Deutschland schafft sich nicht ab - meint die Bertelsmann Stiftung

Florian Rötzer 24.09.2010

Die Stiftung hat einen "Faktencheck" zu einigen Thesen von Sarrazin veröffentlicht

Bertelsmann, von Bundeskanzlerin Merkel als Weltkonzern gepriesen, feierte am Donnerstag sein 175jähriges Bestehen, schreibt Gewinne und sucht weiterhin, politisch über die Stiftung Einfluss auszuüben. Brandstifter wie Sarrazin, die Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen schüren und alten rassistischen, nur vom antisemitischen zum antiislamischen verkehrten Vorurteilen nachhängen, passen dem politischen Konzept der Stiftung auf jeden Fall nicht in den Kram. So hat sie denn den Versuch gemacht, die kruden Thesen, meist "langlebige Vorurteile und Legenden", des ehemaligen Berliner Finanzsenators durch einen "Faktencheck" zu widerlegen.

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"Deutschland schafft sich nicht ab", so der Titel der Veröffentlichung, die sich 10 Behauptungen vornimmt und sie mit Umfrageergebnissen zu beantworten sucht, was die Sarrazin-Fans und Islamhasser wohl aber nicht sonderlich beeindrucken wird.

Die Integration, die Sarrazin und seine Anhänger in Frage stellen, sei in Wirklichkeit ganz gut vorangekommen. Das würden auch die meisten Deutschen so sehen, heißt es mit Verweis auf das Jahresgutachten des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration 2010. Auch die Stimmung zwischen Deutschen und Migranten würde sich nicht drastisch verschlechtern, mehrheitlich würden beide das Zusammenleben positiv bewerten. Zwar glaubt ein Drittel, dass die deutschen Interessen in der Integrationspolitik bislang zu wenig vertreten worden seien, aber das ist dennoch eine Minderheit. Fast zwei Drittel seien auch der Meinung, dass nicht nur die Migranten, sondern dass beide Seiten für eine gelingende Integration verantwortlich seien.

Auch die von Sarrazin behauptete Ablehnung der Demokratie seitens der Muslime lasse sich durch Umfragen nicht erhärten: "Migranten stimmen der Demokratie in Deutschland fast ebenso sehr zu wie die deutschstämmige Bevölkerung. Nach einer Studie der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2009 sagen 70 Prozent der Migranten "Ja" zur Demokratie, unter der deutschstämmigen Mehrheitsbevölkerung sind dies 78 Prozent. Die Zustimmung zur Demokratie der Migranten wächst dabei mit Aufenthalts- und Lebensdauer in Deutschland an." Zwar seien die Migranten etwas religiöser, aber auch hier ist die überwiegende Mehrheit tolerant. Nur 16 Prozent sagen, ihre Religion habe einen Einfluss auf ihre politische Haltung, was aber auch für 18 Prozent der Deutschen der Fall sei. Eine überwältigende Mehrheit der Migranten fühlt sich in Deutschland wohl und wünscht sich auch einen engen sozialen Kontakt mit Deutschen.

Und nach Bertelsmann ist auch in den Schulen alles in Ordnung: "Zwei Drittel der Erstklässler deutscher Herkunft finden es völlig normal, Mitschüler mit anderen ethnischen Wurzeln zu haben. Durchschnittlich 60 Prozent der Erstklässler haben einen Freund oder eine Freundin anderer ethnischer Herkunft. " Hier finde bereits eine wichtige Integration statt, die, so die Würzburger Wissenschaftler, mindestens so wichtig sei wie Sprachkurse. Von einer Spaltung könne man nicht sprechen, interethnische Freundschaften seien ganz normal. Wenn die deutschen Kinder in Klassen aber in der Minderheit sind, könnte es durchaus sein, dass es hier stärker zu Konflikten kommt, was die Studie aber nicht thematisiert.

http://www.heise.de/tp/artikel/33/33374/1.html
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