Japan auf der Suche nach einem Endlager

03.07.2011

Toshiba, Eigner von Westinghouse, drängt die USA, in der Mongolei ein Endlager für den durch Fukushima angewachsenen Atommüll zu errichten

Japan steht unter erheblichem Druck, die durch den Tsunami auf einen Streich ausgeschalteten 6 Reaktoren mit den Tausenden von alten Brennstäben in den Kühlbecken irgendwie entsorgen zu müssen. Das Problem ist, dass auch Japan kein Endlager hat, was auch Teil der Schwierigkeiten war, da die alten Brennstäbe in den AKWs gelagert werden müssen und dort weiterhin gefährlich bleiben können, wenn die Kühlung ausfällt.

Die Reaktoren und Kühlbecken sollen nach den Vorstellungen des Betreibers Tepco erst einmal mit einer zeltähnlichen Abdeckung gesichert werden, so dass keine Radioaktivität mehr an die Umwelt abgeben wird. Allerdings kämpft man im Augenblick eher darum, dass kein radioaktiv belastetes Wasser aus dem Atomkraftwerk ins Grundwasser oder ins Meer gelangt. Aufgrund des Einpumpens von Meerwasser zur Kühlung der Reaktoren und Becken haben sich mehr als 100.000 Tonnen radioaktiv kontaminiertes Wasser im AKW angesammelt, die Anlage zur Reinigung macht noch Schwierigkeiten. Selbst wenn sie arbeiten würde, wäre unklar, wo man das ausgefilterte Material entsorgen kann.

Abklingbecken im Reaktorgebäude 4. Bild: Tepco

Toshiba, der weltgrößte Atomkonzern, der 2006 den ehemaligen US-Atomkonzern Westinghouse vom staatlichen britischen Nuklearkonzern British Nuclear Plc. gekauft hat, geht davon aus, dass in Japan derzeit kein Endlager durchzusetzen sein wird. Westinghouse hatte die Siedewasserreaktoren entwickelt, die in Fukushima havariert waren. Jetzt drängt der Konzern die US-Regierung, schnell ein Endlager in der Mongolei zu bauen. Japan, die USA und die Mongolei haben bereits über ein solches Lager im Rahmen eines Comprehensive Fuel Supply verhandelt. Auch in den USA ist der Plan gescheitert, in den Yucca Mountains ein dringend benötigtes Endlager einzurichten.

Im Mai soll Toshiba-Chef Norio Sasaki einen Brief an den stellvertretenden US-Umweltminister Daniel Poneman geschickt haben, um den Plan voranzutreiben. Der sieht vor, dass Länder, die AKWs bauen und diese mit Uran aus der Mongolei betreiben, die alten Brennstäbe wieder an das Land zurückgeben können. So sollte die Renaissance der Atomenergie umgesetzt werden, mit dem Nebeneffekt, dass auch die USA und Japan dort ihren Atommüll loswerden können. Während gleichzeitig sicher gestellt werden könnte, dass Länder, die AKWs betreiben wollen, nicht selbst Uran anreichern müssen.

In der Mongolei scheint man aber nach Fukushima nicht mehr so angetan zu sein, zur Müllhalde zu werden, auch wenn man durch die Lieferung von Uran profitieren könnte. Allerdings müsste der Transport von Atommüll auch mit Russland oder China geklärt werden, was bislang nicht geschehen ist. In Deutschland hingegen hat man schon mal davon geträumt, Atommüll in Fukushima loszuwerden zu können, da macht das ja nichts mehr.

Natürlich ist weltweit die Skepsis nach Fukushima gegenüber der japanischen Atomtechnik groß. So wackeln derzeit Abkommen mit Jordanien, Russland, Südkorea und Vietnam. Während man in Japan den AKWs gegenüber skeptisch bleibt, will ausgerechnet Tepco die Laufzeit eines Altmeilers in Mihama über die vierzigjährige Betriebszeit, die 2012 abläuft, noch einmal um 10 Jahre verlängern. Inzwischen wurde Tellurium (720 Becquerel pro Liter) mit einer Halbwertszeit von 34 Tagen im Meer bei Fukushima entdeckt. Tepco streitet ab, dass es ein neues Leck geben könne, was es vermutlich gibt.

Die Atomlobby konnte aber auch einen Erfolg verbuchen, der den Widerstand in Japan einbrechen lassen könnte. Hideo Kishimoto, der Bürgermeister von Genkai in der Präfektur Saga [http://english.kyodonews.jp/news/2011/07/100688.html soll] zwei Reaktoren, die nach Fukushima aufgrund einer routinemäßigen Inspektion abgeschaltet worden waren, wieder eine Betriebsgenehmigung erteilen wollen. Derzeit sind nur noch 19 von insgesamt 54 AKWs in Betrieb.

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