Die Spaltung der Gesellschaft vertieft sich

02.12.2011

Nach neuen Berechnungen geht die Nettolohnquote gegenüber Gewinn- und Vermögenseinkommen weiter zurück

Die Einkommen sind in Deutschland nicht nur weiter ungleich verteilt, die Ungleichheit zwischen Lohneinkommen und Gewinn- und Kapitaleinkommen nimmt auch weiter zu. Auch die Armut und die Abstände zwischen unteren und mittleren sowie mittleren und hohen Einkommen steigen kontinuierlich weiter an. Die Politik unternimmt nichts gegen die soziale Spaltung der Gesellschaft, in der wenige Reiche immer mehr abheben.

Zwar ist das Bruttolohneinkommen der Vollzeitbeschäftigten in der ersten Hälfte 2011 gewachsen, was auch mit der Zunahme der Beschäftigten zu tun hat, so der neue Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, aber ebenso sind die Preise gestiegen, während bei Menschen mit Teilzeitjobs und atypischen Beschäftigen kaum etwas von den Zuwächsen anagekommen sei.

Allerdings hat sich durch die Finanzkrise eine Unterbrechung in der langfristigen Entwicklung ergeben, da 2008 die Gewinneinkommen eingebrochen sind. Kurzzeitig kam es daher zu einer Umkehrung des Trends, seit 2009 begannen die Gewinneinkommen jedoch schon wieder anzusteigen, so dass die Lohnquote von 43,7 Prozent im Jahr 2010 schon wieder auf 42 Prozent im ersten Halbjahr 2011 gesunken ist.

Anhand von Daten, die das Statistische Bundesamt ab 1991 neu berechnet hat, ist die Netto-Lohnquote zwar leicht gestiegen, was aber an der weiter aufgehenden Schere nichts ändert. Seit den 1960er Jahren bis Ende der 1980er Jahre lag die die Netto-Lohnquote nach Abzug von Steuern und Abgaben noch über 50 Prozent: 1960 bei 55,8 Prozent, 1980 bei 52,7 Prozent und 1990 nur noch 48, 5 Prozent. Seit 2005 schwankt sie zwischen 42,4 und 44 Prozent. 2011 wird sie im gesamten Jahr noch ein wenig höher gehen, beispielsweise durch das Weihnachtsgeld, aber langfristig geht der Trend, wenn die Politik nichts ändert, weiter nach unten. Das zeigt sich daran, dass die Nettogewinnquote im ersten Halbjahr 2011 auf 33 Prozent gestiegen ist und damit den Rekord von 33,6 Prozent vor der Finanzkrise 2008 fast wieder erreicht hat.

Der Anteil der Gewinn- und Kapitaleinkommen am Volkseinkommen ist im ersten Halbjahr 2011 wieder deutlich gestiegen, die Lohnquote ging zurück. Grafik: Böckler-Stiftung

"Die Lohneinkommen verlieren an Gewicht gegenüber den Gewinn- und Kapitaleinkommen, die überwiegend einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe zufließen", so Claus Schäfer, der Autor der Studie. Er kritisiert, dass die direkte Besteuerung der Gewinn- und Vermögenseinkommen zu niedrig sei. Ohne eine grundlegend neue Steuerpolitik würde gerade in Zeiten der Euro- und Schuldenkrise die Spaltung der Gesellschaft fortgesetzt und der Staat ausgetrocknet. Sein Fazit:

Neue Verteilungsdaten zeichnen das alte Verteilungsbild: Die Arbeitnehmer werden nicht ausreichend am Aufschwung beteiligt, die gesellschaftliche Spaltung wird verfestigt, bei unterentwickelter Binnennachfrage werden Wachstumschancen vergeben. Und über die Griechenland-, Banken- und Euro-Krise droht eine Verschärfung dieser Entwicklung. Fataler Weise versteht die Politik (noch?) nicht, dass Verteilungsungleichheiten und Verteilungsungerechtigkeiten der entscheidende Zusammenhang zwischen diesen nationalen und internationalen Problemlagen sind.

Claus Schäfer

Die Reichen halten davon natürlich nichts. Stellvertretend sagte Gloria von Thurn und Taxis neulich bei Pelzig auf die Frage, ob sie denn angesichts der Krise bereit wäre, mehr an Steuern zu zahlen, dass sie doch eh schon Steuern zahle. Das müsse also nicht sein. Ihr Sohn Albert wird von Forbes als Milliardär mit einem Vermögen von 1,9 Milliarden geführt. Das sei nicht wahr, meinte die "Fürstin", ohne dies näher zu konkretisieren. Sie selbst würde sich eher als eine Art Waldbäuerin verstanden wissen.

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