"Die Informationen, die ich online finde, sind immer richtig"

14.10.2010

Nach einem US-Bericht haben es die Kinder nicht mehr so mit dem Lesen von Büchern, würden aber angeblich mehr lesen, wenn sie eBooks oder iPads hätten

Von sich aus lesen Kinder und Jugendliche immer weniger Bücher – und zwar desto weniger, je älter sie werden. Sie gehen lieber online oder verwenden ihr Handy, um zu reden oder zu SMSen. Nach dem Kids & Family Reading Report 2010 des Scholastic-Verlag, für die Harrison Group in den USA eine repräsentative Umfrage unter 1.045 Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren und ihren Eltern durchgeführt hat, sorgen sich die Eltern, dass die Hinwendung der Kinder zu den elektronischen und digitalen Geräten die Zeit verkürzt, die sie mit dem Lesen, sportlichen Aktivitäten und der Familie zubringen. Meist hätten sie gerne, wenn der Fernseher nicht so oft laufen würde, die Eltern der Jungen würden gerne die Computerspiele einschränken, die der Mädchen die Benutzung der Handys.

Man kann, sollte man hinzufügen, natürlich nicht alles haben, wenn die Zeit begrenzt ist, jedes neue Medium begrenzt die Zeit, die für andere Medien und Tätigkeiten zur Verfügung steht. Angeblich würde die Kinder mehr lesen, wenn sie statt Bücher eBooks erhalten, haben würden sie solche auf jeden Fall gern. Da wittert man bei Scholastic ein Geschäft und empfiehlt den geplagten Eltern mehr oder weniger direkt, sich doch solche Geräte anzuschaffen, damit die Kids mehr lesen: "eBooks bieten eine Möglichkeit an, dass mehr Kinder lesen und dass sie mehr lesen", sagt so Francie Alexander, die den Titel Chief Academic Officer trägt. Das würde ihnen auch später in der High School und im College helfen. Die Printverlage dürfen aber auch hoffen, zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen sagen nämlich, sie würden auch dann noch gedruckte Bücher lesen, wenn sie eBooks hätten.

Nach der Befragung sollen 34 Prozent der Kinder und Jugendlichen an 5-7 Tagen die Woche lesen, 36 Prozent machen dies an 1-4 Tagen und 27 Prozent weniger als einen Tag pro Woche. Ein Viertel der Kinder versteht auch texting als lesen, dazu können sich nur 8 Prozent der Eltern durchringen. Dass man auch liest, wenn man online oder in sozialen Netzwerken ist, ist auch klar, auch wenn bildungsbürgerlich das Bücherlesen noch als das eigentliche Lesen gilt. 86 Prozent der Kinder und Jugendlichen sagen, sie seien stolz, wenn sie ein Buch fertig gelesen hätten. Das klingt schon eher nach Arbeit, die man sich abverlangt. Die Eltern sind im übrigen schon bescheiden geworden, 90 Prozent der Eltern sagen, sie würden ihren Kindern keine Leseempfehlungen geben, sondern seien schon zufrieden, wenn sie überhaupt genügend Bücher lesen.

Die Eltern räumen weitgehend ein, dass die Kinder mit sehr viel mehr Informationen zurecht kommen müssen, als dies bei ihnen der Fall war. Aber offenbar machen sich es viele auch einfach. Sie konsumieren Informationen, ohne sie wirklich zu verarbeiten. Das könnte man zumindest der Zustimmung von 39 Prozent der Kinder und Jugendlichen zu der Aussage entnehmen: "Die Informationen, die ich online finde, sind immer richtig." Das sagen selbst bei den 15-17-Jährigen noch 37 Prozent, bei den 9-11-Jährigen sind es sogar 47 Prozent. Warum "nur" 34 Prozent der 12-14-Jährigen hier zustimmen, wäre interessant zu wissen.

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