Der Fukushima-Super-Gau braucht jetzt ein wirksames Krisen-Management

27.03.2011

Lage völlig außer Kontrolle und sehr ernst, es kann zu einem Mega-Tschernobyl kommen

Foto vom 21. März. Aus Reaktor 3 steigt schwarzer Rauch auf. Bild: Tepco

Ist-Situation

  • Die Betreiber-Firma Tepco verschweigt das wahre Ausmaß und spielt die Katastrophe massiv herunter, um eine Massenpanik zu vermeiden.
  • Die Betreiberfirma hat wertvolle 2 Wochen verstreichen lassen, wo die Strahlung noch gering war, um für den Worst Case Vorkehrungen zu treffen.
  • Tepco gibt Arbeitern Schuld an der Verstrahlung, die in Kamikaze-Einsätzen ihr Leben riskieren. Dies ist blanker Zynismus.
  • Zehnmillionenfach erhöhte Strahlenwerte wurden gemessen. Sollte es hier auch zu größeren Freisetzungen von Plutionium kommen, könnte die gesamte japanische Inselgruppe für Jahrtausende unbewohnbar werden. Plutionium hat eine Halbwertszeit von 24.400 Jahren.
  • Das Krisenmanagement wirkt hilflos, konzeptlos, überfordert und unfähig.

Szenario: Super-Gau

  1. Den Messwerten von Tepco ist nicht zu trauen, es müssen unabhängige Messungen durchgeführt werden.
  2. Der Ausstoß von Plutonium ist als hochkritisch und gefährlich für den gesamten Planeten einzustufen.
  3. Die Strahlenbelastung kann das komplette Seewasser rund um Japan verseuchen. Der Schiffsverkehr und die Nahrungsmittelversorgung mit Fisch kann im Pazifikraum massiv beeinträchtigt werden.
  4. Dreht der Wind in Richtung Festland, sind erhebliche Verstrahlungen der Bevölkerung im Großraum Tokio zu erwarten.
  5. Die Evakuierungszone rund um Fukushima müsste möglicherweise bis auf 250 km ausgedehnt werden.
  6. Bauteile aus Japan, die in die globalen Logistikketten integriert sind, fallen möglicherweise für Monate oder Jahre aus, vor allem wenn diese radioaktiv kontaminiert sind.
  7. Weltweite Produktion könnte massiv davon betroffen sein. Große Produktionsausfälle in der Weltwirtschaft wären die Folge.
  8. Weitere starke Kursverluste an der Tokioter Börse scheinen unausweichlich.

Lösungsvorschläge

  • Dem Management von Tepco muss sofort die Kontrolle über das Krisenmanagement entzogen werden.
  • Es muss ein Plan B-Szenario für den absoluten Worst Case entwickelt werden, der auch eine Massenevakuierung von den östlichen Teilen im Großraum Tokio oder auch im allerschlimmsten Fall der gesamten japanischen Inselgruppe nicht ausschließt.
  • Gelingt es nicht, die Strahlung einzudämmen, muss sofort mit Evakuierungmaßnahmen innerhalb einer Sicherheitszone von bis zu 250 km im großen Stil begonnen werden.
  • Weltweit größte Logistikoperation steht dann bevor. Evakuierungmaßnahmen zu Lande, Wasser und der Luft können nur im Rahmen einer globalen Kraftanstrengung durchgeführt werden.
  • Es muss geprüft werden, wie es möglich ist, die Reaktoren schneller herunterzukühlen, um diese anschließend zu versiegeln. Es müssen effizientere Reaktorkühlmittel als Wasser eingesetzt werden.
  • Auch das Gelände unterhalb des AKWs müsste später versiegelt werden, was erhebliche Opfer unter den Liquidatoren nach sich ziehen wird.
  • Mittelfristig wird man an einer Sarkophagisierung der gesamten Anlage in Fukushima nicht herumkommen.
  • Es muss geprüft werden, welche anderen Atommeiler in Japan wegen Sicherheitsmängeln sofort abgeschaltet werden müssen, ohne einen Totalzusammenbruch des Stromnetzes zu riskieren.
  • Ein internationales erfahrenes Team muss das Krisen-Management in Fukushima übernehmen, um den Planeten zu schützen, es geht längst nicht mehr um Japan alleine.
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