Plant Nicaragua nun einen Kanal in Konkurrenz zum Panamakanal?

12.11.2010

Hinter dem Grenzstreit zwischen Costa Rica und Nicaragua geht es nicht um Google

Kürzlich kam es zu einem Konflikt zwischen Nicaragua und Costa Rica, angeblich ausgelöst durch eine fehlerhafte Karte von Google Maps. Es kursierte die Meldung, der Kommandant hätte sich auf die Angaben von Google verlassen. Die Wahrheit dürfte sein, dass das Militär für ihre Aktion Google nur als eine Art Legitimation benutzte.

Nicaraguanische Soldaten hatten unter Führung von Edén Pastora, der als "Comandante Cero" der Sandinisten bekannt ist, letzte Woche am Grenzfluss San Juan die von Costa Rica beanspruchte Insel Calero besetzt, dort die Fahne gehisst und ein Lager eingerichtet. Das nicaraguanische Parlament stellte sich hinter das Militär und kündigte den Beschluss an, dass dort dauerhaft Soldaten stationiert werden sollen. Den Fluss will man umbenennen in San Juan de Nicaragua.

Dass es nicht wirklich um eine irrtümlich angenommenen Grenzverlauf geht, wurde auch schon daran deutlich, dass die Soldaten damit beschäftigt waren, den Fluss tiefer auszubaggern. Das war auch mit Costa Rica abgesprochen, allerdings unter der Bedingungen, dass der Uferbereich zu Costa Rica nicht beeinträchtigt werde. Zweck der Arbeiten sei es, den Fluss für Kreuzfahrtschiffe befahrbar machen. Aber auch das dürfte nicht der wirkliche Grund sein.

Seit Jahrzehnten plant Nicaragua nämlich, just an diesem Fluss einen Kanal in Konkurrenz zum lukrativen Panamakanal zu bauen. Der San Juan fließt vom Nicaragua-See an der Grenze zu Costa Rica ins Meer. Der Plan besteht darin, den San Jose für große Schiffe befahrbar zu machen und dann vom See aus einen 19 km langen Kanal bis zum Pazifik zu bauen. Der wäre zwar länger als der Panamakanal, hätte aber den Vorteil, keine Schleusen zu benötigen und für größere Schiffe geeignet zu sein (Ein zweiter Kanal nimmt Konturen an).

Die Regierung von Costa Rica, das seit 1948 kein Militär hat, verurteilt die Besetzung, nach einem Abkommen gehöre die Insel zu Costa Rica. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega bestreitet dies und reklamiert die Insel für sein Land. Costa Rica verlangt, dass Nicaragua die Truppen abzieht, und hat 40 Polizisten am Grenzfluss in der Nähe der Insel stationiert. Auf Vermittlung der OAS soll der Konflikt nun in Verhandlungen friedlich gelöst werden. Bedingung sei der Abzug der bewaffneten Sicherheitskräfte, die Gespräche sind allerdings festgefahren, eine Einigung ist nicht in Sicht. Nicaragua erklärt, die Aufgabe der Soldaten sei neben dem Ausbaggern die Wiederherstellung der Souveränität über den Fluss, um damit die organisierte Kriminalität und den Drogenhandel zu bekämpfen.

Während Costa Rica seinen Nachbarn als Aggressor bezeichnet, weist die nicaraguanische Regierung dies zurück und meint, es gehe um die Souveränität des Landes. Die territoriale Integrität des Landes stehe nicht zur Diskussion. Zwar wurde Nicaragua der Fluss zugesprochen und Costa Rica Recht, diesen zu befahren, die Grenze verläuft am Ufer. Um jedoch den Fluss zu einem Kanal ausbauen zu können, müsste Nicaragua auch das Ufer zu Costa Rica für sich beanspruchen. Wie die costaricanische Zeitung La Nacion berichtet, soll das Militär den Stützpunkt auf der Insel in den letzten Tagen weiter ausgebaut haben. Zudem soll Nicaragua vor allem im Mündungsgebiet des Flusses den Wald weiter roden. Der Umweltminister klagt Nicaragua an, die Natur zu zerstören, um einen Kanal zu bauen.

Einen anderen interessanten Aspekt des Grenzkonflikts bringt nun die israelische Zeitung Haaretz ein. Man habe aus Lateinamerika Informationen erhalten, so heißt es, dass der militärische Druck auf Costa Rica eben auf das Kanalprojekt zurückzuführen sei. Dahinter stünde nicht Nicaragua allein, sondern als Geldgeber neben Venezuela auch der Iran. Bei Haaretz will man auch wissen, dass die US-Regierung über diese Pläne beunruhigt sei und versuche, das Projekt zu verhindern. Nach Haaretz würden Geheimdienste beobachten, dass schweres Baugerät nach Nicaragua geliefert worden sei, zudem beobachte man die Aktivität von Iranern in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua.

Gerade die angebliche Beteiligung Irans mag natürlich eine Vermutung sein, die mit Israel zu tun hat. Der Plan Nicaraguas, einen weiteren Kanal zu bauen, besteht, wie gesagt, seit langem und würde dem armen Land auch gute Einkünfte bescheren, während Panama, das vornehmlich von den Einkünften des Kanals lebt, schwer beeinträchtigt werden würde. Zudem wären die USA sicherlich, Venezuela und Iran hin oder her, davon nicht begeistert. Vom US-Außenministerium werden die Vermutungen von Haaretz allerdings nicht bestätigt. Dort erklärte man der Zeitung, man wisse nichts von Plänen für einen neuen Kanal.

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