Urbanisierung verstärkt die Klimaerwärmung

11.08.2011

Die von der chinesischen Regierung massiv geförderte Verstädterung lässt die Oberflächentemperatur ansteigen, wie chinesische Wissenschaftler für Ostchina nachgewiesen haben

In China findet eine rasante, schon lange von der Regierung geförderte Verstädterung statt. Das Land liegt trotz der schnell wachsenden Städte und Megacities noch hinter dem weltweiten Urbanisierungsgrad zurück. Und gegenüber den alten Industrieländern, in denen 70-90 Prozent der Menschen in Städten leben, sind es in China nur 47 Prozent. Geplant ist allerdings, dass bis 2020 57 Prozent und schon bis 2030 70 Prozent der Chinesen in Städten leben sollen. Das wäre eine gewaltige Umschichtung, die ebenso gewaltigen Bauvorhaben und der Versiegelung des Bodens einherginge. Dabei wird die urbane Explosion während der Industrialisierung in Europa weit in den Schatten gestellt. Was hier viele Jahrzehnte dauerte, findet in China in einem oder zwei Jahrzehnten statt. So war Shenzhen Ende der siebziger Jahre noch ein Städtchen mit 35.000 Einwohnern, jetzt ist eine weiter boomende Megacity, in der mehr als 12 Millionen Menschen leben.

Zwar ist die Urbanisierung in China auch bislang schon rasant gewesen, in 30 Jahren hat sich die Stadtbevölkerung von 200 Millionen auf 600 Millionen verdreifacht. In den nächsten Jahren wird erwartet oder gehofft, dass jährlich ein Prozent mehr Menschen in Städten leben, was hieße, dass jede Jahr mehr als 10 Millionen Menschen in die Städte strömen werden. Für Chinas Planer ist die Gleichung einfach: ein höherer Verstädterungsgrad treibt das Wirtschaftswachstum in die Höhe. Man rechnet dies auch in Geld um: Jeder Landbewohner, der in die Stadt zieht, soll Investitionen in die Infrastruktur und öffentlichen Diensten in Höhe von mehr als 15.000 US-Dollar nach sich ziehen. Bei mehr als 10 Millionen Menschen im Jahr würde das BIP angeblich jeweils um 4 Prozent mitwachsen.

In die Rechnung geht freilich nicht ein, was dadurch auch zerstört werden könnte. Auch das ist freilich längst deutlich, beispielsweise durch den Smog in den Städten, Verkehrsstaus, Wasserknappheit, Umweltverschmutzung und die großen Flächen, die Jahr für Jahr der Landwirtschaft und der Natur entzogen und überbaut werden. So ist nach einem Stadtplaner seit 2000 die städtische Fläche um 50 Prozent, die Zahl der Stadtbewohner aber nur um 27 Prozent gewachsen.

Zwar will die chinesische Führung das Wachstum der Städte "grüner" machen und setzt dabei auf die Förderung von erneuerbaren Energien, allerdings macht nun eine Studie, die im Journal of Geophysical Research erschienen ist, erneut darauf aufmerksam, dass Städte Wärmeinseln sind, die freilich nicht nur lokal zu höheren Temperaturen führen, sondern die Oberflächentemperatur ganzer Regionen ansteigen lassen.

Urbanisierung in Ostasien, bestimmt durch das von Satelliten gemessene Licht in der Nacht. Bild: Journal of Geophysical Research

Chinesische Klimaforscher haben in Ostchina die monatliche Oberflächentemperatur zwischen 1981 und 2007 anhand der Daten von 463 Wetterstationen in Metropolen mit über einer Million Einwohnern, Großstädten, Mittleren Städten, Kleinstädten und auf dem Land und Daten der Nationalen Zentren für Umweltvorhersage und Atmosphärenforschung ausgewertet, um die Folgen der schnellen Urbanisierung zu bestimmen - und die sind deutlich zu sehen, vor allem ab dem Jahr 2000. Der Effekt der städtischen Wärmeinseln trägt 24 Prozent zur durchschnittlichen Erwärmung bei. Am stärksten ist der Effekt wenig überraschend bei Metropolen und Großstädten zu beobachten, wo er einen Beitrag von 44 bzw. 35 Prozent leistet. Bei den Metropolen würde der von den städtischen Wärmeinseln ausgehende Beitrag zur Erwärmung der Oberflächentemperatur immerhin 0,4 Grad Celsius in einem Jahrzehnt betragen.

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