Narrenhände gravieren Tisch und Wände

21.07.2011

Womit sich manche Abgeordneten während Sitzungen ihre Zeit vertreiben

Julia C. Hurley sitzt seit Kurzem als Abgeordnete der Republikanischen Partei im Repräsentantenhaus von Tennessee. Als sie die örtliche Presse mit der Tatsache konfrontierte, dass auf ihrem Tisch im Plenarsaal die Initialen "JCH" eingeritzt sind, gab sie zu, die Verunstaltung im Mai selbst vorgenommen zu haben. Zur Erklärung konnte sie nur anführen, dass eine Sitzung "so bis ein Uhr nachts" gedauert habe, weil man auf einen Senatsbeschluss warten musste. An ein konkretes Motiv für die Tat könne sie sich aber nicht erinnern, der Vorgang sei schließlich schon drei Monate her. Außerdem, so die 29-Jährige, wolle sie nicht über den beschädigten Tisch reden und verstehe auch gar nicht, warum dieser die Medien überhaupt interessiert.

Die republikanische Repräsentantenhaussprecherin Beth Harwell aus Nashville sprang für sie in die Bresche und meinte, Hurley habe die Initialen aus Aufregung darüber eingeritzt, im Parlament zu sitzen. Nun, so Harwell, werde man eine Reparatur in die Wege leiten und sie sei sich sicher, dass ihre junge Kollegin gerne die Kosten dafür erstatten werde. Die Facebook-Seite Hurleys lässt allerdings Zweifel daran zu, ob die Abgeordnete das wirklich so gerne tun wird: Dort meint sie neben einem von ihr selbst geposteten Foto des Corpus Delicti, man könne den Schaden "mit Sandpapier für weniger als 10 Dollar beseitigen". Außerdem beschwert sie sich darüber, dass sie die ständigen Interviewanfragen zu dem Fall bei ihrer "Abgeordnetenarbeit" stören würden.

Hurley war möglicherweise auch deshalb so überrascht von der Aufregung über ihren Akt des Vandalismus, weil sich dem Fernsehsender WSMV-TV zufolge auch auf anderen Politikertischen eingeritzte Initialen und ein Dollarzeichen finden. Das Medieninteresse war in ihrem speziellen Fall allerdings besonders groß, weil die Politikerin in ihrer Vergangenheit nicht nur Tennisstipendiatin war, sondern auch Hooters Girl.

Obwohl dies bereits im Wahlkampf bekannt wurde, siegte sie im November über ihren Konkurrenten Dennis Ferguson von der Demokratischen Partei und vertritt nun den Bezirk Roane sowie einen Teil des Loudon County. Im Februar führte sie in einer zweiseitigen Geschichte für die Hooters-Firmenzeitschrift ihren Erfolg in der Welt der Politik sogar auf ihre Arbeit bei der Restaurantkette zurück. Damals, so Hurley, habe sie gelernt, wie man Hindernisse überwindet und sich gesagt "Wenn ich es bei Hooters schaffe, dann schaffe ich es überall."

Hooters-Arbeitskleidung. Foto: US Army.

Für ihre Wähler ist diese Aussage nicht unbedingt ein Kompliment: Das (unter anderem in der Serie South Park parodierte) Geschäftsmodell der Hooters-Kette besteht nämlich darin, dass leicht bekleidete und gut ausgestattete Damen sich intensiv um die vorwiegend männliche Kundschaft kümmern und diese so zum Konsum von Speisen und Getränken anregen.

Allerdings musste Hurley im März auch lernen, dass die bei Hooters erlernten Methoden nicht überall wirken: Nachdem sie sich einen Beamten gegenüber, der sie wegen einer Geschwindigkeitsübertretung angehalten hatte, "unangemessen" verhielt, meldete dieser den Vorfall seinen Vorgesetzten, was schließlich dazu führte, dass die Abgeordnete sich beim Leiter der Autobahnpolizei von Tennessee schriftlich entschuldigte.

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