Mit Kleingedrucktem gegen das Internet

29.06.2011

Media Markt stößt mit einer Werbeaktion auf Verbraucherkritik

Letzte Woche startete die Elektro-Einzelhandelskette Media Markt die Werbeaktion "Das große TV-Duell - Media Markt vs. Internet", in der potenziellen Kunden versprochen wird, dass sie sich einen Fernseher aus einer Liste von "Top-Bestsellern" aussuchen, dessen Preis bei Idealo.de mit dem anderer Anbieter vergleichen und das Gerät dann "zum niedrigsten Preis" beim Media Markt kaufen könnten.

Der Informatiker Tobias Anton las diese Anzeige und ermittelte, dass das TV-Gerät Philips 58PFL9955H beim Internet-Anbieter My-Solution für 1.299 Euro zu haben war, während es beim Media Markt mit einem Preis von 3.469 Euro ausgezeichnet war. Also machte er sich auf dem Weg zur Media-Markt-Filiale am Berliner Alexanderplatz, wo er zwei Angestellte mit einem Ausdruck des Angebots bei Idealo.de konfrontierte.

Media Markt am Berliner Alexanderplatz. Foto: VollwertBIT. Lizenz: CC-BY-SA.

Die jedoch händigten ihm nicht wie erwartet den Fernseher für 1.299 Euro aus, sondern telefonierten mit ihrer Geschäftsleitung. Anschließend beschieden sie ihm, dass man die Offerte des Wettbewerbers erst prüfen müsse und ihm telefonisch Bescheid geben wolle.

Darauf hin verschwand allerdings das Angebot von My-Solution aus der Suchmaschine Idealo.de, die der Media Markt als einzige Preisvergleichsstelle für sein Angebot akzeptiert. Und in der Filiale am Alexanderplatz stellte man sich auf den Standpunkt, dass man den Fernseher nicht für 1.299 Euro abgeben müsse, weil das Konkurrenzangebot ja bei Idealo.de verschwunden war und im Kleingedrukten der Media-Markt-Werbung steht: "Maßgeblich für den Preis ist der Zeitpunkt des Kaufvertragsabschlusses in Ihrem Media Markt".

Der Informatiker warf dem Media Markt darauf hin in seinem Blog vor, dass er "den Kunden unter Hinweis auf eine vorgeschobene 'Prüfung' des Angebots nach Hause schickt, das Verschwinden des Konkurrenzangebots beim Werbepartner Idealo.de abwartet und sich schließlich auf [eine Fußnote] beruft […], für die man, um sie zu lesen, auf einem durchschnittlich konfigurierten Browser etwa drei Bildschirmseiten herunterscrollen und eine Lupe zücken muss".

Die Rechtfertigung, dass das Angebot bei My-Solution "unseriös" gewesen sein müsse, konkretisierte die Elektromarktkette später noch dahingehend, dass der Fernseher in Deutschland nur von bestimmten Einzelhändlern und nicht im Online-Handel vertrieben werden dürfe. Als Anton bei My-Solution nachfragte, erhielt er dort jedoch die Antwort, dass das Angebot kein Versehen gewesen sei und man auch einige Geräte zu diesem Preis verkauft habe. Telepolis gegenüber gab das in Kesselsdorf bei Dresden angesiedelte Unternehmen zusätzlich die Auskunft, dass man sich für das zeitlich begrenzte Angebot den europäischen Binnenmarkt zunutze gemacht habe und die Aktion eine direkte Reaktion auf die Media-Markt-Kampagne gewesen sei.

Beim Media Markt meinte man auf Anfrage, man "kooperiere" zwar mit dem Preisvergleichportal, weise aber den Vorwurf zurück, "dass bei Idealo.de Angebote bewusst entfernt wurden", was auch deren Pressestelle bestätigen könne. Die Überprüfung der von Kunden eingereichten Fremdangebote behalte man sich "insbesondere" für Fälle vor, in denen der Preis "außergewöhnlich niedrig erscheint". Im vorliegenden Fall hätten Media-Markt-Mitarbeiter das Angebot von My-Solution als "fiktiven Preis" gewertet und man bitte um Verständnis, "dass der Kunde vor diesem Hintergrund das TV-Gerät somit nicht zum Preis von rund 1.300 Euro kaufen konnte".

Auf den Vorwurf Antons, dass mit "Internet-Bestpreisen" für Geräte geworben wird, die praktisch exklusiv vertrieben werden, ging man in der Ingolstädter Zentrale der zur Metro-Gruppe gehörigen Elektrohandelskette nicht ein. Der Alexanderplatz-Verkaufsleiter hatte dem Informatiker gesagt, "Internet-Bestpreis" hieße ja nicht, dass man sich "mit irgendwem messen" müsse.

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