Epidemie Diabetes

27.06.2011

Mit dem Übergewicht wächst auch weltweit der Diabetes - mit interessanten Unterschieden

Eines der derzeit größten Krankheitsrisiken geht von Diabetes bzw. Hyperglykämie aus, also von einer Krankheit, die großenteils durch den (westlichen) Lebensstil bedingt zu sein scheint. Man kann von einer Epidemie sprechen, die die Menschheit erfasst, denn bis zu 95 Prozent der Erkrankungen sind vom Typ Diabetes 2, die mit Übergewicht oder Fettleibigkeit verbunden ist. Damit geht die Epidemie der Fettleibigkeit mit der der Diabetes einher (Von der allmählichen Verfettung der Menschheit).

Nach einer Untersuchung von britischen Wissenschaftlern ließe sich Diabetes 2 möglicherweise durch eine radikale Umstellung der Ernährung schnell innerhalb von zwei Monaten behandeln. Allerdings muss die Nahrungsaufnahme dann erst einmal auf täglich 600 Kalorien beschränkt werden. Schon nach einer Woche sei der Blutzuckergehalt dann normal gewesen. Nach 8 Wochen waren die Versuchspersonen zu einer normalen, aber gesunden Ernährung zurückgekehrt. Die Mehrzahl der Versuchspersonen war dann frei von Diabetes.

Eine Metastudie, die Daten von Hunderten von Untersuchungen in 199 Ländern und Regionen auswertete, kam zu dem Schluss, dass sich die Zahl der an Diabetes Erkrankten innerhalb von weniger als 30 Jahren verdoppelt hat. 2008 habe es, so schätzt das internationale Autorenteam der Studie, die in der Zeitschrift Lancet erschienenen ist und u.a. von der Gates-Stiftung und der WHO gefördert wurde, 347 (314-382) Millionen Menschen mit Diabetes gegeben, 1980 seien es erst 153 Millionen gewesen. Das ist deutlich mehr, als die 285 Millionen, die von einer früheren Studie geschätzt wurden.

Weltweit ist Diabetes für 3 Millionen Todesfälle jährlich verantwortlich. Von Diabetes spricht man, wenn die Körperzellen keinen Zucker mehr aufnehmen können, wodurch der Blutzuckergehalt ansteigt, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schäden an der Leber, den Nerven und den Augen erhöht.

Zwar gehen nach Angaben der Wissenschaftler 70 Prozent des Anstiegs auf Bevölkerungszunahme und Anstieg des Alters zurück, die restlichen 30 Prozent sind jedoch Folge der Ausbreitung in der Bevölkerung weltweit. Der Anteil der Frauen mit Diabetes ist weltweit von 7,5 Prozent 1980 auf 9,2 Prozent gestiegen, bei den Männern von 8,3 auf 9,8 Prozent.

Diabetes steigt weltweit an, aber es gibt deutliche Unterschiede. In Ost- und Südostasien sowie in Zentral- und Osteuropa haben die Wissenschaftler keinen Anstieg des Blutzuckergehalts feststellen können, ebenfalls nicht im südlichen Afrika, was deutlich macht, dass Armut bzw. der fehlende Zugang zur westlichen Billigernährung und zur sitzenden Lebensweise ein entscheidender Grund für die Epidemie sind - aber nur für die armen Länder, in den reichen Ländern trifft es nämlich wiederum am stärksten die ärmeren Schichten. Den stärksten Anstieg gab es in Ozeanien, wo es auch den weltweit höchsten Anteil an fettleibigen Menschen gibt, was weitgehend der Anpassung an die westliche Ernährung, vor allem an Fast Food, zu verdanken ist. Einen vergleichbaren Anteil an Diabetes-Kranken gibt es nur noch in Saudi-Arabien (Die Verfettung der Menschen schreitet voran, aber unterschiedlich schnell).

Stark angestiegen ist Diabetes auch in den boomenden Staaten China und Indien in Südasien, in Lateinamerika, abgesehen von den Andenländern, und der Karibik, in Nordafrika und im Mittleren Osten. Den stärksten Anstieg in den westlichen Ländern ist in den USA, Malta, Neuseeland oder Spanien zu beobachten, den geringsten Anstieg gab es in reichen Regionen in Westeuropa. In den Niederlanden und Österreich für Männer und Frauen und in Frankreich für Frauen war der Anstieg am geringsten (Die Zeitbombe der Fettleibigkeit und die Sorge um den Körper). Allerdings gab es für Zentral- und Osteuropa, für Afrika südlich der Sahara und Zentralasien kaum Daten.

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