Mit falschen Papieren gegen "Euro-Anarchisten"
Matthias Monroy 23.02.2011
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Private Mehrfachverwertung im Polizeisold erlangter Informationen

Die Enttarnung britischer Spitzel lieferte bereits Hinweise auf eine Beteiligung privater Sicherheitsfirmen an der Ausspähung politischer Bewegungen. Der Polizist Mark Kennedy hatte etwa zwei eigene Unternehmen gegründet und zu einem anderen, "Global Open", gute Beziehungen unterhalten. Nach Analyse einer kürzlich online gestellten Übersicht von Kennedys Einsatzzielen kristallisieren sich zwei Tätigkeitsfelder heraus: Gipfelproteste gegen EU und G8 sowie Aktionen und Kampagnen gegen Energieversorger und Rüstungsunternehmen. Betroffene Firmen waren etwa der deutsche Kraftwerksbetreiber E.ON sowie Shell und BP.

Enttarnte Polizeipitzel

Nach eigenen Angaben arbeitet Kennedy seit Frühjahr 2010 nicht mehr für die britische Polizei. Trotzdem war er weiter aktiv, darunter zu Tierrechtsaktivismus, dem bevorstehenden G8 in Frankreich oder anlässlich einer Antirepressionskonferenz in Hamburg. Angesichts von Kennedys Firmengründungen drängt sich der Verdacht auf, dass er sowohl seine im Polizeidienst erlangten Kontakte wie Informationen auch privat verkaufte. Diese Mehrfachverwertung könnte er auch praktiziert haben, als er im Sold der deutschen Länderpolizeien stand.

Besonders dubios gestaltete sich Kennedys Aufenthalt in Island im Rahmen der Proteste gegen das größte Staudammvorhaben Europas, den Kárahnjúkar-Damm. Das Projekt dient der Energieversorgung für den US-Stahlkonzern Alcoa, der seine Aluminiumproduktion wegen gestiegener Löhne nach Island auslagert. Die gigantische Baustelle wird vom italienischen Baukonzern Impregilo betrieben. Die Firma, die beste Beziehungen mit Ministerpräsident Silvio Berlusconi pflegt und seine Karriere finanzierte, erhielt den Zuschlag offensichtlich durch gute Beziehungen Berlusconis mit dem damaligen Ministerpräsident David Oddson.

Die Auftraggeber für Kennedys Island-Einsatz liegen im Dunkeln. Bisher schien es, dass die Polizei nicht von seiner Anwesenheit informiert war. Nachdem der neue Innenminister die Polizeiführung zu einem Bericht verdonnert hat, rudert die Behörde vorsichtig zurück.

Kennedy in Island

Im Rahmen seiner Infiltration der isländischen Klimabewegung hatte Kennedy einen Artikel für ein Buch über die "Saving Iceland"-Kampagne verfasst, das von den Aktivisten selbst herausgegeben wurde. Der Polizist schrieb ausgerechnet über Polizeigewalt und Antirepression, das Pamphlet liest sich wie sein geringfügig umgeschriebener Polizei-Rapport: "The Icelandic police had had very little experience in dealing with protest compared to police forces in other countries throughout Europe and further afield. They are also thin on the ground, a fact that had repercussions later on."

Der Text ist mit Phrasen und Floskeln angereichert, um – in der Rückschau betrachtet – vielleicht Druck auf seine Arbeitgeber auszuüben und damit seine Weiterbeschäftigung zu befördern: "The environmental destruction that is happening throughout Iceland and beyond will continue to be protested and fought against regardless of police tactics or corporate intimidation".

Auch für das in den USA erscheinende umweltaktivistische "Earth First! Journal" verfasste Kennedy unter dem Pseudonym "Lumsk" einen Artikel über Island. "Earth First!" wird von US-Behörden teilweise als terroristische Organisation kriminalisiert.

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