18-Prozent-Potenzial für Sarrazin-Partei

Peter Mühlbauer 05.09.2010

Der ehemalige Berliner Finanzsenator will trotzdem in der SPD bleiben

Der Sommer scheint in diesem Jahr bereits Anfang September vorbei, dafür dauert das Sommerloch umso länger. Bild am Sonntag versuchte es zu füllen, indem es das Emnid-Institut fragen ließ, wie viele Bürger eine vom umstrittenen Aufmerksamkeitskünstler Thilo Sarrazin angeführte Partei wählen würden. Die potenziell 18 Prozent, die dabei herauskamen, sind angesichts anderer Umfragen in der jüngsten Vergangenheit nicht unbedingt überraschend, was den Axel-Springer-Verlag jedoch nicht davon abhielt, das Ergebnis als "Schock für die etablierten Parteien" zu präsentieren. Ein tatsächlich nicht ganz uninteressantes Detail, das Forsa ans Licht brachte, ist jedoch, dass der Zuspruch für Sarrazin ausgerechnet bei Linkspartei-Wählern deutlich über dem Durchschnitt liegt, nämlich bei 29 Prozent. Von den Unionswählern würden dagegen nur 17 Prozent für ihn stimmen.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Das Ergebnis hat allerdings insofern einen Schönheitsfehler, als Sarrazin angeblich nicht daran denkt, eine neue politische Gruppierung zu gründen oder einer nicht etablierten beizutreten: Dem Focus sagte er, er habe "Ideen im Sinn", keine Parteien. Derzeit scheint außerdem zweifelhaft, ob das am 30. August eingeleitete Parteiordnungsverfahren zu einem Ausschluss aus der SPD führt - auch deshalb, weil sich die Parteiführung mit einer Flut von Zuschriften konfrontiert sieht, in denen sich Mitglieder- und Wähler mit dem Hugenotten solidarisch erklären.

Thilo Sarrazin. Foto: Nina. Lizenz: CC-BY-SA 3.0.

Ebenso wenig gesichert ist, dass der ehemalige Berliner Finanzsenator seinen Posten bei der Bundesbank verliert: Er informierte nämlich, wie jetzt bekannt wurde, den Vorstand bereits am 16. August über sein Buch Deutschland schafft sich ab, ohne das von dort Widerspruch laut geworden wäre, weshalb eine Entlassung mit Verweis auf das Mäßigungsgebot Fragen nach sich ziehen dürfte, die den anderen Mitgliedern auf die eine oder andere Weise unangenehm sein könnten. Wirksam wird eine Entlassung erst, wenn sie Bundespräsident Wulff unterzeichnet. Sarrazin hat allerdings bereits angekündigt, in diesem Falle den Rechtsweg zu beschreiten. Morgen früh will er an seinem Arbeitsplatz erscheinen und angesichts der ihm entzogenen Zuständigkeiten den Tag mit dem Beantworten von "Bürgerpost" verbringen.

http://www.heise.de/tp/artikel/33/33259/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS