Gerangel um Studienplätze

12.08.2011

Trotz der anhaltenden Probleme des deutschen Bildungssystems will über die Hälfte aller Hochschulzugangsberechtigten ein Studium aufnehmen. Viele fragen sich allerdings: Wo und wie?

Von der viel zitierten Bildungsrepublik ist Deutschland noch weit entfernt. Doch die Hoffnung, über eine qualitativ hochwertige Ausbildung einen (nicht nur) finanziell attraktiven Berufsweg einschlagen zu können, wächst kontinuierlich.

2010 haben nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung 441.800 Menschen ein Studium aufgenommen. 46 Prozent eines Altersjahrgangs entschieden sich damit für eine akademische Laufbahn. Glaubt man den jüngsten Zahlen der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), ist ein Ende dieser Entwicklung noch nicht in Sicht. Ob Politik und Hochschulen darauf vorbereitet sind, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

30.000 Schülerinnen und Schüler wurden von einer Forschergruppe des HIS im Dezember 2009 befragt. 55 Prozent von ihnen waren "weitgehend sicher", dass sie nach dem Abschluss ein Studium aufnehmen wollten. Weitere 22 Prozent konnten sich diese Variante immerhin vorstellen. Die Studierbereitschaft nahm damit innerhalb von nur zwei Jahren um 5 Prozent zu.

Gleichwohl diagnostizierten die Wissenschaftler einige geschlechtsspezifische Unterschiede. Schon beim Erwerb der Studienberechtigung sollen bei Männern häufiger als bei Frauen "extrinsische Motivlagen" deutlich werden. Das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung (15 Prozent bei Männern vs. 13 Prozent bei Frauen) oder die Hoffnung, in einem bereits erlernten Beruf Karriere zu machen (8 Prozent vs. 6 Prozent), sind bei den potenziellen Nachwuchsakademikern offenbar etwas stärker ausgeprägt.

Projektleiter Markus Lörz macht dafür nicht nur individuelle Faktoren, sondern auch familiäre, wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen verantwortlich.

Eine tiefer gehende Analyse der Daten zeigt, dass sich Frauen geringere Erträge von einem Studium versprechen. Außerdem trauen sie sich trotz guter Noten seltener ein Studium zu und lassen sich stärker von den erwarteten Studienkosten verunsichern. Hinzu kommt, dass die Eltern eher von den Söhnen als von den Töchtern erwarten, dass sie an die Hochschule gehen. Zusammengenommen führt dies dazu, dass Frauen anteilsmäßig seltener ein Studium in Betracht ziehen.

Markus Lörz

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