Absperren, verschieben, verlagern, kompensieren

24.08.2011

Die Energie- und Klimawochenschau: Fukushima wird Sperrzone, CO2-Problem wird verdrängt und Ökostrommarkt wird zum Verschiebebahnhof der Stromhändler

Am Samstag schlägt für die Japaner und besonders die ehemaligen Bewohner der 20km-Sperrzone um die zerstörten Fukushima-Reaktoren die Stunde der Wahrheit. Ministerpräsident Kan will dann nach Fukushima reisen, um den ehemaligen Bewohnern der Sperrzone persönlich mitzuteilen, dass viele von denen, die immer noch in Turnhallen und Übergangsunterkünften untergebracht sind, wahrscheinlich nie wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Die Belastung mit radioaktiven Partikeln wird an vielen Stellen langfristig zu hoch sein. Eine Tragödie, die auch die trügerische Hoffnung vieler zerstört, ein Hochtechnologieland wie Japan hätte bessere Chancen, die Folgen der Kernschmelzen zu meistern als das marode Russland des Jahres 1986.

Stunde der Wahrheit in Fukushima

Rein technisch gesehen gibt es aber durchaus Fortschritte. Die Strahlung ist weiter gesunken, aus den Reaktoren 1, 2 und 3 treten noch maximal 200 Mio. Bequerel pro Stunde aus, vor einem Monat lag der Wert noch bei 1 Mrd. Bequerel. Tepco meldete, dass die Temperatur im Reaktorblock 1 erstmals unter 100 Grad gefallen ist und auf diesem Niveau stabil gehalten werden könne.

Bis zum Anfang des nächsten Jahres soll Fukushima 1 soweit heruntergekühlt sein, dass eine genauere Revision des Reaktors beginnen kann. Geklärt werden soll dann, in welchem Zustand das Material der geschmolzenen Brennstäbe und Reaktorüberreste ist. Noch ist es wegen der hohen Strahlung nicht möglich, in die ehemaligen Druckreaktoren hineinzuschauen. Geräte dafür müssen erst noch entwickelt werden. Dringend muss auch eine Lösung für die Lecks gefunden werden, über die immer noch ein Teil des Wassers, das zur Kühlung in die Druckkammern gepumpt werden muss, unkontrolliert in die Umwelt abfließt.

Noch keine Lösung für den Umgang mit hochradioaktiven Abfällen aus Fukushima: Wiederaufarbeitungsanlage und oberflächennahes Endlager Rokkasho. Bisher werden dort Fässer mit radioaktiven Abfällen mit Beton vergossen und dann mit Erde überdeckt so dass man sie nicht mehr sieht. Bild: Nife/GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Hajimu Yamana von der Kyoto-Universität berichtet, dass um die zerstörten Gebäude dann eine Betonhülle errichtet werden soll, innerhalb derer dann ferngesteuerte Geräte die Arbeiten durchführen sollen. Dabei will man auf Erfahrungen und Simulationsberechnungen aus der Reaktorkatastrophe von Three Mile Island zurückgreifen. Allerdings stellt Fukushima eine ungleich größere Herausforderung dar, denn es sind drei Reaktorkerne betroffen, die Druckkammern beschädigt und die Kraftwerksbauten zerstört. Auch für die Frage, wohin dann mit dem hochradioaktiven Reaktorschrott und den Brennstäbe, gibt es ebenfalls noch keine Lösung.

Bisher gibt es nur eine Deponie für schwachradioaktive Abfälle bei der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho. Dort liegen bisher rund 150.000 Fässer, die mit Beton zu einem Block vergossen und dann mit Erde überdeckt werden. Das Ganze wird als "oberflächennahes" Endlager bezeichnet.

Doch spätestens mit den Abfällen aus Fukushima muss Schluss sein mit dem bisherigen saloppen Umgang mit Reaktorabfällen. Um die Mengen zu reduzieren, sind auch Überlegungen im Gange für die, wahrscheinlich miteinander verbackenen Materialien aus dem Reaktorinneren Wiederaufbereitungsverfahren zu entwickeln. Die Entscheidungen dazu sollen ab Anfang 2012 ein Gremium unter Leitung von Yamana, Tepco-Mitarbeitern und Regierungsmitgliedern treffen. Eins ist jedoch jetzt schon absehbar: Zwar soll Tepco einen Teil der Kosten zahlen, die Hauptlast wird aber der Staat und damit alle Japaner tragen müssen.

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