Somalische Islamisten gründen Fernsehsender

07.02.2011

In Somalia feiern militante Islamisten einen ungewöhnlichen Sieg gegen verfeindete Bürgerkriegsparteien - sie besitzen jetzt einen eigenen Fernsehsender

In Somalia herrscht seit nunmehr 20 Jahren blutiger Bürgerkrieg zwischen Kriegsfürsten, einer schwachen Zentralregierung, militanten Islamisten, Piratenbanden und afrikanischen Friedenstruppen. Inzwischen droht das kriegszerrüttete Land am Horn von Afrika zu einer Basis islamistischer Terroristen zu werden, denn die radikalen Fundamentalisten der al-Qaida-nahen Al-Shabaab-Miliz gewinnen zunehmend an Einfluss.

Jetzt kündigten die somalischen Dschihadisten an, zukünftig einen eigenen Fernsehsender betreiben zu wollen. "Al-Kataib News", so der Name des islamistischen Propaganda-Kanals, sei ab sofort in der Hauptstadt Mogadischu zu empfangen und nach einer fünftägigen Testphase "mit großem Erfolg" am Mittwoch auf Sendung gegangen, behaupten die Islamisten in einer Internet-Verlautbarung. Als Beweis lieferte Al-Shabaab eine Fotostrecke, auf der die angebliche TV-Ausrüstung, eine Art Aufnahmestudio und Mischpulte zu sehen sind. Der Fernsehsender, so erklärt Al-Shabaab, sei ein weiterer Sieg über die somalische Regierung, die über keinen eigenen TV-Kanal verfügt.

Die erste Sendung des dschihadistischen TV-Senders "Al-Kataib" wurde angeblich bereits ausgestrahlt - es war ein Videogeständnis eines vermeintlichen CIA-Spions. Ahmed Kaisi, so heißt es in der schriftlichen Erklärung der Al-Shabaab, sei vom US-Geheimdienst im Nachbarland Dschibuti angeworben und ausgebildet worden und habe dann Al-Shabaab infiltriert. Der Mann sei einer der "gefährlichsten Spione in Somalia" und soll bereits von Al-Shabaab Kämpfern exekutiert worden sein.

Seit Monaten gewinnen die Al-Shabaab Kämpfer in Somalia an Oberhand und die radikalislamische Gruppe wird zur mächtigsten Bürgerkriegspartei. Vor wenigen Wochen erst kam es zum Zusammenschluss von Al-Shabaab und der ehemals konkurrierenden "Hizb Islami"-Gruppierung, die als weniger radikal gilt. Experten sehen darin eine brisante Entwicklung, hin zu einem islamistischen Gottesstaat.

Nach Vorbild der afghanischen Taliban errichten die somalischen Islamisten in weiten Landesteilen ein "Islamisches Emirat", in dem eine extrem radikale Form der Scharia-Auslegung als Gesetzgebung gilt. Steinigungen, öffentliches Hände-Abhacken und Auspeitschen gehören zum Alltag unter der Al-Shabaab-Herrschaft. Alkohol, Filme, Musik und Handyklingeltöne ließen Al-die Islamisten verbieten, Männer ist es nicht mehr erlaubt die Bärte zu rasieren, Frauen wird befohlen sich komplett zu verhüllen. Zuletzt stellte Al-Shabaab im Januar sogar das Hände-Schütteln zwischen den Geschlechtern unter Strafe.

Westliche Sicherheitsexperten warnen, Somalia unter der Al-Shabaab-Herrschaft könnte zu einem neuen Afghanistan werden, in dem internationale Terroristen in Ausbildungslagern trainiert werden. Die große Zahl ausländischer Dschihadisten, die nach Somalia zur Terrorausbildung reisen, gelten als zunehmendes terroristisches Risiko für Europa. Einzelne Exil-Somalier aus der Diaspora in Großbritannien, Skandinavien und den Niederlanden geraten dabei unter wachsende Beobachtung durch Geheimdienste. Sie stellen die größte Gruppe westlicher Terrorrekruten in Somalia.

Von einem Gericht im dänischen Aarhus wurde letzte Woche ein 29 Jahre alter Somalier wegen Terrorismus und Mordversuchs an dem dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Anklage hatte dem Angreifer eine Mordabsicht mit dschihadistischer Motivation vorgeworfen, und auch behauptet, der Mann habe enge Verbindungen zu Al-Shabaab-Terroristen in Somalia.

Der verurteilte Somalier hatte am 31.Dezember 2009 versucht, den 75jährigen Karikaturisten Westergaard mit einer Axt in dessen Haus in Aarhus zu töten. Westergaard gelang es den Angreifer so lange abzuwehren bis die Polizei eintraf. Die fünfjährige Enkelin des Künstlers hielt sich zum Zeitpunkt der Tat ebenfalls im Haus auf, flüchtete allerdings in einen Schutzraum. Da der Angreifer, der aus Kopenhagen angereist war, keinen Rückfahrtsschein besaß, sich das Kopfhaar komplett abrasiert und sich einparfümiert hatte, gingen Ermittler davon aus, dass er als Märtyrer bei seiner Tat sterben wollte. Offenbar wollte der 29jähirge Rache verüben für die von Kurt Westergaard im Jahr 2005 angefertige Mohammed-Karikatur.

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