Bundesregierung: "Tat und Täter weisen keine Bezüge nach Deutschland auf"

26.07.2011

Das ist falsch, auch hierzulande rufen Gleichgesinnte von Breivik öffentlich zum Bürgerkrieg und zum bewaffneten Kampf auf

Ist Anders Breivik ein Einzeltäter? Der Massenmörder, der mit seinen Anschlägen ein Fanal für die Entstehung einer konservativen westeuropäischen Widerstandbewegung und den Beginn eines Kriegs gegen die Verräter setzen wollte, hat im Gericht davon gesprochen, dass es zwei Zellen geben soll (Breivik bekennt sich zu den Anschlägen, plädiert aber auf unschuldig). Um möglichen Mitstreitern und Hintermännern ungestört von irgendwelchen Botschaften aus dem Gefängnis nachgehen zu können, wird Breivik für einen Monat in strenger Isolationshaft gehalten. Zwar war ein Breivik fasziniert von militärähnlichen Organisationen und verstand sich als moderner Tempelritter gegen den Islam, aber er nahm auch Anleihen von islamistischen Terrororganisationen und dachte an ein entstehendes loses Netzwerk von Zellen, die möglichst unabhängig ihre Anschläge und Exekutionen durchführen sollen, um nicht über Verbindungen und Kommunikation aufzufliegen.

Breivik hatte sein Manifest (Manifest für einen erbarmungslosen "Kreuzzug" gegen den Multikulturalismus), das er zielgerecht durch das von ihm angerichtete Blutbad der Weltöffentlichkeit bekannt machen wollte und deshalb schon mal auf Englisch geschrieben hatte, kurz vor den Anschlägen an viele mögliche Anhänger seiner eigenen Ideologie versandt. Gleichzeitig war dies eine Versicherung, dass es nicht mehr aus dem Netz gelöscht werden konnte, mittlerweile sorgen auch Medien dafür, dass jeder das Manifest zum Bürgerkrieg und zur Massenexekution lesen kann. Empfänger gab es unter anderem auch bei der NDP oder bei Bürger in Wut in Deutschland. Die Bundesregierung gibt sich aber sicher und behauptet, dass es von Breivik keine Spuren nach Deutschland gebe. "Tat und Täter weisen nach derzeitigem Kenntnisstand keine Bezüge nach Deutschland auf", sagte der Sprecher des Innenministeriums. Man beobachte die rechte Szene intensiv, es gebe aber "keine Hinweise auf rechtsterroristische Aktivitäten".

Der Verdacht besteht, dass der Verfassungsschutz nur auf die bekannten Extremisten von Rechts und Links sowie aus dem Islamismus schaut, aber die neue Szene der Islamhasser, die sich wie Breivik in einem Kreuzzug zur Erhaltung der europäischen Identität wähnen und auf einen Bürgerkrieg hinarbeiten oder diesen herbeisehnen, übersehen haben. Das ist eben die Kulturkampf-Szene, die pro-amerikanisch und -jüdisch ist, die keinen Umsturz der wirtschaftlichen Ordnung im Auge hat, die aber die "Gutmenschen" aller Couleur mitsamt ihrer Toleranz und Liberalität hasst, Multikulturalismus ablehnt und auch was gegen die Globalisierung hat. Weil sie nicht antisemitisch auftritt, sondern nur antiislamisch, weil sie nicht dem alten Faschismus nachtrauert und beim ersten Blick kein totalitäres System propagiert, passen die neuen konservativen Extremisten, die sich in den zahlreichen neuen, so genannten "rechtspopulistischen" Parteien versammeln, in keine bekannte Schublade. Trotz hoher Aggressivität fallen sie durch das Raster. Das könnte nun Breivik geändert haben.

