanischen Einheit entdeckt, zelebriert seine Ausflüge nach Europa.

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Meist kommt der Wüstenherrscher mit großer Entourage im Zelt, jetzt hat er sich wieder einmal über eine Modelagentur mit jungen Frauen umgeben, denen er den Islam und den Koran näher bringen will. Man kann sich fragen, ob er das wirklich ernst meint oder ob das vielleicht eine ironische Anspielung an Berlusconi sein soll. Gaddafi sagte jedenfalls, dass die Frauen in Libyen mehr geachtet würden als in den USA und im Westen.

Gaddafi, der Obama im Gegensatz zu dessen Vorgängern ganz passabel findet, könnte sich jedenfalls gut mit Sarrazin zusammen tun. Während der eine vor dem Untergang des Abendlands warnt, weil der Islam demografisch die Herrschaft übernimmt, wirbt der andere bei den Europäern, doch zum Islam überzutreten. Hätte Jesus noch Mohammed erlebt, wäre er sicher auch Muslim geworden, meint Gaddafi, der den Islam als Fortentwicklung des Christentums begreift. Angeblich sind durch seine Belehrungen auch ein paar der jungen Frauen zum Islam konvertiert, man munkelt jedoch, dass dies ein paar tausend Euro als Showeinlage geschah.

Auch in anderer Hinsicht ist Gaddafi ein Spiegelbild zum deutschen Herrn aus der Oberschicht. Der will die Grenzen dicht machen und Deutschland oder Europa in eine Festung einschließen, in die nur die gut Gebildeten und "Tüchtigen" Zutritt haben sollen, die die ethnische Identität der Deutschen nicht gefährden. Massenimmigrationen "von bildungs- und kulturfernen Gruppen aus Afrika, aus Nah- und Mittelost wird kein Problem lösen, aber viele neue schaffen", schreibt Sarrazin. Da geht es also nicht nur um Muslime, sondern um die Unterschicht, die man aussperren oder, sofern im Inland, egal ob deutsch oder nicht, zum Gebärstopp bringen muss.

Gaddafi springt in die Bresche und bietet sich an, Europa vor eben der Massenimmigration zu schützen, wofür man eben ein wenig zahlen muss. Er stellt sich vor, an Libyen müssten jährlich mindestens 5 Milliarden Euro fließen, damit die Massenimmigration aus Afrika an den Grenzen seines Landes, der "Eingangstür" der unerwünschten Immigration, gestoppt wird. Dafür kriegt Libyen schon jetzt Geld, Europa ist es egal, ob Libyen dabei Menschenrechte verletzt. Wenn Libyen kein Geld erhält, so Gaddafi, dann würde man halt die Immigranten durchziehen lassen, die Europa zu einem "zweiten Afrika" machen. Da ist er wieder ganz bei Sarrazin, zumindest versucht er, dieselben Untergangsängste wie der Bundesbanker zu beschwören, der zwar noch der SPD angehört, aber von den Rechten integriert wird, die freilich übersehen, dass Sarrazin von der deutschen Unterschicht auch nichts hält.

Gaddafi weiß, dass trotz aller Sicherungen der EU-Grenzen durch den Ausbau von Frontex die Immigration aus Afrika ein gutes Mittel ist, um Europa zu erpressen. Das wird nicht nur von Libyen genutzt, sondern auch von Marokko, Tunesien oder Algerien. Und wenn das Spiel erst richtig los geht, sobald die Sarrazins in Europa mächtiger werden, wird es richtig teuer werden, die Festung, in der die Bevölkerung schwindet, dicht zu halten.

http://www.heise.de/tp/artikel/33/33226/1.html
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