Aufklärung? Anklagen? Anzeigen? Fehlanzeige

Zum ersten Mal in der Geschichte ist es Verschwörungstheoretikern gelungen, eine haltlose und rasch widerlegte Theorie felsenfest in den Geschichtsbüchern zu installieren - Teil 2

Aber 2011 ist nicht 2001. Die Zeiten haben sich geändert, mit einem veränderten Bewusstsein für die existenzielle Krisensituation, in der sich unser Planet und seine Bewohner befinden. Und so sind die Verehrer der strengen Wissenschaftler Kopernikus und Galilei nicht verstummt, sondern ebenso zahlreich wie hartnäckig standhaft geblieben: Die Prüfung der alternativen Verschwörungstheorien ist überfällig - und die medialen Gralshüter kämpfen, wenngleich mit schwerem Geschütz, auf verlorenem Posten. Zu viel ist inzwischen geschehen, Wikileaks und Assange, Dauerohrfeigen für den "Journalismus", sind nicht totzukriegen (hoffentlich), zu viel konnte nicht unter dem Teppich bleiben, zu offensichtlich ist, auf welche Staatsform die USA seit der Jahrtausendwende zusteuern. 2001 noch der angegriffene Bewahrer der Freiheit und Europa-Verbündete mit der historischen Christenchance, nun alle Kriege zu beenden, 2011 ein entlarvtes Imperium, das untergehend die Politik mit letzten Mitteln fortsetzt: dem fortwährenden Krieg.

Der 9/11-Lüge folgte die irakische Massenvernichtungswaffen-Lüge, der Invasion Afghanistans die Invasion des unbewaffneten Irak - unter Inkaufnahme von nicht 3000 Toten wie in New York und Washington, sondern von bis zu einer Million Opfern im Zweistromland, davon 90 Prozent Zivilpersonen. Der per Handycam-Mitschnitt öffentlich gemachten Hinrichtung Saddam Husseins folgte die Aufdeckung der Wahrheit über Abu Ghraib, Guantánamo blieb, die Sub-Prime-Krise und der anschließende Bail Out legten Zeugnis ab vom Ende der Souveränität und Freiheit von Volksvertretern wie Vertretenen, und eingestehen mussten wir uns am Ende: Die Täter, "too big to fail", sitzen über sich selbst Gericht - und gleichzeitig an den Notenpressen. Sowie direkt neben dem Präsidentendaumen am Tisch, neben dem roten Knopf für den Ernstfall.

Erinnern wir uns, auch wenn es schmerzt, an die Friedensnobelpreisrede unseres letzten Hoffnungsträgers nach der scheinbar überstandenen Finsternis unter den Öl-Lords Bush und Cheney. In Oslo präsentierte sich Barack Obama als ein unangenehm berührter Führer, nur noch bedingt beherrscht angesichts des durchsichtigen Manövers der preisverleihenden Europäer, ein Mann, der durch trockene Blumen klarstellte: Vertut euch nicht, ich bin ein Kriegspräsident. Oder genauer, mit seinen eigenen Worten:

Ich weiß, dass nichts Schwaches, nichts Passives, nichts Naives ist in den Überzeugungen und Leben von Gandhi und King. Aber als ein Staatschef, der geschworen hat, seine Nation zu beschützen und zuverteidigen, kann ich mich nicht allein von ihrem Beispiel leiten lassen. Ich muss der Welt gegenübertreten, wie sie nun mal ist, und kann nicht untätig bleiben gegenüber den Gefahren, denen sich das amerikanische Volk gegenübersieht. Denn täuschen Sie sich nicht: Es gibt das Böse in dieser Welt. … Verhandlungen können die Al-Qaida-Führer nicht dazu bringen, ihre Waffen niederzulegen. Zu sagen, dass Gewalt manchmal notwendig ist, ist keine Aufforderung zum Zynismus - es ist eine Erkenntnis der Geschichte.

