Assange und die schwedischen Frauen

18.12.2010

Der Guardian berichtet aus den Polizeidokumenten über die sexuellen Abenteuer des WikiLeaks-Sprecher, die ihm zum Verhängnis wurden

In den USA wird weiterhin fieberhaft überlegt, wie man Julian Assange zur Rechenschaft ziehen und eine Auslieferung aus Schweden oder Großbritannien zustande bringen könnte. Eine Idee ist, Bradley Manning in einem Deal zu einer Aussage zu bringen, dass Assange ihn dazu angestiftet hat, geheime Daten herunterzuladen und WikiLeaks zu übergeben.

Der frühere Hacker Adrian Lamo, der hinter der Verhaftung Mannings steckt, hat Chat-Logs mit Manning gespeichert, in dem dieser behauptet, in engem Kontakt mit Assange zu sein. Dieser hat in einem Interview mit ABC jedoch abgestritten, jemals in Kontakt mit Manning gestanden zu haben oder ihn überhaupt zu kennen. Er wiederholte auch die Behauptung, dass der Vergewaltigungsvorwurf eine Schmierenkampagne darstelle, um ihn und WikiLeaks zu diskreditieren.

Der Guardian berichtet, nun erstmals die Dokumente eingesehen zu haben, die der britischen Polizei von der schwedischen Staatsanwaltschaft vorgelegt wurden, um eine Auslieferung zu einer Anhörung nach dem Europäischen Haftbefehl zu erwirken. Noch ist Assange nicht wirklich angeklagt, er soll nur vernommen werden. Es zirkulierten bereits Informationen über die Vorwürfe der sexuellen Gewalt, die zwei Schwedinnen gegen Assange erhoben haben (Assange, die angebliche Vergewaltigung und der Europäische Haftbefehl), der Guardian berichtet allerdings von neuen Details.

So hatte Frau A., die die Reise von Assange in Schweden arrangiert hat und in deren Wohnung dieser hauste, geschildert, wie er sie zunächst gegen ihren Willen entkleidet und dann versucht habe, ungeschützten Sex mit ihr zu haben. Er habe sie zuerst abgehalten, ein Kondom zu holen, dann aber eingewilligt, aber angeblich irgendetwas mit diesem gemacht, so dass es platzte. Assange hingegen berichtete, er habe nicht mitbekommen, dass das Kondom gerissen sei, A. habe ihm auch nichts davon erzählt, obwohl er noch eine Woche in ihrer Wohnung geschlafen habe. Sie hat dann für ihn auch noch eine Party organisiert. Eine Freundin von A. habe der Polizei berichtet, dass diese während der Party ihr erzählt hatte, dass sie nicht nur den "weltweit schlechtesten Sex" mit Assange gehabt habe, er sei auch gewaltsam gewesen. Und A. habe erzählt, dass Assange das Kondom absichtlich zerrissen hat.

Frau W. sagte der Polizei, sie habe Asssange angerufen, ein Treffen mit ihm arrangiert und sei dann mit ihm in ihre Wohnung gegangen, wo sie begonnen hätten, miteinander zu vögeln. Assange habe kein Kondom benutzen wollen. Da sie aber darauf bestanden habe, habe er das Interesse verloren und sei eingeschlafen. Sie hatten dann später aber doch miteinander geschlafen, Assange habe dann doch widerstrebend ein Kondom akzeptiert. Am Morgen habe sie dann das Frühstück besorgt, sei aber dann wieder neben Assange eingeschlafen und erst aufgewacht, als Assange mit ihr ohne Kondom Geschlechtsverkehr hatte. Sie sei besorgt gewesen, dass er AIDS haben könne, sie habe niemals zuvor ungeschützten Sex gehabt.

W. soll eingeräumt haben, dass sie freiwillig Sex mit Assange hatte und dass sie auch nur halb geschlafen habe. Aber sie hatte Angst, schwanger werden zu können und mit AIDS infiziert worden zu sein. Sie soll Assange aufgefordert haben, einen Test zu machen, was dieser aus Zeitgründen abgelehnt habe. Auch als W. gedroht hat, dann zur Polizei zu gehen, habe er dies zuerst verweigert, dann aber zugestimmt, nur war dann das Krankenhaus geschlossen.

Assange soll A. weiter angemacht haben, dann hatte sich W. bei ihr gemeldet, die beiden Frauen trafen sich und gingen zur Polizei, in derselben Nacht ging die Story aber auch schon in die Medien. Assange reagierte am Morgen darauf, er sei vor schmutzigen Tricks gewarnt worden. Und die Anklage sei ein solcher Trick.

Das ist alles ein heilloses Gespinst an Behauptungen, es sieht aber nicht unbedingt so aus, als wäre es ein Plot, um Assange eine Falle zu stellen. Nach dem Guardian scheint der Haftbefehl deswegen ausgestellt worden zu sein, weil Assange Schweden verlassen hatte, aber nicht zu einer vereinbarten Anhörung im Oktober erschienen war. Das soll Assange selbst Freunden gesagt haben.

Mark Stephens, einer der Verteidiger von Assange, bleibt dabei, dass hinter der Anklage politische Motive stehen. Das würden viele SMS der beiden Frauen belegen, die dem schwedischen Assange-Anwalt vorgelegt worden seien, die er aber habe nicht abschreiben oder kopieren können. Daraus würde hervorgehen, dass sie Geld von den Medien wollten und nach einer Möglichkeit der Rache suchten. Beide Frauen hätten zugegeben, ohne Zwang Sex mit Assange gehabt zu haben. A. habe erst dann sich beklagt, als sie erfuhr, dass Assange Sex mit einer weiteren Frau hatte. W. hingegen hatte mehrmals Sex mit Assange, bis er sie halb schlafend ohne Kondom gevögelt haben soll. Beide hätten danach darüber gescherzt. Letztlich laufe der Vorwurf darauf hinaus, dass er keinen AIDS-Test gemacht hat.

Schlauer sind wir jetzt nach all diesen Bettgeschichten nicht wirklich. Mit WikiLeaks haben sie nur insofern zu tun, als Assange durch WikiLeaks prominent wurde und dabei wohl für ihn selbst seine Bedeutung anschwoll, die sich auch im sexuellen Verhalten geäußert haben wird, während die Frauen davon angetan zu sein schienen, mit so einem weltweit bekannten Mann zu tun zu haben. Hätte sich Assange einem HIV-Test unterzogen, wäre vermutlich die Sache nicht so aufgekocht. Die Versuche der USA, Assange habhaft zu werden, werden sich auch nicht auf die sexuellen Abenteuer beziehen, sondern ganz andere Register ziehen. Spionage ohne Sex ist aber nicht so interessant, weswegen die Medien gerne über Assange und die schwedischen Frauen berichten, auch wenn es dabei keine "eingebetteten" Reporter gab.

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