Staatsdienst mit Stil

11.01.2012

Die US-Kongressbibliothek hat Designschätze veröffentlicht, die in den 1930er und 1940er Jahren im Rahmen des WPA-Programms entstanden

Alle Bilder: Library of Congress (Public Domain)

1935 gründete der US-Präsident Franklin D. Roosevelt die Works Progress Administration (WPA). Die 1939 in Work Projects Administration umbenannte Behörde sollte das Millionenheer von Arbeitslosen durch staatliche Beschäftigungsprogramme verringern. Neben Kraftwerken, Brücken, Stromtrassen und Straßen entstanden dabei auch zahlreiche Kunstwerke. Das Federal Art Project (FAP) beschäftigte über 5.000 Künstler, die häufig dazu eingesetzt wurden, Plakate zur Bekanntmachung anderer WPA-Projekte zu malen, dabei aber weitgehende schöpferische Freiheit genossen, was den Werken durchaus bekam. Von den geschätzten 35.000 WPA-Plakaten werden 907 von der Kongressbibliothek aufbewahrt, die sie nun digitalisiert hat.

Wenige Jahre nach dem Ende der Prohibition und relativ am Anfang der Massenverbreitung von Automobilen war das Wissen, dass Alkohol die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt, weniger weit verbreitet als heute. Allerdings scheint Information in diesem Fall nur bedingt etwas bewirkt zu haben, weshalb Don't-Drink-and-Drive-Botschaften bis heute zu den Klassikern der Volksaufklärung gehören.

Bis 1938 war die 1700 von Christoph von Hellwig erfundene Zahnbürste ein Luxusobjekt. Dann setzte der Chemiekonzern DuPont mit dem Kunststoff Nylon die Produktionskosten so weit herunter, dass sich jeder eine leisten konnte. Von den langfristigen Vorzügen einer regelmäßigen Nutzung musste die Bevölkerung aber erst überzeugt werden. Die Zahnpastatube, wie sie auf dem Plakat oben zu sehen ist, löste bereits in den 1920er Jahren das vorher gebräuchliche Zahnpulver ab.

Weiterbildung ist nicht nur in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit eine sinnvolle Massenbeschäftigung. 1938 besuchten 60.000 Arbeiter Kurse der WPA Workers' Education. Die USA profitierten davon im Zweiten Weltkrieg, weil sie nicht nur besser ausgebildete Soldaten hatten, sondern auch Arbeiter, die schneller mit Produktionsumstellungen auf Rüstungsgüter zurechtkamen.

Was in Deutschland im Kurzfilm-Meisterwerk Staplerfahrer Klaus parodiert wird, das gab es auch in den USA: Die Warnung vor Gefahren am Arbeitsplatz. Ob das Plakat hier, das zur Aufmerksamkeit in der Nähe von Maschinen aufruft, tatsächlich viel dazu beitrug, Arbeitsunfälle zu verringern, ist nicht bekannt. Seine eigentliche Existenzberechtigung besteht wahrscheinlich eher in seinem ansprechenden Design, von dem sich die Anbieter heutiger Online-Zwangsschulungen zur Unfallvermeidung im Büro durchaus eine Scheibe abschneiden könnten.

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