Terrorabwehr durch Anstiftung zum Anschlag?

30.11.2010

Das FBI meldete letzten Freitag, einen Terroranschlag vereitelt zu haben, die Umstände machen ziemlich stutzig

In den USA, so haben zahlreiche Medien auch hierzulande berichtet, ist wieder einmal ein Anschlag vereitelt worden. Das FBI war in Portland zur Stelle und hat den 19-jährigen Mohamed Osman Mohamud, einen in Somalia geborenen US-Bürger und Studenten an der Oregon State University, festgenommen, als er während einer Weihnachtsfeier eine in einem am Pioneer Courthouse Square geparkten Fahrzeug eingebaute Bombe zünden wollte.

Das klappte allerdings nicht, weil das FBI den jungen Mann nicht nur seit einem halben Jahr beobachtet und geleitet hat, sondern auch von dem Anschlagsplan wusste und sich daher im Wagen nur eine Bombenattrappe befand. Trotzdem sei "Gefahr sehr real" gewesen, erklärte das FBI.

Schon wenn man die Story nur in der Kürze hört, dürfte der Verdacht aufkommen, dass die Lage zumindest komplizierter ist. In der letzten Zeit wurden in den USA schon einige Terroranschläge angeblich verhindert, wobei stets die Sicherheitskräfte ihre Finger im Spiel hatten und Unklarheit herrscht, ob sie die Täter nicht auch zur Tat angestiftet haben. Der Versuch, den home grown terrorism mit Undercover-Agenten zu infiltrieren, lässt die Grenze zwischen Terrorwilligen und staatlichen Unterstützern, zwischen Terrorabwehr und Anstiftung zum Terror verschwimmen - mit zweifelhaften Erfolgen.

Ein FBI-Sprecher versuchte den Spagat zu machen und den Anschlagsplan möglichst beeindruckend darzustellen, aber gleichzeitig zu versichern, dass man stets alles unter Kontrolle hatte. Mohamud ist nun angeklagt, einen Terroranschlag mit einer Massenvernichtungswaffe versucht zu haben. Allerdings offenbar auch mit der Hilfe von Undercover-Agenten des FBI, wie bekannt wurde.

Aufmerksam wurde das FBI, so das FBI Portland und die New York Times, auf den jungen Mann im August 2009 durch abgefangene Emails, die er mit Samir Khan ausgetauscht hatte, der Möchtegern-Terroristen angeworben haben soll. Inzwischen ist er zunächst im Jemen und dann in Pakistan untergetaucht. Samir Khan soll an dem Al-Qaida-Magazin Inspire mitgearbeitet haben und hatte schon in den USA eine Website, auf der er Mohamud drei Texte veröffentlichen ließ.

Mohamud blieb unter Beobachtung und soll vergeblich versucht haben, sich im Ausland als Terrorist ausbilden zu lassen. Im Juni 2010 nahm ein Undercover-Agant des FBI mit ihm Kontakt auf und gab sich als Kollege des in Pakistan Untergetauchten aus. So wie es klingt, wurde der junge Mann dann vom Agenten darin bestärkt, wenn nicht gedrängt, statt der Reise ins Terrorcamp gleich einen Anschlagsplan auszuhecken. Das stellt man beim FBI natürlich anders dar. Hier heißt es, der junge Mann habe schon seit Jahren von einem möglichst spektakulären Terroranschlag geträumt. Die Idee, eine Weihnachtsfeier als Ziel zu nehmen, sei von ihm entwickelt worden. Auf die Frage, ob er wisse, dass dabei auch Kinder umkommen würden, habe er geantwortet, dass es genau darum gehe.

Wenn der junge Mann schon seit Jahren vom Begehen eines Anschlags träumte, aber vor der Begegnung mit dem FBI-Agenten nichts weiter im Hinblick auf eine Planung machte, dann scheint er nicht sonderlich gefährlich und umsetzungsfreudig gewesen zu sein. Vermutlich wusste er auch nicht, wie er so etwas ausführen sollte. Da waren dann die Agenten zur Stelle, versorgten den jungen Mann mit Geld, planten ihm den Anschlag vor und suchten mit ihm eine geeignete Stelle zum Parken. Mohamud ließ auch die Bombe, deren Bestandteile er besorgt hatte, vom FBI zusammenbauen. Zusammen probten sie auch mal die Sprengung einer Bombe. Zusammen scheinen sie auch gewesen zu sein, als Mohamud sein Abschiedsvideo aufnahmen.

Am Tag des Anschlags brachten ihn zwei FBI-Agenten zu dem mit der Bombe ausgerüchsteten Fahrzeug. Mit einem der Agenten fuhr er dann zu dem Parkplatz, der freundlicherweise von der Polizei freigehalten worden war. Dann wollte er die Bombe mit seinem Handy zünden. Die Bombe zündete nicht, auch ein zweites Mal nicht, hingegen wurde er nun festgenommen und muss nun mit lebenslänglich als Höchststrafe rechnen. Das nennt man einen Plot. Man plant mit einem verführbaren, offenbar naiven jungen Menschen einen Anschlag. Anstatt ihn davon abzuhalten, stachelt man ihn vermutlich erst wirklich dazu an und gibt ihm die Möglichkeit, ihn überhaupt realisieren zu können, um dann den Erfolg zu melden, wie man einen Anschlag, den man minutiös mit vorbereitet hatte, vereiteln konnte. Verbindungen zu Terrorgruppen oder nach Somalia hatte Mohamud offensichtlich nicht, sonst wäre die Präparierung durch das FBI auch gar nicht so möglich gewesen.

Verkauft wird die "Erfolgsstory" von Dwight C. Holton, dem Staatsanwalt von Oregon, so:

Die beunruhigende Entschlossenheit des Angeklagten ist eine starke Erinnerung, dass es Menschen gibt - selbst hier in Oregon -, die entschlossen sind, Amerikaner zu töten. Die gute Arbeit der Strafverfolgung schütze die Menschen in Oregon in diesem Fall - und wir haben keinen Grund zu glauben, dass von diesem Fall eine weitere Bedrohung ausgeht.

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