Allerdings ist auch seltsam, dass hier in Deutschland ziemlich unverhohlen ähnliche Parolen vertreten werden können, wie dies Breivik in seinem Manifest gemacht hat. Das zeigt zumindest, dass der Norweger zwar vielleicht ein Einzeltäter war, aber dass er zu einer Gemeinschaft Gleichgesinnter gehört. Breivik sieht die Endzeit, also die endgültige Revolution der konservativen Westeuropäer, die dann alle Muslime deportieren und alle Verräter aus den Reihen des Kulturmarxismus und Multikulturalismus exekutiert und abgeurteilt haben , im Jahre 2083 kulminieren. Das Jahr ist auch in deutschen Kreisen interessant, hier gibt es bei den antiislamischen Kulturkämpfern eine Gruppe, die sich Initiative 1683. Die sehen sich in der Tradition des Kampfes zwischen Islam und Christentum und nehmen Bezug auf die türkische Belagerung Wiens im Jahr 1683. In letzter Sekunde hätte man die Strategie entdeckt und konnte so eine Einnahme Wiens verhindern, was nun als Vorbild für heute dienen soll:

Wir sehen heute eine stetige Unterwanderung der Menschenrechte und der Demokratie durch den Islam in Europa und in Deutschland. Ein krankhafter Relativismus und eine heuchlerische Toleranz entpuppen sich als Beschützer des Bösen. Vielen Menschen ist nicht bewußt, was es bedeutet, unsere Freiheit, unser Werte und unsere christlichen Wurzeln, auf welchen die Errungenschaften des Abendlandes und der heutigen modernen westlichen Welt gegründet sind, zu verlieren.

Das ist derselbe Wahn, den auch Breivik teilt. Und weil der Islam Weltherrschaft anstrebt, ist alles erlaubt. Die "Initiative" ruft alle Christen auf, "unser Volk" nicht untergehen zu lassen und "aufzustehen". Was das bedeutet, wird nicht näher ausgeführt. Zu den "Sprechern" der Initiative gehört Michael Mannheimer, der in den entsprechenden Kreisen gerne vor "Eurarabia" warnen darf. Der hat im April öffentlich im Internet klar gemacht, um was es geht. Breivik war vielleicht nur ein Pionier, der die Hoffnung der Kulturkämpfer radikal ausgeführt hat. Mannheimer, der gerne etwa auf der extremistischen Website Politically Incorrect, wo Sarrazin, Wilders, Broder (der derzeit sichtlich angeschlagen ist) und Co. gefeiert werden, als "Islamkenner" beworben wird, hat einen Aufruf zum allgemeinen Widerstand des deutschen Volkes veröffentlicht (auf PI als Forumsbeitrag), in dem er ungeniert zum bewaffneten Kampf aufruft, was offenbar vom Innenministerium und dem Verfassungsschutz geduldet wird. Für Mannheimer umarmt nun auch die Kirche "den schlimmstmöglichen Feind", nämlich den Islam. Deswegen sei jetzt "die letzte Bastion im Widerstand gegen den menschenfeindlichen Faschismus Islam gefallen":

Entgegen dem Willen des deutschen Volkes wurden Millionen Menschen hier hereingeschafft, die unsere kulturellen und zivilisatorischen Errungenschaften verachten und unsere europäische Kultur (die keinesfalls islamisch, sondern griechisch-römisch und jüdisch-christlich geprägt ist!) abschaffen wollen zugunsten des barbarischen Systems Islam. In Deutschland und dem übrigen Europa arbeiten Muslime seit Jahrzehnten beharrlich und mit immer größerem Erfolg an der Übernahme unseres Kontinents. (…)

In Anbetracht der Tatsache, dass das gesamte deutsche Establishment: Politik, Wissenschaft, Medien, Justiz und jetzt auch die Kirche mit dem Islam sympathisiert und kollaboriert und dazu übergegangen ist, im Sinne des Islam massiv an der sukzessiven Abschaffung des deutschen Grundgesetzes zu arbeiten, in Anbetracht ebenfalls der verfassungswidrigen Ent-Ethnisierung der deutschen Bevölkerung gegen zuvor ergangene höchstrichterliche Beschlüsse, gegen den ausdrücklichen Willen unserer Verfassung und gegen den Willen des absoluten Großteils der Bevölkerung, halte ich daher die Zeit für gekommen, die Inkraftsetzung und schonungslose Anwendung des Widerstandsrechts (und der Widerstandspflicht) aller Deutschen gemäß Artikel 20 Abs.4 des GG auszurufen!

