Energiewende geht nur mit Verkehrswende

02.08.2011

Die Energie- und Klimawochenschau: Die Bahn verabschiedet sich vom Atomstrom, Pumpspeicher für Windstrom auf Halde und die EU macht Biosprit klimafreundlich: per Aufkleber

Gegenseitige Entwicklungshilfe in Sachen Erneuerbare Energien bei den großen Konzernen. EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall liefern bisher zwar 70 % des Stroms, ihr Ökostrom-Anteil liegt aber immer noch im einstelligen Prozentbereich. Es gibt also noch viel zu tun, damit er bis 2020 auf 35% steigt. Jetzt hat sich RWE mit dem größten Stromverbraucher im Land, der Deutschen Bahn, zusammengetan. Denn beide haben nach dem Atomausstieg ein gemeinsames Problem, sie müssen den Atomstromanteil ersetzen und ihren Anteil an Erneuerbaren ausbauen.

Energie: Abschied vom Atomstrom bei der Bahn

Atomausstieg nun auch bei der Bahn. Letzte Woche wurde bekanntgegeben, dass in Zukunft der Atomstromanteil durch Wasserkraft auch aus neuen Laufwasserkraftwerken sowie neuen Pumpspeichern ersetzt werden soll. Weil die Bahn 90% ihrer Streckenkilometer mit elektrischem Antrieb erbringt, hatte sie zwar schon bisher einen Bonus als umweltfreundliches Verkehrsmittel. Doch kaum bekannt ist, dass 58% des Bahnstroms aus Kohlekraftwerken stammen und noch vor zwei Jahren der Atomstromanteil bei überproportional hohen 28% lag.

Zuletzt wurde noch groß investiert in ein eigenes Umrichterwerk am AKW Neckarwestheim, das ab 2012 in Betrieb gehen sollte. Greenpeace hat berechnet, dass die Stromproduktion für die Bahn allein im AKW Neckarwestheim bisher 110 Tonnen hochradioaktiven Müll verursacht hat. Bahnchef Rüdiger Grube, 2010 noch einer der Unterzeichner eines in Tageszeitungen veröffentlichten Appells an die Bundesregierung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, gab jetzt seine Wandlung vom Saulus zum Paulus bekannt.

Er sei durch durch Fukushima "in hohem Maße sensibilisiert" worden, die Bahn werde aus der Nutzung des Atomstroms aussteigen und stattdessen mehr Wasserkraft nutzen. Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig, möchte man sagen, denn mit dem Wegfall der Atomkraftwerke muss die Bahn sich nach neuen Stromlieferanten umsehen. Sie hat nun die Chance, tatsächlich nicht nur lokal emissionsfrei, sondern wirklich nachhaltig zu fahren.

In einem ersten Schritt wurde für die Jahre 2014 bis 2018 die Lieferung von Strom aus bestehenden RWE-Wasserkraftwerken vereinbart. Der Grünstromanteil am Bahn-Strommix erhöht sich damit auf 28 Prozent. Das nächste Ziel liegt bei 30 bis 35 % im Jahr 2020. Bis 2050 soll die Bahn dann vollständig erneuerbar fahren. Insgesamt 14 Wasserkraftwerke an Rhein, Ruhr, Saar, Mosel und Ruhr werden ab 2014 jährlich 900 Mio. kWh Strom an die Deutsche Bahn liefern. Genug, um um 1/3 der IC- und ICE-Flotte zu betreiben. Im Moment hat die Deutsche Bahn noch einen Wasserkraftanteil von 17,3 %.

Energiewende ohne den Verkehrssektor geht nicht. Er ist weiter der größte Energiekonsument. Straßen- und Flugverkehr sind immer noch fast ausschließlich fossil ölbasiert. Und die Bahn ist der größte Stromverbraucher im Land. Ihr Strommix bestand bisher vor allem aus Kohle- und Atomstrom. Jetzt muß sie sich nach Alternativen umsehen. Bild: AG-Energiebilanzen

Das Unternehmen hat seit fast 100 Jahren sogar schon eigene Wasserkraftwerke (seit 1899 das Kraftwerk Kammerl im Oberammergau und seit 1914 das Kraftwerk Bad Reichenhall). Doch seitdem hat sich in Sachen Ökostrom nicht mehr viel getan. Lediglich die Beteiligung an zwei brandenburgischen Windparks trägt schon 74 Mio. kWh bei. Ansonsten macht auch im Jahr 10 nach Einführung des EEG Strom aus Wind, Sonne und Biomasse nur 2,5 % des Bahnstroms aus. Michael Ziesak vom Verkehrsclub Deutschland bezeichnete den Vertrag mit RWE als ein gutes Signal für die Branche, aber noch nicht als Meilenstein, denn gleichzeitig halte die Bahn auch am Neubau des Steinkohlekraftwerks Datteln 4 fest, gedenke also weiter, vor allem mit Kohlestrom zu fahren.

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