Und nun?

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Ich werde älter und ich sehe Michael als Episode an. Als wichtige Episode. Jemanden, der sich freiwillig anbietet, für Sex zu mieten, empfinde ich nicht als schlimm. Im Gegenteil. Ich wollte einen netten Abend inclusive Sex, er wollte Geld - ich wollte nicht erst herumsuchen oder als Schlampe gelten, viel wichtiger war mir aber, dass ich wissen wollte, mit wem ich es zu tun habe, ich wollte keinen "Stecher aus Kneipe X", ich wollte jemanden, der nur meine Lust befriedigt, ohne von Liebe zu reden oder sie zu wollen.

Das sehe ich nicht als schlimm an - Lust und Liebe gleichzeitig ist wunderbar, aber warum soll ich darauf warten? Warum soll ich nicht auch die Freiheit haben, meine Lust befriedigen zu lassen? Warum soll ich nicht auch auf die erigierten Brustwarzen von David Beckham starren und dabei fantasieren? Warum soll Pornografie schlimm sein, wenn ich es als richtig geil empfinde, zwei heiße Männer bei intimen Küssen zu betrachten? Ich hätte kein Problem damit, dass sich halbnackte Männer in der Nähe des Bahnhofes aufstellen würden, um zu zeigen: "Hey, du kannst mich mieten." Aber ich habe ein Problem damit, dass Menschen meinen, ich müsste mich dafür schuldig fühlen, dass ich mir selbst aussuche, wie ich mit meiner Sexualität umgehe oder umging.

Ich habe jetzt einen anderen Zugang zu mir selbst, aber ich werde mich nicht mehr schmutzig, schuldig oder böse fühlen, nur weil ich mir selbst einfach das gegönnt habe, was jemand anderes freiwillig (!) anbot. Und das, wenn ich den Artikel z. B. bei Spiegel Online einmal umdrehe, in die Nähe von Kindesmissbrauch und Zwangsprostitution zu rücken, ist infam. Frauen sehen Männer auch oft als Sexobjekt - Beckham und Co. sind nicht nur wegen ihrer Fußballfähigkeiten erfolgreich.

Erigierte Brustwarzen und glatt rasierte Körper sowie kaum verdeckte Unterleibe sind im Endeffekt auch eine Form der "Objektivierung", wie sie so verurteilt wird. Seit "Satc" sind Gespräche über die Qualitäten des Ex/zukünftigen Liebhabers, auch hinsichtlich der Sexualität keine Seltenheit mehr. Länge, Dicke, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt der "Knackarsch" werden genauso bewertet und verurteilt, wie die Männer die Brüste und dergleichen mehr beurteilen. In eine Chippendale-Vorstellung geht wohl kaum eine Frau, weil sie die Intelligenz der Darsteller so bewundernswert findet ...

Die Gleichberechtigung hat es ermöglicht, dass Frauen wie ich sich nicht mehr schämen müssen für ihre Lustempfindungen, für ihre Libido. Die derzeitigen Artikel zum Thema Feminismus aber sind so geschrieben, als wäre es schlimm, die eigene Lust auszuleben, indem sie das Ausnutzen von Zwangslagen, Sex gegen Geld und Kindesmissbrauch in eine Ebene heben. Das bedeutet aber auch, dass das Ausleben der Lust gegen Geld schlimm ist - und das bedeutet auch für Frauen wie mich: Zurück zum früheren Denken, zurück zum "hey, bumst gefälligst nur innerhalb von Beziehungen".

Aber genau das möchte ich nicht. Ich möchte es selbst entscheiden können, wann wo und wie ich mit jemandem Sex habe (so wie derjenige auch selbst entscheiden kann). Michael konnte ebenso entscheiden wie ich - und hat es getan. Machte er mich damals zu einem Sexobjekt und ich ihn? Ich finde nicht - wir hatten einfach nur einen Deal. Niemand litt, niemand hatte falsche Vorstellungen - aber wir beide hatten Spaß und richtig guten Sex. Na und?

Sex gegen Geld - na und?

Kein Offizier, aber ein Gentleman: Michael

Und nun?

http://www.heise.de/tp/artikel/34/34861/1.html
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