Gemäß den Statuten dieses Widerstandsrechts darf und muss sich das deutsche Volk gegen ALLE Kräfte erheben, die im Begriff sind, die deutsche Verfassung abzuschaffen - was politische Parteien, Kommunal-, Landesregierungen und Bundesregierung - aber auch Medien und sonstige wichtigen Multiplikatoren veröffentlichter Meinung miteinbezieht, die dies unterstützen. Das Widerstandsrecht erlaubt diesen Kampf ausdrücklich mit allen Mitteln, auch bewaffnet und unter Bedingungen eines Bürgerkriegs, wenn sonstige Maßnahmen nicht gefruchtet haben.

Bürger Deutschlands! Polizeien Deutschlands! Soldaten und Offiziere Deutschlands! Erhebt euch! Verteidigt eure, verteidigt unser aller Freiheit! Verteidigt den Fortbestand unseres freiheitlichen Grundgesetzes gegen seine Feinde, die aus den Reihen ALLER politischen Parteien und den Redaktionen der meisten deutschen Medien kommen! Und verteidigt sie ebenso gegen die Feinde aus den Reihen jener islamischen Einwanderer, die unser Land zu einem islamischen Land machen und hier die barbarisch-vorsteinzeitliche Scharia einführen wollen.

Vertreibt das herrschende Establishment aus seinen Ämtern und Schreibstuben und stellt die Verantwortlichen vor ein Gericht! Wie 1933 hat dieses Establishment schon wieder versagt! Organisiert Euch! Erhebt euch von euren Sofas! Geht auf die Straßen! Greift zu den Waffen, wenn es keine anderen Mittel gibt! Für uns, für unsere Kinder, für unsere Geschichte! Es lebe die Freiheit!

Michael Mannheimer

Mannheimer brüstet sich auch nach dem Terroranschlag, schon 2009 einen "Bürgerkrieg" in Norwegen oder in Schweden und in Dänemark wegen der "sozialdemokratisch gelenkten Islamisierung" vorhergesehen zu haben. Der Kampf gegen die Sozialisten ist demnach ebenso gerechtfertigt wie der Bürgerkrieg, den auch Breivik herbeiführen will. Kurz davor hatte er schon in "politisch inkorrekten Gedanken" verkündet, dass mit den Anschlägen von Breivik der "Bürgerkrieg gegen die Islamisierung Europas" begonnen habe.

Der Terrorakt Behring Breiviks (sollte er tatsächlich der Täter sein und die Tat sich so abgespielt haben - zum gegenwärtigen Stand ist noch nichts sicher) kann als der Auftakt eines sich längst abzeichnenden und von den meisten westlichen Geheimdiensten prognostizierten Bürgerkriegs aufgefasst werden. Er wendete sich nicht gegen den Islam, sondern gegen die in den seinen Augen Verantwortlichen der norwegischen Politik. Dass er im Islam einen der schlimmsten Feinde der Menschheit - vergleichbar dem Kommunismus und Nationalsozialismus - erblickt, macht diesen richtigen Befund angesichts seines Terrorakts nicht weniger valid - und den 1400jährigen Terror des Islam gegen die Menschenrechte, gegen die Gleichheit von Mann und Frau und die übrigen unzähligen barbarischen Vergehen dieser Politideologie mit Weltherrschaftsanspruch nicht ungeschehen.

Europa kann - ja darf - keinesfalls ohne Gegenwehr seiner Islamisierung und damit seinem Abdriften in die islamische Barbarei samt Scharia überlassen werden. Ob dies das tatsächliche Motiv des Norwegers war, sei dahingestellt. Aber politische Akte können unabhängig ihrer Motive eine Eigendynamik entfalten, die nicht mehr kontrollier- oder steuerbar ist.

Michael Mannheimer

Führt also keine Spur von Breivik nach Deutschland? Ziemlich dicke sogar. Aber wenn Leute wie Mannheimer offen zum Bürgerkrieg und bewaffneten Kampf aufrufen können, wird die Forderung von konservativen Politikern und Polizeigewerkschaftern nach Vorratsdatenspeicherung und einer sowieso schon vorhandenen "Datei für Auffällige" vollends absurd, wozu allerdings nur "Störer" gehören, die bei Protesten auffallen (Schnellschüsse nach dem Massaker). Auffällig wären einige im Umkreis von Mannheimer, PI und anderen einschlägigen Websites und Blogs.

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