Wenig Unterschied zu Aktien

10.06.2011

Stoppt die amerikanischen Drogenpolizei DEA den Höhenflug der Bitcoin-Währung?

Die beiden demokratischen Senatoren Charles Schumer und Joe Manchin forderten den amerikanischen Justizminister Eric Holder und Michele Leonhart, die Leiterin der Drogenpolizei DEA in einen Brief dazu auf, unverzüglich gegen das "Silk-Road-Netzwerk" einzuschreiten. Anlass dafür war offenbar ein technisch möglicherweise nicht ganz verdauter Bericht im Online-Klatschmagazin Gawker, der schildert, wie die nicht staatlich kontrollierte Währung Bitcoin auf dem nur via TOR zugänglichen Portal Silk Road zum anonymen Kauf von verbotenen Genussmitteln benutzt wird.

Aufgrund der Unklarheit, was Schumer und Manchin alles zum "Silk-Road-Netzwerk" rechnen, fragten amerikanische Medien bei der DEA nach und erhielten die Antwort, dass man dort "besorgt" über Bitcoin sei und die digitale Währung ebenso wie andere technische Entwicklungen beständig analysiere und neu bewerte. Man sei sich deshalb neuer Gefahren bewusst und werde "entsprechend" handeln. Konkrete Ermittlungen wollte man jedoch weder bestätigen noch dementieren.

Screenshot: Telepolis.

Silk Road dürfte unter anderem deshalb schwer zu schließen sein, weil Betreiber ebenso wie Benutzer durch TOR weitgehend anonym sind. Vielversprechender scheint derzeit ein Angriff über die Schwachstelle des Bitcoin-Dollar-Umtauschs, der vor allem über das Online-Geldinstitut Mt. Gox läuft, das der japanischen Firma Tibanne gehört. Werden Umtauschmöglichkeiten eingeschränkt, dann hoffen Bitcoin-Enthusiasten darauf, dass Nachfrager mehr Dienstleistungen wie Programmier- oder Grafikarbeiten anbieten.

Auch Dean Tomasevic vom deutschen Portal myBitcoin hat Zweifel an der Wirksamkeit eines Bitcoin-Verbots und begründet diese mit dem Verweis auf Online-Pokerspiele, die in Deutschland zwar illegal, aber trotzdem sehr beliebt sind. Nationale Alleingänge würden seiner Ansicht nach vor allem den Anbietern im jeweiligen Land schaden und Kaufkraft ins Ausland treiben. Als potenzielle Bitcoin-Anbieter-Refugien sieht er unter anderem die Niederlande und Schweden sowie Länder, in denen Pokerfirmen Ihren Hauptsitz haben.

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Allerdings könnten staatliche Verbotsmaßnahmen eine Blasenangst und mit ihr einen Kursverfall der Währung auslösen. Ob schon die kryptische Drohung der DEA dafür ausreicht, scheint derzeit offen: Am Mittwoch sank der Preis einer Münze, der zwischenzeitlich ein Hoch von 33 Dollar erreicht hatte, innerhalb weniger Stunden auf etwa 22, um am Donnerstag wieder auf fast 32 Dollar anzusteigen. Weil es einem Käufer aufgrund solch starker Schwankungen passieren kann, dass er eine mit Bitcoin zu zahlende Ware mit deutlich mehr Arbeitszeit (beziehungsweise Dollar oder Euro) kauft, als er vorhatte, wird mittlerweile die Frage laut, ob die enorme Wertsteigerung in den letzten Wochen Bitcoin als Zahlungsmittel nicht eher schadet, als dass sie der Währung nützt.

Tomasevic meinte hierzu gegenüber Telepolis, dass dieses Problem über ein automatisches Anpassungstool gelöst werden könnte, durch den ein Online-Shop über die API eines Bitcoin-Trading-Tools den jeweils aktuellen Münzenpreis bezieht und ständig neu umrechnet. Hinsichtlich des Anlagewerts sieht er wenig Unterschied zu Aktien, bei denen eine Kurssteigerung entweder in einer Stabilisierung oder in einem "heftigen Preisfall" endet.

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