Porsche-Fahrer wollen schnellen Sex

17.06.2011

Männer, die mit Luxusprodukten protzen, suchen eher das sexuelle Abenteuer, Frauen durchschauen dies aber, während Männer in der Partnersuche auf Darstellung des Wohlstands bei Frauen nicht zu achten scheinen

Haben Porsche-Fahrer mehr Erfolg bei den Frauen? Das hat uns doch schon immer interessiert. Immerhin gibt es Wissenschaftler, die der Frage jetzt nachgegangen sind, um zu klären, wie wichtig eine teure und schnittige Automarke für den Erfolg auf dem Beziehungsmarkt ist.

Auch andere Luxusgüter werden gekauft und stolz präsentiert, um in der sexuellen Selektion zur Schau gestellt zu werden und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Funktionalität ist dabei Nebensache. Ganz ähnlich ist das bei der sexuellen Selektion in der Tierwelt, in der etwa der männliche Pfau mit einem besonders prächtigen Schwanz, der aber seine Bewegung behindert, die Weibchen und die Konkurrenten beeindrucken will. Der Porsche könnte also als Zeichen für gute reproduktive Eigenschaften des Besitzers (Geld, Sicherheit, Macht etc.) von den potenziellen Frauen gesehen werden, die attraktive Partner für die Erzeugung von Kindern suchen.

Die Autoren weisen in ihrer Studie Peacocks, Porsches, and Thorstein Veblen - Conspicuous consumption as a sexual signaling system, die in der Zeitschrift Journal of Personality and Social Psychology erschienen ist, auf andere Forschungsergebnisse hin, die den sowieso einleuchtenden Zusammenhang zwischen Luxusgütern wie Porsches, schon im Volksmund Phallussymbole genannt, und sexueller Selektion bestätigen. Männer würden leidenschaftlicher nach Wohlstand streben, wenn sie Frauen körperlich nahe sind, sie würden ein stärkeres Verlangen nach dem Erwerb von teuren und luxuriösen Gütern haben, wenn sie nach Partnerinnen suchen und ihr Testosterin-Spiegel soll steigen, wenn sie die Gelegenheit haben, den neuesten Porsche zu fahren.

Allerdings ist nach der Studie der US-Soziologen, die die Suche nach sexueller Aufmerksamkeit durch auffällige Luxusgüter nach dem Soziologen Thorstein Veblen auch als Geltungskonsum bezeichnen, nicht die Sache eines jeden Mannes. Wie es bei den Frauen steht, die sich im Unterschied zu den Pfauen auch auf die Bühne der sexuellen Selektion präsentieren und entsprechende Signale aussenden, haben die Soziologen nicht untersucht. Anders als bei Pfauen - und gemäß der Evolutionstheorie - suchen Frauen bei Männern, die mit Reichtum protzen, vermutlich nicht nur nach dauerhaften Reproduktionspartnern und irgendwelchen mit dem zur Schau gestellten Reichtum verbundenen genetischen Eigenschaften, sie könnten ebenso wie die Männer auch auf kurze sexuelle Abenteuer und nicht-genetische Vorteile aus sein. Frauen könnten dabei daran interessiert sein, so die Soziologen, schnell einmal etwa vom Wohlstand des Partners profitieren zu können. Von der Lust ohne Reproduktionshintergrund zu sprechen, fällt natürlich aus der Perspektive der Evolutionspsychologie schwer.

Wenn Frauen eine langfristige Beziehung suchen, spielt das Gockeln mit teuren Phallussymbolen keine Rolle mehr

Für die Studie wurden insgesamt an die tausend Versuchspersonen mit vier Experimenten traktiert, um zu sehen, mit welchen Motiven Männer im Partnerspiel protzen, wie das Frauen machen und was die Protzerei über die Partnersuche der Männer aussagen könnte. In einem Experiment mit 243 studentischen Versuchspersonen wurden diesen jeweils Bilder von attraktiven Personen des anderen Geschlechts gezeigt, um sie gewissermaßen erorisch einzustimmen. Die Kontrollgruppe bekam nur Bilder von Gebäuden zu sehen. Dann sollten sie sagen, für welche Produkte auf einer Liste sie 2.000 Dollar ausgeben würden, wenn sie das Geld sofort verwenden müssten. Und schließlich mussten sie einen Fragebogen beantworten, mit dem ihre Partnersuche (geringe vs. hohe Investition, also kurzfristig oder langfristig) festgestellt wurde.

Männer, so das Ergebnis, denen an kurzfristigen Beziehungen gelegen ist, geben mehr für Geltungskonsum aus, wenn sie durch die Fotos von attraktiven Frauen auf Partnersuche getrimmt sind. Ähnlich ist es auch, wenn sie zuvor, wie in einem anderen Experiment, eine Liebesgeschichte gelesen haben. Darin gleichen sie, so die Soziologen, den Pfauenmännchen, die auch keine langfristigen Beziehungen eingehen, sondern nur Sexualität begehren. Bei Männern, die nach einer langfristigen Beziehung Ausschau halten, veränderte die erotische Einstimmung nicht ihr Konsumverhalten. Das scheint für Frauen allgemein zu gelten, unabhängig von kurz- oder langfristiger Orientierung. Nur in einem Experiment hatte sich ergeben, dass Frauen, die nach langfristigen Beziehungen Ausschau halten, eher auf Geltungskonsum setzen. Die Soziologen gingen dem aber nicht wirklich nach. Schließlich lehrt die Erfahrung, dass dies bei Frauen doch eine Rolle spielen kann, zumal wenn junge attraktive Frauen sich alte, reiche Männer angeln.

In einem Experiment versuchten die Wissenschaftler herauszufinden, ob die Protzerei, die bei Männern mit einem Wunsch nach kurzfristigen sexuellen Kontakten einhergeht, beim anderen Geschlecht auch als Zeichen für die Beziehungsorientierung ankommt. Die Versuchspersonen lasen eine Beschreibung einer Person des jeweils anderen Geschlechts mit Universitätsausbildung, Job bei einer großen Firma, Einkommen von 80.000 Dollar pro Jahr mit den Hobbies Fahrradfahren, Musikhören und Kinogehen. Dazu kam die Information, dass diese Person gerade einen Honda Civic (15.000 USD) oder einen Porsche Boxster (58.000 USD) gekauft hat. Für Frauen, die auf ein kurzfristiges sexuelles Abenteuer aus sind, erhöht der Porsche-Kauf die Attraktivität des Mannes, aber als Heiratskandidat macht ihn dies nicht begehrter. Frauen gehen auch davon aus, dass der Porsche-Mann eher keine langfristigen Beziehungswünsche hegt. Den Männern hingegen war es anscheinend egal, ob die Frau einen Porsche hat oder nicht, also ob sie Wohlstand und Erfolg signalisiert. Eine Porsche-Frau wird von Männern ein wenig eher als eine an schnellen sexuellen Abenteuern ausgerichtete erlebt. Warum Frauen einen Hang zum Protzen mit Statussymbolen haben, bleibt ein schwarzer Fleck in dieser Studie. Mit der Partnerwahl hat es scheinbar nichts zu tun, vielleicht aber mit dem Konkurrenzkampf der Frauen untereinander, vermuten die Soziologen.

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