In den USA wächst die Armut

14.09.2011

Nach den neuen Daten der US-Statistikbehörde ist 2010 das durchschnittliche Haushaltseinkommen gesunken und die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben und arbeitslos sind, weiter gestiegen

Nach den neuen Daten des Census Bureau ist 2010 das durchschnittliche Haushaltseinkommen gesunken und dementsprechend die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, weiter angestiegen, obgleich die Wirtschaft letztes Jahr um 3 Prozent gewachsen ist. Da das Wirtschaftswachstum nun auf gerade einmal ein Prozent gesunken ist, könnte die Armut also in diesem Jahr weiter wachsen.

Trotz der Bemühungen der Obama-Regierung um den Ausbau der Krankenversicherung ist die Zahl der Menschen, die nicht krankenversichert, um 0,9 Millionen auf 49,9 Millionen angestiegen, statistisch hat sich aber an den 16,3 Prozent Unversicherten nichts geändert. Nach Angaben des Weißen Hauses soll aber wenigstens die Zahl der Versicherten bei den jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren ein wenig angestiegen sein.

US-Präsident Obama beschwört den Kongress, mehr Geld für die Senkung der Arbeitslosigkeit auszugeben und die Reichen stärker zu besteuern. Bild: Weißes Haus/Lawrence Jackson

Die Zahl der Menschen mit ganzjährigen Vollzeitarbeitsplätzen hat bei den Männern um 6,6 Millionen, bei den Frauen um 2,8 Millionen abgenommen, was ebenso wie die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit von mehr als 9 Prozent - 2010: 9,6% - zum sinkenden Durchschnittseinkommen beigetragen hat. Und die Zahl der jungen Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren, die noch oder wieder bei den Eltern wohnen, hat deutlich zugenommen.

Gegenüber 2009 ist das Haushaltseinkommen um 2,3 Prozent auf 49.445 US-Dollar gefallen, seit 2007 ging es um beachtliche 6,4 Prozent nach unten. Die Armut ist seit 1993 auf einen Rekordwert geklettert, allerdings war sie dennoch 7,3 Prozent geringer als 1959, als man begonnen hat, die Daten zu erheben. 2010 lag die Armutsgrenze für eine Einzelperson unter 65 Jahren bei einem Jahreseinkommen von 11.344 US-Dollar. Eine vierköpfige Familie mit Kindern unter 18 Jahren gilt als arm, wenn ihr Einkommen unter 22.314 US-Dollar liegt.

Seit 2007 kletterte die Zahl der Armen bis 2010 um 2,6 Prozent nach oben. Jetzt leben 9,2 Millionen Familien oder 11,7 Prozent unter der Armutsgrenze, 2009 waren es noch 8,8 Millionen. Gestiegen ist die Armut sowohl bei verheirateten Paaren als auch bei alleinerziehenden Frauen, die in den USA wie anderswo besonders von Armut betroffen sind. Lebten 2009 noch 4,4 Millionen in Armut, waren es 2001 4,7 Millionen oder 31,6 Prozent. Die allgemeine Armutsrate kletterte 2010 auf 15,1 Prozent. Jetzt leben 46,2 Millionen Amerikaner unter der Armutsgrenze. Die Armut wuchs gegenüber 2009 bei allen Gruppen, nur bei den Menschen asiatischer Herkunft nahm sie leicht ab. Mehr als ein Fünftel, 22 Prozent, der Kinder unter 18 Jahren lebt unter der Armutsgrenze. Das wird die Gesellschaft auf Jahre hinaus prägen, da nur die Altersgruppe über 65 Jahre nicht ärmer geworden ist.

Ganz anders wie in den USA sieht es auch in Deutschland nicht aus. Hier leben 15 Prozent unter der Armutsgrenze, was für eine Einzelperson ein monatliches Einkommen unter 800 Euro bedeutet (Zwölf Millionen von Armut bedroht). Ohne Sozialleistungen würden in Deutschland aber schon fast ein Viertel der Menschen unter der Armutsgrenze leben.

Die Einkommensungleichheit ist nach der Statistikbehörde aber von 2009 auf 2010 nur gering gestiegen, 2010 lag der Gini-Koeffizient, mit der die Ungleichheit gemessen wird, bei 0,469. Allerdings ist die Ungleichheit in den USA sehr groß, in den meisten europäischen Ländern ist die Ungleichheit deutlich geringer. Weil das hoch verschuldete Land sparen muss, die Republikaner aber bislang die Erhöhung von Steuern auch bei den sehr Reichen weiter verhindern wollen, dürfte die Ungleichheit in den nächsten Jahren weiter steigen, zumal wenn tatsächlich eine Double-Dip-Rezession eintritt.

Michelle Obama sagt den jungen Menschen als Trost, dass sie hart arbeiten und an sich selbst glauben sollen. Barack Obama will hingegen mit dem American Jobs Act den Trend brechen und mehr Arbeitsplätze schaffen. Das Gesetz mit einer Ausgabenerhöhung um mehr als 400 Milliarden US-Dollar soll die Verschuldung nicht erhöhen, gleichzeitig aber für Viele eine Steuersenkung mit sich bringen, finanziert durch höhere Steuern auf die Reichen, die mehr als 200.000 US-Dollar jährlich verdienen, und durch Kürzungen um 1,2 Billionen.

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