Dann hast du gespendet - und weißt nicht wofür

Teil 1: Von Gemeinnützigkeit und Spendensiegeln

Die Vorweihnachtszeit ist die klassische Ablasszahlzeit: die "Sünden" des Jahres werden mit Symbolzahlungen an wohltätige Organisationen abgegolten, damit das Festessen nicht bei dem Gedanken an die Probleme der Welt zäh schmeckt. Vorsicht ist jedoch angesagt.

Gemeinnützige Organisationen

Dem Prädikat "gemeinnützig" wird, gerade bei Vereinen, ein hoher Wert beigemessen. Zum einen bietet er den Vereinen die Möglichkeit, Spendenquittungen auszustellen, zum anderen hat der Spender das Gefühl, er würde das Geld einem besonders wichtigen Anliegen zukommen lassen. Die Gemeinnützigkeit ist jedoch, was vielerorts unbekannt ist, ein breit gefächertes Feld, die in erster Linie steuerrechtliche Bedeutung hat. Die Abgabenordnung in Deutschland definiert Gemeinnützigkeit wie folgt:

Eine Körperschaft verfolgt gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.

Hierunter fallen:

  • die Förderung von Wissenschaft und Forschung
  • die Förderung von Bildung und Erziehung
  • die Förderung von Kunst und Kultur
  • die Förderung von Völkerverständigung
  • die Förderung des Landschafts- und Denkmalschutzes
  • die Förderung des Heimatgedankens
  • die Förderung des traditionellen Brauchtums (einschließlich des Karnevals, der Fastnacht und des Faschings)

Dazu zählen beispielsweise auch die Schützenvereine, demzufolge sind dann Spenden u.a. dafür gedacht, neue Uniformjacken zu kaufen oder neue Wimpelketten. Das hessische Finanzgericht entschied erst kürzlich, dass auch das Tischkickern als Sport anzusehen ist, weshalb Verbände, die dies fördern, gemeinnützig sind. Gleiches gilt für Segelfliegen, Dart oder Billard.

Transparenz ist wichtig

Da die Gemeinnützigkeit insofern lediglich einen sehr weiten Begriff darstellt, ist es wichtig, gerade bei Spenden auch den Spenden erbetenden Verein bzw. die Organisation näher zu betrachten. Nicht erst seit den Vorkommnissen rund um den Tierschutzverein Arche 2000 sind Tierschutz- und Kinderschutzvereine unter strengerer Beobachtung (auch) durch die Medien. Da gerade Bilder von leidenden Kindern und Tieren dazu geeignet sind, das schlechte Gewissen wie auch die Spendenbereitschaft zu fördern, wird dieses Verfahren auch von dubiosen Vereinen genutzt. Doch es muss keinesfalls immer, wie bei Arche 2000 oder z.B. Children´s Help ein direkter Betrug vorliegen. Oftmals sind Vereine selbst der Meinung, sie würden die empfangenen Gelder ja für gemeinnützige Zwecke ausgeben, worunter dann auch, z.B. im Fall der Arche2000, die Geburtstagsfeiern der Mitglieder fallen, die schon einmal mit 60.000 Euro zu Buche schlagen.

Doch auch die Vereine, die sich z.B. mehr auf die "Veränderung der Gesellschaft" konzentrieren statt auf konkrete Hilfsprojekte, sind nicht immer so eindeutig zu bewerten wie es anfangs scheint. Die auf den Homepages oft zu findenden plakativ geförderten Projekte sind oft lobenswert, jedoch fehlt oft die Angabe, in welcher Höhe und Regelmäßigkeit die Zuwendungen stattfinden. Gerade kleine Projekte sind natürlich dankbar über Beträge in Höhe von 5.000 Euro oder mehr, für die Spendenden stellt sich allerdings oft gar nicht erst die Frage, wie hoch das Spendeneinkommen gesamt ist. Dies ist allerdings wichtig, um festzustellen, in welchen Relationen das Einkommen des Vereins zu den konkreten Ausgaben steht.

So sind beispielsweise bei der Deutschen Kinderhilfe (deren Transparenz in Bezug auf Spendeneinkommen und Ausgaben hier zu würdigen ist) die Personalkosten so hoch, dass bereits ca. 40% der Einnahmen in Personalkosten investiert werden, weitere 10% entfallen auf den Verwaltungsaufwand. Für Spender bedeutet dies, dass 50% seiner Spende zunächst einmal in den Apparat der Deutschen Kinderhilfe eingezahlt werden, bevor von den restlichen 50% teilweise direkt Projekte gefördert werden.

Seriöse Vereine versuchen daher, soviel Transparenz wie möglich walten zu lassen und setzen zudem auf das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI). Das DZI hat für die Vergabe des Spendensiegels folgende Voraussetzungen veröffentlicht:

wahre, eindeutige und sachliche Werbung in Wort und Bild,

  • nachprüfbare, sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Mittel unter Beachtung der einschlägigen steuerrechtlichen Vorschriften,
  • eindeutige und nachvollziehbare Rechnungslegung,
  • Prüfung der Jahresrechnung und entsprechende Vorlage beim DZI,
  • interne Überwachung des Leitungsgremiums durch ein unabhängiges Aufsichtsorgan,
  • Prämien, Provisionen oder Erfolgsbeteiligungen für die Vermittlung von Spenden nur unter strengen Auflagen.

Die Prüfgebühren beziffert das Institut wie folgt:

Die Bearbeitungsgebühr setzt sich zusammen aus einem Grundbetrag in Höhe von 500 EUR und einem Zusatzbetrag in Höhe von 0,035 Prozent des "Sammlungsergebnisses"im zu prüfenden Bezugsjahr. 2 Bei der erstmaligen Beantragung wird außerdem einmalig eine Erstantragsgebühr von 1.000 EUR erhoben.

wobei es noch Vergünstigungen bei Kleinvereinen gibt, die insgesamt in den Leitlinien des DZI, wie auch die Vergabekriterien usw. zu finden sind. Gerade in Bezug auf die sparsame und effiziente Verwendung der eingenommenen Gelder ist ein Spendensiegel somit eine sinnvolle Investition, so man nicht durch Transparenz in anderer Hinsicht eine solche Verwendung nachweisen kann. Fehlen sowohl Spendensiegel als auch transparente Veröffentlichungen zur Mittelverwendung ist Vorsicht geboten, insbesondere da es oft um hohe Beträge geht.

In dieser Hinsicht ist auch der spätestens seit dem Format "Tatort Internet" bekannte Verein "Innocence in Danger" momentan der Kritik ausgesetzt. Hier fehlen sowohl das Spendensiegel wie auch eine anderweitige Transparenz in Bezug auf eingenommene und ausgegebene Gelder.

In Teil 2: Wieso gerade "Innocence in Danger" sich transparent geben sollte.

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