Cynthia McKinney, seit jeher Kritikerin der 9/11-Legenden, frühere Kongressfrau und inzwischen Kandidatin der amerikanischen Grünen für das PräsidentInnenamt, konstatierte, mit der Amtseinführung Obamas hätten zuletzt nun auch noch sie und ihre schwarzen Mitbürger, die keinen dieser Kriege wollen oder je gewollt hatten, ihre Unschuld verloren, und in der Tat hat der "Change", die Unique Selling Proposition der Marke Obama, stattgefunden - allerdings anders als gedacht: Das schon unter George W. Bush obszöne Pentagon-Budget befindet sich auf historischem Rekordniveau, die diesbezügliche Transparenz in historisch finsterstem Tal, potentielle Whistleblower werden massiv bedroht und verfolgt, "Landesverräter" wie Bradley Manning und ausländische Staatsfeinde wie Julian Assange sind zu Folter oder Abschuss freigegeben. Und die Aussichten bleiben unverändert: Das Empire rechnet wegen der "asymmetrischen Bedrohungen" - insbesondere durch Terrorismus und Cyberwarfare - fest mit Krieg als Dauerzustand. Was schon der heimliche Vorgänger des selbsternannten Kriegspräsidenten Barack Obama offen aussprach, allerdings ohne dass dieser, Dick Cheney, dafür einen Friedensnobelpreis benötigt hätte: "Dies hier ist etwas anderes als der Golfkrieg, und zwar insofern, als es nie beendet sein wird - jedenfalls nicht, solange wir leben."

Die Frage, die sich uns, seinen europäischen Zuhörern, stellt, ist allerdings, ob auch wir lebenslänglich Krieg für unvermeidlich halten. Und unsere Antwort auf diese Frage hängt entscheidend von unserer Position ab, unserem Weltbild. Um jedoch wenigstens die Gültigkeit unseres derzeitigen Weltbildes angemessen beurteilen zu können, müssen wir uns zunächst vom Irrglauben befreien, es würde durch eine angemessene Betrachtung des 11. September zerstört. Deshalb gestatten wir uns an dieser Stelle den abschließenden Versuch einer Versöhnung von Glauben, Hoffnung und Fakten.

Von Mathias Bröckers und Christian C. Walther erscheint nächste Woche im Westend-Verlag das Buch: "11.9. - zehn Jahre danach. Der Einsturz eines Lügengebäudes. 320 Seiten. € 16,99. Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung der Autoren und des Verlags dem Buch entnommen.

Temporäres Denkmal für Dick Cheney

Eine Formulierung im Konjunktiv, beginnend notwendigerweise mit der alles entscheidenden Feststellung: Erwiese sich, dass Elemente der US-Regierung und -Geheimdienste 9/11 "orchestriert" hätten, dann wäre unser Glaubenssystem eben nicht im Kern beschädigt. Das Eingeständnis, dass nicht die Sonne um die Erde kreist, sondern vice versa, würde uns nicht vernichten. Es wäre alles schlimm. Aber nur halb so schlimm. Die Demokratie weiterhin lebendig, wenn auch nicht die amerikanische, der Glaube an die freie Marktwirtschaft weiterhin berechtigt, wenn auch nicht der Glaube an den amerikanischen Raubtierkapitalismus. Die Freiheit immer noch unser höchstes Gut. Wenn auch nicht die amerikanische Freiheit, die eben nicht dort endet, wo die des anderen beginnt.

Wer sich den unter den Kürzeln "Lihop" und "Mihop" versammelten Theorien, wahlweise also dem "Let it / Make it happen on purpose", unter stillschweigender oder aktiver Beteiligung amerikanischer Regierungs- und Geheimdienstkreise, zumindest stellen will, dem hilft nur Aufrichtigkeit. Denn die nüchterne Bereitschaft, sich selbst nichts vorzumachen, ist die Voraussetzung für jede Aufklärung. "Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen", diese Überzeugung verbindet Jesus und die CIA, aus deren Empfangsmarmorfußboden im Hauptquartier in Langley, Virginia, jeden Besucher diese gravierten Worte aus dem Johannes-Evangelium begrüßen. Wir sind uns also einig.

Versichern aber sicherheitshalber nochmals, ehe wir im Schweinsgalopp ans Eingemachte gehen: Wäre es so, wären Cheney, Rumsfeld, die CIA und die Bush-Familie involviert - dann schiene es zwar im ersten Moment, als verdienten sie für dieses ihr Verhalten einen Ehrenplatz auf dem elektrischen Stuhl, bei genauerer und gerechterer Betrachtung der zugrunde liegenden Motive jedoch wären sie nicht mehr ohne weiteres zu verdammen oder gar zur bestrafen, sondern - zu begnadigen. Wie das?

