Politiker und Notenbanker ratlos

05.08.2011

Seit Beginn der Finanzkrise wurden nur die Symptome bekämpft

Wenn Dummheit weh täte, dann würde ein lautes Gebrüll Europas Parlamente durchziehen. Selten hat man Eliten gesehen, die vor Einfältigkeit nur so strotzen und die mit Methoden von vorgestern aktuelle und Probleme von morgen lösen wollen. Die Kursstürze rund um den Globus sind nichts anderes als die Antwort des Marktes, der Notenbanker und Politiker spüren lässt, dass sie von Anbeginn der Finanzkrise an alles falsch gemacht haben, was man nur falsch machen kann.

Die Euro- und USD-Krise geht in die Verlängerung, ohne dass den Akteuren in den Sinne käme, die Ursachen anstatt die Symptome der Krise zu bekämpfen. Ein ehemaliger Hedgefondmanager, der heute die schweizerische Nationalbank leitet, ist davon überzeugt, er könne die Aufwertung seiner Währung stoppen, wenn er nur noch mehr Geld in Umlauf bringt und die Zinsen senkt.

Die Phase der Absurdität

Was zuvor schon bei den Amerikanern vorgemacht wurde, nämlich durch Gelddrucken die US-Wirtschaft wieder flott zu machen, und was auch die Europäer seit geraumer Zeit versuchen, nämlich die Schulden weg zu inflationieren, ist zum Scheitern verurteilt, weil es die Lösung der Probleme immer weiter in die Zukunft prolongiert.

Man wird den Eindruck nicht los, dass gerade in Europa das erstarrte Klima der 80er Jahre aktuell eine Neuauflage erfährt. Die Märkte sollen mit verbalen Valiumdosen beruhigt werden, doch niemand glaubt Berlusconi, wenn er ein hohes Wachstum für Italien verspricht. Zu viele Lobbyisten und Banker haben die westlichen Industriestaaten in den letzten Jahren zu Selbstbedienungsläden für ihre persönlichen Interessen missbraucht. Wir leben aktuell in einer Phase der kompletten Absurdität, die wahrscheinlich nur die kommenden Generationen als solche erkennen werden. Entscheidungen werden heute ohne die Berücksichtigung von Wechselwirkungen und ohne das Vorhandensein von Lenkungscockpits im absoluten Blindflug getroffen.

Ein Trojaner namens Sozialismus

Nachdem der Sozialismus in sich zusammenbrach, glaubte man, dass goldene Wachstumszeiten anbrechen würden, ohne zu merken, dass mit dessen Zusammenbruch die Umwandlung der westlichen Industriestaaten in sozialistische Banksterregime eingeleitet wurde. Den Höhepunkt der sozialistischen Inbesitznahme des Kapitalismus stellt sicherlich der kontinuierliche Aufstieg Chinas und die Bankenrettung durch Bailouts dar.

Dass ausgerechnet das kommunistische Land China heute das kapitalistischste Land der Welt geworden ist, ist die Rache des Marktes an denjenigen, die versucht haben, ihre Probleme durch die Verlagerung von einer Blase zu einer noch größeren Blase zu lösen. Durch die Manipulation von Statistiken, die Ausblendung von Risiken, eine falsche Zinspolitik und die Rettung bankrotter Banken wurde die endgültige Ruinierung der Staatsfinanzen eingeleitet. Die Euro-Zone und USA nähern sich in immer schnelleren Schritten der Zahlungsunfähigkeit, mit der Folge, dass sich damit nicht nur die wirtschaftlichen sondern vor allem die politischen Machtgefüge nachhaltig verändern.

Die Schuldenfalle droht

Asien wird als der klare Sieger aus dem transatlantischen Offenbarungseid hervorgehen. Der größte Kapitalgeber der Welt, China, wird vor allem bei den USA nicht mehr lange zuschauen, wie dort im Rahmen einer peinlichen Schmierenkomödie die Frage diskutiert wird, mit welchen Bedingungen man die Schuldengrenze der USA anheben kann. Sie werden ihre Dollaranlagen reduzieren, so dass nach der aktuellen deflationären Bereinigungsphase die Kosten für Kredite in den USA, wenn die Kreditwürdigkeit herabgestuft wird, griechische Verhältnisse erreichen können.

Ist das Vertrauen erst einmal verloren, wird es für die größte Volkswirtschaft der Welt schwer werden sich an den weltweiten Finanzmärkten noch billiges Geld zu leihen. Dann wird den USA das japanische Schicksal, allerdings mit einem schlechten Rating, drohen, d.h. das Land könnte mehr als ein Jahrzehnt in einer Schuldenspirale gefangen sein, aus dem es nur noch durch eine neue Weltwährung ein Entrinnen gäbe.

Rückführung der Vermögensdisparität

Wir leben heute in den westlichen Industrienationen in Ländern mit der größten Vermögensdisparität aller Zeiten, wo immer weniger Menschen immer mehr vom zu verteilenden Kuchen besitzen. Wer das Wurzel des Übels anpacken will, muss den Menschen wieder die Kaufkraft zurückgeben und aufhören, diese durch das bewusste Herbeiführen von Inflation zu enteignen. Die Bürger müssen wieder zu Besitzenden gemacht werden, anstatt die Umverteilungspolitik von den Schwächeren zu den Starken fortzusetzen.

Die heutigen Eliten werden erkennen müssen, dass weniger mehr ist und dass es darauf ankommt, sich den Ursachen zuzuwenden, warum die Schulden immer größer werden. Es muss die Frage gestellt werden, ob es Alternativen zum heutigen Zinseszinssystem gibt und wie man die Hortung von Kapital und dessen Verlagerung in die Hände immer weniger stoppen kann. Wer die Innovationsfähigkeit der Länder forcieren will, wird nicht darum herum kommen, den heutigen Akkumulierungskreislauf des Kapitals zu durchbrechen.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (215 Beiträge) mehr...
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Form des Virtuellen

Vom Leben zwischen den Welten

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.