In weiten Teilen der USA sinkt die Lebenserwartung im internationalen Vergleich

16.06.2011

Drastische regionale Unterschiede der Lebenserwartung in den USA

In großen Teilen der USA sinkt die Lebenserwartung oder stagniert sie. Allerdings gibt es zwischen den Regionen erhebliche Unterschiede, wie eine Studie des Institute of Health Metrics and Evaluation an der University of Washington feststellte, die in der Zeitschrift Population Health Metrics erschienen ist.

Lebenserwartung der Männer - rot am geringsten, dunkelgrün am höchsten. Bild: IHME

Für den Zeitraum von 1987 bis 2007 wurde die Lebenserwartung in den 3.147 Landkreisen (counties) untersucht. Danach hat sich die regionale Ungleichheit im Hinblick auf die Lebenserwartung deutlich vergrößert. Die Unterschiede können mehr als ein Jahrzehnt betragen. Bei Frauen variiert die Lebenserwartung bei Geburt zwischen 73,5 und 86 Jahren, noch stärker ist das bei den Männern, bei denen sie zwischen 65,9 und 81,1 Jahren liegt. Geografisch werden die Menschen im Südosten am wenigsten alt, die höchste Lebenserwartung haben die Bewohner der Pazifik- und Atlantikküste sowie in den nödlichen Plains. Die regionale Ungleichheit ist deutlich größer als etwa in Ländern wie Kanada, Großbritannien oder Japan. Eine Häufung von Counties mit hoher Lebenserwartung findet man in Colorado, Minnesota, Utah, Kalifornien, Washington und Florida. Schwarze Männer und Frauen haben landesweit eine geringere Lebenserwartung als Weiße.

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Auch wenn in den USA insgesamt die Lebenserwartung kontinuierlich weiter angestiegen ist (4.3 Jahre für Männer und 2.4 Jahre für Frauen), fallen die USA gegenüber den anderen Industrieländern zurück und stehen nun weltweit für Frauen und Männer auf Platz 37 (Deutschland liegt wie Großbritannien auf Platz 20). Verglichen mit den 10 Ländern mit der höchsten Lebenserwartung - laut Vereinten Nationen: Japan, Hongkong, Island, Schweiz, Australien, Spanien,Schweden, Israel, Macau, Frankreich) liegen die Frauen in 40 Prozent, die Männer hingegen nur in rund 20 Prozent der US-Landkreise mehr als 5 Jahre zurück. In manchen Landkreisen liegt die Lebenserwartung sogar um mehr als 50 Jahre hinter der in den 10 besten Ländern zurück. Allgemein haben amerikanische Frauen und Männer 2007 bei der Geburt eine um jeweils 3,2 Jahre geringere Lebenserwartung. Allerdings liegt sich in 33 Counties bei Männern und 8 Counties bei Frauen auch über der in den To-Ten-Ländern.

Anteil der Frauen, die hinter der Lebenserwartung der Top-Ten-Länder zurückbleiben. Bild: IHME

In einem Viertel der Counties haben die neu geborenen Mädchen schon eine geringere Lebenserwartung als ihre Mütter. Zwischen 2000 und 2007, also in einer relativ kurzen Zeit, ist die Lebveserwartung bei Männern in 661 Counties und bei Frauen in 1.3373 Counties über 5 Jahre unter der in den Top-Ten-Ländern gesunken, in 67 bei Männern und 222 bei Frauen sogar um mehr als 10 Jahre. New York konnte hingegen die Lebenserwartung seit den 1960er Jahren mit am stärksten zulegen, was u.a. auf die medikamentöse Behandlung von Aids, sinkende Mordraten und Kindersterblichkeit zurückgeführt wird.

Anteil der Männer, die hinter der Lebenserwartung der Top-Ten-Länder zurückbleiben. Bild: IHME

Die Wissenschaftler überraschte der Befund, weil die USA eigentlich eines der teuersten Gesundheitssysteme haben. Die Gesundheitsausgaben pro Kopf sind etwa doppelt so hoch wie in europäischen Ländern, allerdings sind bislang viele Millionen Menschen überhaupt nicht versichert, was neben den großen Einkommensunterschieden ein wesentlicher Grund für die große Ungleichheit der Lebenserwartung sein dürfte. In den Counties, in denen die Zahl der Menschen mit einer Krankenversicherung am niedrigsten ist, ist auch die Lebenserwartung am niedrigsten. Für die Verlangsamung oder auch den Rückgang der Lebenssterblichkeit könnten neben zahlreichen anderen Gründen die wachsende Zahl der Fett- und Dickleibigen oder der Mangel an Ärzten für die medizinische Grundversorgung verantwortlich sein, so dass hoher Blutzucker oder hoher Blutdruck nicht ausreichend behandelt werden. Durchschnittlich ist ein Amerikaner jährlich eine Stunde beim Arzt, wenn er nicht sehr krank ist. Für die Wissenschaftler bedeutet dies u.a., dass die Grundversorgung verbessert werden müsste.

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