So wenig sind persönliche Daten wert

24.05.2011

Ein Datenhändler spuckt es aus

Der deutsche Bundesinnenminister sieht die Sicherheit des Internets als "zentrales Thema" seiner Amtszeit und verbreitet zugleich verwirrende Vorstellungen darüber. Ihn erstaunt, mit welcher Leichtfertigkeit gerade junge Leute dort ihre Daten verbreiteten, die dann angeblich "schwunghaft in Paketen zu Tausenden und Zehntausenden im kriminellen Untergrund gehandelt werden".

Um das zu erfahren, benötigt der amtierende Innenminister keine Undercover-Ermittler, sondern kann es im Wirtschaftsmagazin Forbes nachlesen. Dort findet sich eine Preisliste von RapLeaf Inc., einem Unternehmen im Geschäft mit Online-Tracking. In den Datenbanken dieses Unternehmens verknüpfen sich Namen und E-Mail-Adressen mit Shopping-Vorlieben, politischen Einstellungen, Aktivitäten in Social Networks und mehr. Die Dienste von RapLeaf nehmen auch gerne US-Politiker in Anspruch, um im Wahlkampf gezielt potenzielle Wähler anzusprechen.

Das Startup-Unternehmen in San Francisco erklärt, eine Milliarde E-Mail-Adressen gespeichert zu haben. Weitere Daten sammelt das Unternehmen laufend über Cookies, die über zahlreiche Websites platziert werden, unter anderem das Beratungsportal About.com und den Bilderdienst TwitPic.com. Branchenüblich erklärt RapLeaf, weder Namen noch E-Mail-Adressen oder persönlich identifizierbare Daten für die Online-Werbung zu verkaufen. Und es ist alles zum Vorteil der Verbraucher, beteuert RapLeaf-CEO Auren Hoffman: "Das Ziel von RapLeaf ist vor allem, eine stärker personalisierbare Welt für die Menschen zu schaffen. Wir glauben, dass eine stärker personalisierbare Welt eine bessere Welt ist."

Die Preise für teilweise sehr persönliche Daten erscheinen überraschend günstig. Völlig umsonst gibt es zum Einstieg Alter, Geschlecht und Ort. Haushaltseinkommen und Ehestand kommen für jeweils einen US-Cent dazu, ebenso die eventuell vorhandenen Kinder, der Wert des bewohnten Hauses oder die Relation von aufgenommenen Krediten zum eigenen Vermögen. Jeweils einen weiteren Cent kosten Informationen über vorhandene Kreditkarten oder Fahrzeuge im Haushalt.

Wie wahrscheinlich jemand über ein Smartphone verfügt, ist schon mit drei Cent zu veranschlagen, während Beruf und Ausbildung nur jeweils 2 Cent wert sind. Ein paar Cent mehr kosten auch geldwerte Interessen und Verhaltensweisen des Nutzers. Ob er gerne Bücher oder Zeitschriften liest, zu wohltätigen Spenden neigt, sich als Blogger betätigt oder für Outdoor-Aktivitäten begeistert, hochwertige Marken bevorzugt, gerne reist oder kocht, sich für aktuelle Nachrichten interessiert oder gar als Power-Shopper gilt - für jede dieser Informationen werden weitere drei Cent fällig.

Wer Informationen von RapLeaf kaufen will, muss selbst bereits über E-Mail-Adressen verfügen und kann persönliche Daten zu diesen abfragen. Wenn ein Kunde des Datenhändlers also beispielsweise 1.000 E-Mail-Adressen einliefert, kann er zu den genannten Preisen zutreffende Eigenschaften zu diesen Adressen erfahren, die ihn interessieren. Er bezahlt für Treffer zu den Abfragen - sind 500 "wahrscheinliche Smartphone-Nutzer" unter seinen Adressen, summiert sich das beispielsweise auf 15 US-Dollar.

Auch wenn RapLeaf die Daten für jeweils wenige Cent abgibt, verspricht das Geschäftsmodell dauerhafte und hohe Erträge. Investoren versahen das Unternehmen 2006 mit einem Startkapital von einer Million US-Dollar. Zu ihnen gehörte Peter Thiel, der sein Geld als Mitgründer von PayPal machte und auch groß bei Facebook investiert ist. Er weiß, wie Kleinvieh Millionen macht und sich persönliche Daten Cent um Cent vergolden.

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