Die Jugend soll den Glauben an die gute Polizei nicht verlieren

Polizeiruf 110 thematisiert eine nicht ganz so heile Strafverfolgungswelt und wird dafür als jugendgefährdend eingestuft

Kategorien wie "Gut" und "Böse" helfen dem Menschen, in einer zunehmend chaotischeren Welt, die Übersicht zu behalten, führen jedoch auch zu einer einseitigen Sichtweise. Nicht zuletzt, wenn es um die Regierung und die Strafverfolgung geht, ist es essenziell, dass die Bevölkerung diese als "gut und gerecht" ansieht.

Gerade die Polizei, die das Gewaltmonopol innehat, muss insofern der Bevölkerung gegenüber integer auftreten und wirken, um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, hier könne eine Ausnutzung dieses Gewaltmonopols vorliegen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Strafverfolgung alle Regeln hundertprozentig beachten, da sie durch das Gewaltmonopol und das in sie gesetzte Vertrauen auch eine höhere Verantwortung trägt.

Eine Uniform macht keine Autorität aus

Vielfach wird von der Strafverfolgung und von deren öffentlichen Sprachrohren verlangt, dass die Bevölkerung der Polizei mehr Respekt entgegenbringen soll, ohne aber zu begründen, wieso dieser Respekt quasi aus dem Nichts entstehen soll. Die Ansicht, eine Uniform mache die Autorität aus, ist nicht nur falsch, sie ist auch letztendlich ein Einfallstor für Betrüger. Der Blick muss nicht gen Norwegen geworfen werden, um festzustellen, dass sich nicht in jeder Polizeiuniform auch ein Polizist befindet - und nicht nur deshalb sollte der bedingungslose Gehorsam gegenüber einem Uniformträger kein Mittel der Wahl sein.

Die neuen Polizeiruf-110-Ermittler. Foto: Bayerischer Rundfunk.

In den vergangenen Jahren hat die Strafverfolgung zunehmend ihre Reputation verschlechtert - wobei dies keineswegs ein Umstand ist, der im luftleeren Raum entstand. Die Innenminister gerierten sich seit 2001 eher als reflexartig agierende Scharfmacher, die sich Kritikern gegenüber nicht nur uneinsichtig zeigten, sondern diese mit uneloquenter Arroganz als "Hanseln" herabwürdigten. Dadurch erzeugten sie eine Kluft zwischen Polizei und Bevölkerung, die sich durch das Fehlverhalten diverser Angehöriger der Sicherheitskräfte weiter vergrößerte.

Es bedarf keiner Verschwörungstheorie, um festzustellen, dass die Strafverfolgung sich mittlerweile Methoden bedient, die vor etlichen Jahren nur in Ein-Mann-sieht-Rot-Krimis zu sehen waren: In einem Verfahren gegen eine Gruppe mutmaßlicher Brandstifter wurden Beweise gefälscht - ein Vorgang, den der sonst sehr redseligen BKA-Chef bis heute unkommentiert ließ. In der Dresdener Abhöraffäre musste das sächsische Innenministerium die Zahl der Handydatenabfragen gerade von 460 auf über 40.000 Fälle korrigieren. Und die Androhung von Folter wurde nicht nur praktiziert, sondern auch öffentlich befürwortet.

Das alte Schwarzweißbild verfärbte sich angesichts von Vorfällen wie den oben geschilderten zunehmend grau und verschwamm. Eine Wiederherstellung der Kontraste könnte jedoch nur auf Kosten einer Ausblendung der Realität erreicht werden.

Jugendgefährdende Realität

Ob sich auch Sabine Mader, die Jugendschutzbeauftragte des Bayrischen Rundfunks, dessen bewusst ist? Sie hat vorgeschlagen, die Polizeiruf-110-Folge Denn sie wissen nicht, was sie tun erst nach 22.00 Uhr senden zu lassen, da diese jugendgefährdend sei. Stein des Anstoßes ist in dem Fall weder expliziter Sex noch Gewalt, sondern die Darstellung der "Hilflosigkeit des Staates". Und diese Botschaft der Hilflosigkeit des Staates, so die Jugendschützerin, "geht damit einher, dass der Film keine klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse bietet".

Die Strafverfolger, so Mader, halten sich in der Serienepisode nämlich nicht an geltende Gesetze, eine Polizistin droht dem Verdächtigen Gewalt an und die Staatsorgane kaschieren Fehler. Bis auf den Kommissar werden der Jugendschützerin zufolge alle Sicherheitskräfte durch bürokratische Hemmnisse, persönliche Abneigungen und Kompetenzgerangel mehr oder minder als "Hampelmänner" gezeichnet.

Allerdings finden sich im Katalog der Jugendgefährdung zwar Tötungsszenen, offene Wunden, zerquetschte Unfallopfer, wimmernde Opfer, ängstliche Schreie, Tsunamis, Tornados, einstürzende Häuser, Koma-Saufen, Suizid, Mobbing, Inzestschwangerschaften und Geiselnahmen, nicht aber die "Hilflosigkeit des Staates", die Frau Mader moniert. Möglicherweise ist das der Grund, warum sie darüber hinaus noch bemängelt, die "realitätsnahe Darstellung mit intensiven Bildern" und die Tatsache, dass die "Allianz-Arena und der Fußgängertunnel" (die im Film eine bedeutende Rolle spielen) reale Orte sind, könnten starke Angst hervorrufen.

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