Nach dem großen Schlag kleine und billige Nadelstiche

22.11.2010

In einem Sonderheft rühmt sich Al-Qaida von der Arabischen Halbinsel neuer Anschlagsformen, die den feindlichen Staaten viel Geld kosten

Im zweiten Inspire-Heft hatte Al-Qaida von der Arabischen Halbinsel (AQAP) ganz stylish einen "Open Source Jihad" vorgeschlagen. Der basiert letztlich darauf, dass Menschen, die sich dem islamistischen Terrorismus von al-Qaida anschließen wollen, nicht mehr in Terrorlager fern der Heimat fahren müssen, um sich schulen zu lassen, sondern beispielsweise über das Internet Ideen und Methoden erfahren können, wie sie zuschlagen können.

Vor allem suchte man nach Rekruten in den USA oder in anderen westlichen Ländern, die mit coolem Design und flotten Sprüchen angeworben werden sollten. Das Abenteuer lockt, das Paradies wartet (Was erwartet die islamistischen Märtyrer oder Terroristen?). Man schätzt in der Terrorismuszentrale nicht nur Spendengelder, sondern auch junge Menschen, die nicht ohne weiteres durch Profiling kenntlich, aber willens sind, einen spektakulären Amoklauf zu machen.

Terrorgruppen lassen sich mit Parteien oder NGOs vergleichen. Sie müssen versuchen, mit entsprechenden Aktionen möglichst medial präsent zu sein, um Spenden einzufahren, Mitglieder aufzustocken und ein Branding zu erhalten. Das macht auch AQAP und hat schnell ein "Sonderheft" nachgeschoben, um die letzte Aktion, das Versenden von zwei Kofferbomben aus dem Jemen, aus ihrer Sicht als riesigen Erfolg zu schildern. Das Motto ist, aus wenig viel zu machen. Heute seien nicht mehr die großen Aktionen wie die Anschläge vom 11. 9. notwendig. Die hätten die westlichen Länder so in Panik versetzt, dass seitdem auch kleinere Aktionen ausreichen, um gigantische Sicherheits- oder Immunreaktionen auszulösen und damit Kosten zu verursachen. Das Versenden der Paketbomben, das angeblich 4.200 US-Dollar gekostet haben sollen, löse irrsinnige Sicherheitskosten in den USA aus. Daher wurde die Aktion auch "Ausbluten" oder "Blutsturz" genannt. Man setzt nicht auf Sieg, sondern gewissen auf eine Autoimmunerkrankung, die immer mehr Zeit, Geld und Arbeit benötigt und letztlich die Macht untergräbt.

Two Nokia mobiles, $150 each, two HP printers, $300 each, plus shipping, ransportation and other miscellaneous expenses add up to a total bill of $4,200. That is all what Operation Hemorrhage cost us. In terms of time it took us three months to plan andexecute the operation from beginning to end. On the other hand this supposedly "foiled plot", as some of our enemies would like to call, will without a doubt cost America and other Western countries billions of dollars in new security measures. That is what we call leverage.

Wenn man die USA zerbrechen will, müsse man nicht mehr groß zuschlagen, heißt es. Es herrsche bereits eine Phobie - und da reiche es aus, kleinere Stiche zuzufügen, die weniger Aufwand erfordern. Dass dies Rezept erfolgreich ist, lässt sich gerade an Deutschland erkennen. Und um das zu propagieren, wurde eben das Sonderheft über das Internet veröffentlicht. Wichtig ist den Autoren, dass sie für den Absturz der UPS-Maschine Anfang September kurz nach dem Abheben vom Flugplatz in Dubai verantwortlich waren. Man muss auch glaubhaft versichern, so die Devise, dass man zum Angriff imstande ist. Und man habe gesehen, dass Luftfracht wichtig ist und deren Beeinträchtigung teuer wird. Milliarden müssten aufgewendet werden, um jedes Paket zu überprüfen, womit sie auch Recht haben. Um dies zu bewerkstelligen hatten sie mit unterschiedlichen Systemen experimentiert, um die Schwachstellen zu finden. Es gebe immer Möglichkeiten, die Sicherheitsmaßnahmen zu überwinden, weswegen die Devise sein müsse: Deine Sicherheit, Unsere Sicherheit. Was auch heißt: Wenn Du uns angreifst, greifen wir Dich an.

Der Logik lässt sich wenig entgegen setzen. Die Sicherheitsbehörden und damit letztlich die Regierungen müssen für den Schutz der Bürger garantieren. Und eben dies lässt sich gut ausbeuten, was aber auch heißt, dass Terrororganisationen wie eine gute Lobby funktionieren.

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