Wir bauen uns ein Atomkraftwerk

15.03.2011

Die Siemens-Teiltochter Areva-NP bietet einen Bastelbogen ihres neuen ERP- Druckwasserreaktors zum Download an

In der Loriot-Folge "Weihnachten bei Familie Hoppenstedt" kauft Opa Hoppenstedt für sein Enkelkind Dicki ein Spielzeug namens "Wir bauen uns ein Atomkraftwerk". Das, so die Verkäuferin, sei ein großer Spaß für Mädchen wie Jungen, und wenn man etwas falsch macht, dann macht es "Puff!" und alle Häuser und alle Bäume und alle Kühe fallen um - was am Bescherungsabend auch geschieht. Gleichzeitig schmilzt der Spielzeug-Reaktorunfall aber auch noch ein Loch in den Boden, durch das Familie Hoppenstedt den unter ihnen wohnenden Nachbarn frohe Feiertage wünschen kann.

Wer schon immer bedauert hat, dass es dieses Spiel nicht wirklich zu kaufen gibt, dem hilft jetzt die Siemens-Teiltochter Areva-NP ein Stück weiter. Sie stellt nicht nur den neuen Druckwasserreaktor ERP her, sondern bietet auch einen "Papierbausatz" für das Kraftwerk, wie ihn diejenigen, die in der DDR aufwuchsen, von den Kranich-Bögen und den Variant-Modellen aus dem Deutschen Militärverlag kennen.

Mit einem Grafikprogramm erzeugtes Modell des EPR-Kraftwerks in Olkiluoto. Bild: Teollisuuden Voima Oy. Lizenz: CC-BY-SA.

Neben einer im Bastelbogen enthaltenen Anleitung in Deutsch, Englisch, Französisch und Finnisch bietet Areva-NP Anfängern auch einen mehrsprachigen "Leitfaden für den Kartonmodellbau", mit dem sich das im Maßstab 1:800 übertragene EPR-Modell angeblich in weniger als 40 Stunden zusammenbauen lässt. Zuerst müssen dafür die acht Ausschneidebögen auf unbeschichtetem Offsetpapier ausgedruckt und der Grundplan auf eine feste A3-Unterlage montiert werden. Dann kann man die insgesamt 347 Teile ausschneiden, falten und verkleben.

Was der Bastelbogen dem Anschein nach nicht enthält, ist die maßgebliche technische Neuerung, mit der die ERP-Technologie angepriesen wird: Eine Keramikwanne unter den Reaktoren, die im Falle einer Kernschmelze ein Durchfressen der heißen Masse in den Boden verhindern soll. Dafür lassen sich auf eBay Auflaufformen erwerben, die mit 46 mal 26 Zentimetern den Reaktorbereich am Modell gut abdecken sollten.

Kühe und das "Puff!" fehlen jedoch auch in an den größeren Kaufmodellen des EPR-Kraftwerks. Die "maximale Version" besteht dafür aus etwa 2900 Bauteilen und bietet "voll-plastisch dargestellte Rohrleitungen", ein "nahezu vollständig ausgebautes Reaktor-Gebäude", einen "externen Portalkran", zwei Notstrom-Dieselaggregate und einen Castor-Andockwagen. Die Bauzeit für dieses größere Modell beträgt nach Herstellerangaben 150 bis 300 Stunden. Vielleicht dauert es aber auch ein bisschen länger. Das erste große EPR-Kraftwerk im finnischen Olkiluoto sollte eigentlich bereits 2009 fertig sein. Unter anderem aufgrund von Sicherheitsbedenken ist nun das Jahr 2012 im Gespräch.

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