So: Machen wir uns für einen Augenblick nichts vor, im Großen und Ganzen. Die Weltbevölkerung wächst und wächst weiter, und nur etwa zehn Prozent - nämlich wir Amerikaner und Europäer - verzehren frei nach dem heiteren Motto "Fleisch ist mein Gemüse" täglich zerhackte Lebewesen, die nicht nur zeitlebens erderwärmendes Methan furzen, sondern deren Aufzucht und Hege bis zu ihrer Exekution das Abholzen von Wäldern und die Produktion von Futter erfordert, das wir besser anderen Menschen überlassen hätten, statt diese verhungern zu lassen. Wir zehn Prozent wohnen beheizt und beleuchtet, duschen warm, reisen gern, hoch und fern und verfügen über zwei bis drei Autos pro Familie. Das möchten die anderen 90 Prozent der Weltbevölkerung verständlicherweise auch. Es wird aber nicht gehen, denn auch das dümmste Milchmädchen begreift schon beim groben Peilen über den groben Daumen: Es ist nicht genug für alle da. Zumal uns die Ressourcen und Rohstoffe allmählich ausgehen. Wir zehn Prozent verbrauchen 140 kw/h am Tag, pro Kopf, das ist die Energieleistung von 140 Menschen. Unsere Sklaven sind weiß, wir nennen sie Steckdosen, aber irgendwo muss die Energie eben herkommen. Viel mehr, als alles Mögliche zu verbrennen (erst Holz, dann Kohle, dann Öl und Gas), ist uns bis zum Beginn der industriellen Revolution nicht eingefallen, und erst seit relativ kurzer Zeit ist uns sonnenklar, dass wir demnächst alternative Energiequellen benötigen. In großem Umfang. Die Ressourcen, die wir dazu benötigen, liegen aber vorwiegend nicht unter unseren zehn Prozent westlichen Füßen, sondern unter denen von Arabern und Irakern, Russen und Usbeken, Venezolanern und Chinesen. Also zu Füßen derer, die nach unserem nicht offen erklärten Willen eben nicht allesamt teilhaben können an Autofahrten zum gut beheizten täglichen Fleischfestmahl in klimatisierten Räumen mit angeschlossener Wasserhahn- und Porzellanausstellung.

Entscheidend ist: Ob wir vor dem unausweichlichen "Ende des Öls" unsere Zukunftstechnologien - Windräder, Wasser- und vor allem Solarkraftwerke sowie fahrende Batterien in Form von Milliarden Kleinwagen - im großen und ausreichenden Stil werden aufbauen und in unsere Energieversorgungsnetze implementieren können, hängt vor allem ab von den Energiequellen, die uns derzeit zur Verfügung stehen, also Kohle, Gas und vor allem Öl. Ohne unseren freien Zugang zu den Ölquellen der Welt keine Windkraftanlagen, keine Solarfelder, kein E-Auto-Grid. Ohne Öl keine nachhaltige, grüne Zukunft. Genauer: keine Zukunft.

Selbst wenn Otto Normalstromverbraucher sich hierüber auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts keine ausreichend ernsthaften Gedanken macht (und sein verschwenderischer Vetter drüben im Römischen Reich des 20. Jahrhunderts noch viel weniger), kennen die Vertreter von "Big Oil" diese schlichten Zusammenhänge sehr genau. Deshalb geht es auf dem großen politischen Schachbrett auch, aber beileibe nicht nur, um Profite und die Ausbeutung des Planeten und seiner Bewohner, es geht erst recht um Machterhalt und um Sicherheit, Frieden und Freiheit über die Jetztzeit hinaus. Drehte heute jemand dem ebenso hoffnungslos verschwenderischen wie hoffnungslos überschuldeten Imperium USA mit sofortiger Wirkung den Ölhahn ab, stürzte das Land, bar jeder nennenswerten ölunabhängigen Infrastruktur, über Nacht ins Chaos - und ein solches Chaos hätte katastrophale, weitreichende Folgen. Denn was bedeutete das? Leere SUVs? Das Ende jeder Mobilität? Das Ende der Wasserversorgung und der Air Condition? Das Ende jeder Produktion und fast jeder Beschäftigung? Die Atommacht im Bürgerkrieg? Unter einem Präsidenten Glenn Beck, berauscht vom gefährlichen Gebräu der rechtsreligiösen Tea Party, mit dem Finger am roten Knopf und Sarah Palins Finger auf dem seinen? Oder erlebten wir gleich mehrere Regionalfürsten? Die Ostküste versus Texas? Alaska und Verbündete gegen den US-Westen? Yankees gegen Konföderierte, und jede Hausfrau bis an die Zähne bewaffnet? Der Mittlere Westen nur mehr im Panzerkonvoi durchquerbar?

