Der Luftkrieg in Libyen geht mehr parterre

24.05.2011

Kampfhubschrauber sollen die Wende herbeiführen

Der italienische Fliegereiexperte, Pilot und Blogger David Cenciotti hat ein Foto des französischen Hubschraubers Tiger, der nun in Libyen eingesetzt werden soll. Er kommentiert es mit einer Pointe: Der Hubschrauber war Gaddafi vor einigen Jahren zum Kauf angeboten worden.

Sehr bald können andere, verlässlichere und mindestens ebenso zahlungskräftige Geschäfts- und Einsatzpartner, etwa aus den Vereinigten Emiraten, dabei zusehen wie die Tiger, unterstützt von französischen Gazellen im Verbund mit britischen Apachen, die Wende im Kriegspatt zwischen der Nato und dem zur Kapitulation unwilligen Colonel Gaddafi herbeiführen sollen, wie dies heute im Guardian und in deutschen Publikationen zu lesen ist. Zusammen mit Berichten über eine "Intensivierung" der Luftangriffe.

Berichtet wird von einer "ganzen Serie von Luftangriffen auf Tripolis", den "bisher schwersten Luftschlägen gegen die libysche Hauptstadt". Ziel war demnach wieder Bab al-Aziziyah, der legendäre "compound" Muammar Gaddafis in Tripolis, ein größeres Gelände, das Gaddafi als Familien-Residenz diente und das laut Nato auch seine Kommandozentrale beherbergt. Weshalb Bab al-Aziziyah wiederholt angegriffen wurde. Ziel der gestrigen Angriffe war angeblich ein Fahrzeugdepot, das, wie in Berichten begründet wird, "bei der Unterdrückung der libyschen Rebellen eine größere Rolle gespielt haben soll".

Die Nato spricht von Präzisionsangriffen, die libysche Regierung hingegen von drei Toten und 150 Verletzten. Die Mehrzahl der Opfer sind ihren Angaben zufolge Zivilisten, die bei einem Angriff "auf eine Kaserne der Volksgarde ("la garde populaire") getötet oder verwundet wurden. Nach Darstellung des Regierungssprechers Moussa Ibrahim flogen Nato-Flugzeuge "zwischen 12 und 18 Angriffe" auf eine Kaserne "im Sektor Bab al-Aziziyah". Sie soll leer gewesen sein, die Opfer sollen überwiegend in der Nachbarschaft wohnen, Neugierige, die nach den ersten Luftangriffen schauen wollten, was passiert ist, werden Augenzeugen wiedergegeben.

Wie sehr die Angaben des Regeierungssprechers der Wahrheit entsprechen, ist auch hier nicht zu ermitteln. Der Hubschrauber-Einsatz ist prädestiniert für weitere Meldungen, aus denen nicht klar hervorgeht, ob die Opfer Zivilisten waren oder Soldaten, gegnerische Kämpfer. Man kennt Ähnliches aus dem Irak-Krieg. Es heisst, dass Gaddafis Truppen immer öfter in Zivil kämpfen und nicht in Uniform. Ob das wahr ist oder Gerücht, ist ebenfalls schwer zu ermitteln.

Mit den Hubschraubern geht der Luftkrieg parterre; man wolle die Fähigkeit, am Boden anzugreifen, verbessern und mehr Mittel zu präzisen Angriffen haben, wird der französische Außenminister Juppé wiedergegeben. Ist das noch mit der UN-Resolution zu vereinbaren, der es vor allem um den Schutz der Zivilbevölkerung geht und nicht darum, militärisch die Partei der Gaddafigegner zu ergreifen?

Mit argumentativen Schleifen schon, wie das der Guardian-Bericht demonstriert:

The decision to deploy the helicopters is a clear recognition that high-level bombing from 15,000 feet cannot protect civilians who continue to be attacked by rocket and mortar shells. It brings the Nato offensive much closer to the ground at a time when Britain and other Nato countries are insisting they have no intention of sending in troops.

Tatsächlich aber, so meldeten französische Medien schon vor Wochen, operieren französische Soldaten vom libyschen Boden aus, als Berater, die Ziele "identifizieren". Die Ziele erarbeiten sie zusammen mit den Rebellen (siehe Die Arbeit der Verbindungsoffiziere.Die kleinen ausländischen Bodentruppen in Libyen).

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