Vorsicht vor dem alten Satelliten!

10.09.2011

Ein alter, 6 Tonnen schwerer Satellit der Nasa wird demnächst irgendwo auf die Erde fallen

Der Zweck war in diesem Fall irgendwie gut. Der Upper Atmosphere Research Satellite (UARS) wurde vor 20 Jahren (1991) in eine Umlaufbahn um die Erde gebracht, um das Klima und dessen Veränderungen zu beobachten. Aber das Leben der Satelliten und vor allem der Trägerraketen ist kurz. Irgendwann werden sie zu Schrott, sind nicht mehr steuerbar und treffen irgendwo auf die Atmosphäre, wodurch sie in mehr oder weniger große Teile zerfallen, die dann, wenn sie groß genug sind, was sie auch gefährlich macht, auf die Erde fallen können. Das weiß man, scheint aber egal zu sein, es geht in der Branche um viel Geld und um nationale Sicherheit, da ist die Zukunft nicht so wichtig.

Beim UARS, der schon seit 2005 keinen Treibstoff mehr hat, bei dem aber 6 Instrumente von 10 noch gearbeitet haben, schätzt die Nasa den unkontrollierbaren Eintritt in die Atmosphäre zwischen Ende September und Anfang Oktober. Das ist keine sonderlich präzise Angabe und stellt das Dilemma der Weltraumnutzung heraus, zumindest wenn es um Satelliten geht, die nahe um die Erde kreisen. Die alten Satelliten gefährden nicht nur die neuen, sondern auch die Internationale Raumstation ISS und die Menschen auf der Erde, wenn sie nicht beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühen, sondern schwere Stücke an Abfall auf die Erde regnen lassen.

Die Nasa versichert zwar, dass das Risiko "extrem klein" sei und man sowieso auf Sicherheit setze. Es habe seit dem Beginn der Raumfahrt auch noch keinen Unfall mit herabfallenden Müll gegeben, und auch keine Schäden an Eigentum. Was nicht ganz stimmt. Aber je mehr Müll im Weltraum ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass doch einmal ein Unfall geschehen kann, also dass beispielsweise tonnenschwere Teile auf eine Großstadt niederfallen. Ausschließe kann dies auch die Nasa nicht, die immerhin versichert, dass das Joint Space Operations Center des U.S. Strategic Command den unkontrollierbaren, zum Himmelskörper gewordenen Satelliten beobachtet und bei Gefahr warnen werde. Man werde später auch den Zeitpunkt des Wiedereintritts genauer angeben können, heißt es beruhigend.

Jetzt umkreist der Satellit die Erde in einer Höhe von 245 bis 275 km mit einer Neigung von 57 Grad. Das soll garantieren, dass die nicht verglühenden Teile zwischen dem 57. Nördlichen Breitengrad und dem 57. südlichen Breitengrad auf die Erde treffen. Das ist ebenso präzise wie der Zeitpunkt, die Nasa erklärt, man wisse nicht, wo in dieser gewaltig großen Zone, die immerhin Teile von sechs Kontinenten und die Wohnorte von Milliarden von Menschen umfasst, inklusive Europa, der Müll heruntergehen wird. Der "Fußabdruck" der herunterfallenden Mülls, der die Qualität eins Terroranschlags annimmt, werde immerhin 500 Meilen betragen. Im Fall des Nasa-Satelliten wird erwartet, dass mindesten eines halbe Tonne des 6-Tonnen-Satelliten die Erde erreichen könnte.

Es gibt eine Wahrscheinlichkeit von 1:3.200, dass ein Teil eine Person trifft. Irgendwann wird dies geschehen. Je mehr Müll da oben ist, desto häufiger werden Unfälle geschehen. Die Länder haften nach UN-Abkommen für Schäden. Ist der erste Schadensfall eingetreten, wird vermutlich auch ein Umdenken eintreten. Vielleicht wird UARS dafür sorgen, sich über Müllvermeidungsstrategien ernsthaft Gedanken zu machen.

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