Wahrheit vertragen wir nicht

Ein Alptraum. Für jeden verantwortungsvollen Landesführer. Für Männer wie Dick, Don, George W. und Barack. Und so handeln sie rechtzeitig, im Sinn ihrer nur sehr bedingt aufnahmefähigen Schutzbefohlenen, ihres Volkes. Wie es sich für gute Führer und Väter gehört. Man korrigiert sanft, wenn die Schar der Unmündigen sich versehentlich verwählt wie bei den Präsidentschaftswahlen 2000, man versammelt kaum zwei Wochen nach dem Machtwechsel im März 2001 alle neuen Minister und alle maßgeblichen Vertreter der Energieindustrie hinter verschlossenen Türen zur Krisensitzung, über Irak- und Afghanistankarten gebeugt, und verabschiedet die erforderlichen politischen Schritte, um die andernfalls unvermeidliche Energieversorgungskrise abzuwenden, eine Bedrohung für - mit den Worten des damaligen Energieministers Spencer Abraham - "den nationalen Wohlstand, die nationale Sicherheit und buchstäblich unsere gesamte Lebensweise". Der Inhalt der ernsten Erwachsenengespräche bleibt indes vertraulich. Was die hier beschriebene Energy Task Force unter Leitung von Vizepräsident Cheney im März 2001 an Maßnahmen verabschiedete, ist aller FOIA-Anfragen, Erkundigungen des US-Bundesrechnungshofs GAO und aller gerichtlichen Klagen von Spielverderbern wie Judical Watch und Sierra Club zum Trotz bis heute Staatsgeheimnis.

Dick sei Dank: Man behelligt uns nicht mit der Wahrheit, denn die ertragen wir nicht. Man sagt nicht: "Wir kämpfen dort für unsere nationale Sicherheit. Ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsabhängigkeit muss wissen, dass auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, um ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurück schlagen - negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen." Das heißt, man sagt es vielleicht doch, wenn auch mit geringfügig anderen Worten, und wird dann für diese Wahrheit aus dem Schloss Bellevue gemobbt (denn die Worte oben waren - nur marginal angepasst - jene, die Horst Köhler umgehend Ruf und Job kosteten). Aber schon gar nicht sagt man so etwas, öffentlich, als Amerikaner. Oder gar den Amerikanern. Man sagt nicht: Wir müssen vor Ort präsent sein. Wir müssen unsere Ölversorgung sichern. Und da mancher Ölbesitzer es nicht so gern sieht, dass wir sein Öl kontrollieren und verbrauchen, bedeutet dies Truppen, bedeutet dies: Krieg.

Denn Krieg, das ist der Gipfel der politischen Unkorrektheit. Krieg mag die klimatisierte SUV-Fahrerin nicht. Sie mag nicht einmal das Wort. Erst recht nicht das, was es beschreibt. Sie will nicht, dass man in ihrem Namen tötet, erst recht will sie ihre Kinder nicht fallen sehen. Und so lässt sich Krieg nicht problemlos anzetteln, jedenfalls nicht in Zeiten des Wohlstandes, mit hochgejazzten Internetbörsen und Präsidenten, die nichts Gravierenderes in Unordnung bringen als die Frisuren ihrer Praktikantinnen. Aber dass Kriege unvermeidbar waren, das wussten die verantwortungsvollen Landesväter schon, bevor sie durch die fragwürdige Präsidentenwahl des Jahres 2000 auf alle entscheidenden Posten zurückkehren konnten.

Was fehlte, um die dringend erforderlichen Kriege beginnen zu können, mit dem Rückhalt der eigenen Bevölkerung, war ein "neues Pearl Harbor", wie das der neokonservative Thinktank Project for a New American Century eindrucksvoll detailliert herausarbeitete (die Schrift Rebuilding America's Defenses aus dem Jahr 2000 finden Interessierte weiterhin im gut sortierten Netz) und Zbigniew Brzezinski, Jimmy Carters Sicherheitsberater zu Zeiten der russischen Invasion in Afghanistan, bereits 1997 in seinem Buch The Grand Chessboard explizit formuliert hatte. Die verantwortungsvollen neuen Führer und Bewahrer des westlichen Lebensstils waren sich mithin im Allerklarsten darüber, dass sie aus psychologischen Gründen einen verheerenden feigen Anschlag auf die eigenen Leute dringend benötigten. Denn ohne ein neues Pearl Harbor wäre es unmöglich gewesen, den notwendigen Krieg zu führen. 9/11 musste passieren.

