Mit zunehmender Intelligenz steigt der Drogenkonsum

03.11.2010

Ein Evolutionspsychologe erklärt, dass Intelligenz wenig mit vernünftigem Verhalten zu tun hat

Satoshi Kanazawa ist Evolutionspsychologe an der London School of Economics. Ob er immer ganz ernst ist, wenn er seltsame Dinge sagt, ist fraglich, eher schon scheint er provozieren zu wollen. Allerdings ist Evolutionspsychologie sowieso eine ziemlich spekulative Wissenschaft.

Crack. Bild: DEA

Zur Zeit beschäftigt sich Kanazawa gerne damit, was intelligente Menschen eher machen, auch wenn dies nicht sonderlich klug erscheint. Beispielsweise will er eruiert haben, dass Menschen, die als Kind intelligenter als der Durchschnitt waren, in höherem Alter auch mehr Alkohol trinken, öfter betrunken sind und zum Binge Drinking neigen. Intelligenz habe nichts damit zu tun, dass man gesünder lebt, sondern dass man eher evolutionär neuartigen Verhaltensweisen nachgeht, meint der Psychologe. Und da Sich-Betrinken in der Evolutionsgeschichte eher ein neues Verhalten sei, neigen die Intelligenteren auch angeblich mehr dazu.

Das treffe überhaupt auf den Drogenkonsum zu. Die intelligenteren Menschen saufen, rauchen und konsumieren mehr psychoaktive Drogen wie Marihuana, Kokain oder Heroin. Opium werde erst seit 5000 Jahren konsumiert, evolutionsgeschichtlich ein Nichts. Zudem seien Opium und Marihuana die einzigen "natürlichen" Drogen. Alle anderen würden Zubereitung erfordern oder chemische Herstellungsprozeduren verlangen.

Weil also irgendwie die Herstellung von Drogen auch Intelligenz voraussetzt, scheint auch der Konsum mit höherer Intelligenz zu tun zu haben. Die habe eben nichts mit vernünftiger Lebensweise oder der Sorge um ein langes Leben zu tun, sondern höhere Intelligenz sei auch oft damit verbunden, dumme Dinge zu tun. Da könnte man sich natürlich fragen, welchen Intelligenzbegriff der Evolutionspsychologe hat. Auf längere Zeit gesehen, würden die heftigen Drogenkonsumenten wohl ihren eigenen Untergang besorgen. Das mag tatsächlich eine Folge der Orientierung auf das Neuartige sein, die die Evolution voranbringt, wenn man sich nicht gerade dem Drogenkonsum anheimgibt, aber ob das evolutionär erfolgreich ist?

Jedenfalls sagt Kanazawa, dass nach einer britischen Langzeitstudie die Kinder, die bis zum Alter von 16 Jahren intelligenter als der Durchschnitt sind, im Alter von 42 Jahren auch mehr Drogen konsumieren als diejenigen, die mit 16 weniger intelligent waren. Bei sehr intelligenten Kindern gebe es eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit zum Drogenkonsum als bei sehr dummen Kindern.

Und was lernen wir daraus? Intelligenz heißt nicht, das Richtige oder Vernünftige zu tun, sondern das relativ Neue. Ob allerdings der Rückschluss, dass Drogenkonsumenten auch automatisch intelligenter als der Durchschnitt der Menschen sind, zutrifft, beantwortet der Evolutionspsychologe nicht.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Moral in der Maschine

Beiträge zu Roboter- und Maschinenethik

Die Form folgt den Finanzen

Der Hochhausbau verstärkt die Defizite, die er beseitigen soll

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.