Computerspieler sind kreativer

28.11.2011

Bei Kindern haben US-Psychologen festgestellt, dass sie mit zunehmender Beschäftigung mit Computerspielen kreativer sind, bei der Nutzung von Handys, Internet oder Computern gibt es keinen Zusammenhang

Bislang hat man Computerspielern zugeschrieben, sie würden beispielsweise aggressiver und zerstreuter werden, auch wenn sie bestimmte kognitive und sensomotorische Reaktionen besser und schneller als andere trainieren und beherrschen. Durchschnittliche Computerspieler sind eher männlich, übergewichtig und introvertiert, sie sollen zudem zur Depressivität neigen. Nun berichten Psychologen von der Michigan State University für Spieler Erfreuliches. Die würden nämlich durchs Spielen kreativer sein als Nichtspieler.

Dabei sei es ganz egal, um welche Spiele es sich handelt, also ob es Killerspiele oder friedlichere Handlungen sind, denen die Spieler ihre Zeit widmen und dabei die Eleganz oder Virtuosität ihrer Performance verbessern. Auch zwischen Jungen und Mädchen gebe es hier keine Unterschiede. Allerdings dürfte es schon schwer werden, überhaupt noch Mädchen und vor allem Jungen zu finden, die keine Computerspiele spielen oder gespielt haben, zumal auch fragwürdig ist, ob der Umgang mit den digitalen Medien oder das Auftreten auf den Bühnen der sozialen Netzwerke nicht schon selbst spielerische Züge hat und spielerische Fähigkeiten verlangt, sei einmal ganz dahin gestellt.

Für die Studie, die in der Zeitschrift Computers in Human Behavior erschienen ist, ließen die Psychologen 491 Kinder (53% Mädchen) mit einem Durchschnittsalter von 12,5 Jahren einen Test ausführen, der unterschiedliche Kreativitätsaspekte prüft, und befragten sie, wie lange sie täglich Computerspiele, das Internet, das Handy oder den Computer nutzen und welches ihr liebstes Computerspiel ist. Über die Befragung der Eltern war auch das Haushaltseinkommen bekannt.

Bei der Nutzung von Handy, Computer oder Internet gab es keinen Zusammenhang mit Kreativität, wohl aber bei Computerspielen. Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen konnten nicht festgestellt werden, dafür gab es wenig verwunderlich einen Zusammenhang zwischen der Herkunft aus reicheren sozialen Schichten und einer höheren Kreativität, allerdings nur in wenigen Bereichen. Allerdings lässt sich weder aus Alter und Geschlecht, noch aus Haushaltseinkommen und ethnischer Herkunft die Kreativität vorhersagen. Das aber ist bei allen Computerspielen in allen Kreativitätsaspekten der Fall, nur bei Rennspielen ist der Zusammenhang geringer. Und je länger sich die Kinder mit Computerspielen beschäftigten, desto höhere Kreativitätswerte erzielten sie in dem Test.

Wie immer bei der Feststellung solcher Korrelationen lässt sich aus den Ergebnissen der Studie keine Kausalität ableiten. Es bleibt also offen, ob Computerspiele Kreativität fördern oder kreative Kinder einfach mehr zu Computerspielen hingezogen sind. Offenbar schaden sie aber nicht der Kreativität. Jungen spielen zwar mehr als Mädchen, und sie ziehen Gewalt- und Sportspiele vor, sind aber wohl deswegen nicht kreativer als die Mädchen.

Die Psychologen meinen, die Spieleentwickler sollten doch daran arbeiten, die Entwicklung der Kreativität in den Computerspielen zu optimieren, dabei aber ihren Unterhaltungswert beizubehalten. Eine neue Generation von Computerspielen könne dann die Grenze zwischen Bildung und Unterhaltung einreißen. Edutainment ist allerdings schon eine alte Forderung der Ästhetik.

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