9/11 war der Anfang eines besseren Jahrhunderts

Nun kann man natürlich von einer tragischen, gleichwohl glücklichen Fügung sprechen, wenn einer sich ein welterschütterndes Ereignis wünscht, das seinen Zielen dient, und wenn dies dann tatsächlich eintritt und ihm die Gelegenheit bietet, zu tun, was ohnehin notwendig ist. Andererseits enthebt einen der vermutete Hinweis auf "göttliche Fügung" eben nicht der Pflicht, sich den einen oder anderen Gedanken über die wahrscheinlicheren Gründe zu machen. Sprich - und mehr ist in Sachen Dreh- und Angelpunkt der veränderten Weltlage zunächst nicht erforderlich: Fragen zu stellen und nach erfolgter Widerlegung der offiziellen 9/11-Verschwörungstheorie mit der ergebnisoffenen Überprüfung zunächst der besseren, weil wahrscheinlicheren alternativen Theorien zu beginnen. Im Wissen, dass uns das Ergebnis so oder so nicht vernichten wird. Im Wissen aber auch um die unangenehm mitschwingende Frage, ob nicht vielleicht doch wir selbst indirekt die Profiteure (cui bono) dieses verheerenden Anschlags waren und sind.

Wir? Wer, wir? Wir sind keine Amerikaner. Richtig, einerseits. Andererseits: bequem. Denn wir haben geschwiegen. Wir haben nicht gefragt. Haben die 9/11-Verschwörungstheorie hingenommen, unkritisch. Und führen Krieg gegen Afghanistan, seit zehn Jahren, weil Osama Bin Laden sich dort angeblich versteckt hatte. Hätten wir die Erklärung des Anschlags - und die Folgen für die Welt - auch dann akzeptiert, wenn Europa, wenn Deutschland schon 2001 unabhängig gewesen wäre vom Öl des Irak, von der Pipeline durch Afghanistan? Auch wir sind Profiteure von Dick Cheneys Energy Task Force. Und Profi teure der 9/11-Lüge. Beziehungsweise: waren.

Aber das ist nicht das Ende der Welt, sondern ein Anfang. Das Eingeständnis eigener Fehler führt nicht ins Fegefeuer, sondern näher zur Wahrheit. Die uns frei macht, wie Jesus und die CIA wissen, frei vor allem, in Zukunft besser zu handeln. Käme also bei der überfälligen Aufklärung des Jahrhundertverbrechens 9/11 heraus, dass Dick, Don und Familie Bush die Fäden zogen - die Anführer der Bande, handelnd aus Sorge um unser aller Sicherheit und Handelswege, verdienten den Dank nicht nur aller SUV-fahrenden Rednecks, sondern auch den unseren, den ihrer noch etwas selbstgerechter SUV-fahrenden grünen Freunde in Europa sowie den Dank derer, die kraft Zugang zu den verbleibenden Ölreserven des Planeten die zukünftige Energieversorgung des Westens mittels regenerativer Energiequellen sicherstellen wollen. Deshalb schulden wir alle Dick und Don ein Denkmal. Temporär.

Denn nach diesem traurigen Eingeständnis unserer eigenen Schuld sowie der eimerweise Asche über unsere eigenen Häupter wird es Zeit für ein paar tausend Tauben. Und eine Abrissbirne, geworfen zu besinnlicher Musik; der Musik einer Rückbesinnung auf unsere Geschichte. Nicht die kurze der Amerikaner, sondern die Europas - reicher, länger, tiefer, aber auch aus der Erfahrung mit mehreren von unserem Kontinent aus weltweit fatal operierenden Empires und den opferreichen Folgen klug geworden und seit dem Ende des letzten großen Krieges - nachweislich fähig zum Frieden. Erst das Denkmal, dann der Neubau. Aus den Trümmern des American Way of Life and Death. Damit wir 2030, bei Lektüre unserer Geschichtsbücher, gesichert wissen: 9/11 war nicht nur der Anfang vom Ende des amerikanischen Jahrhunderts. 9/11 war auch der Anfang eines besseren.

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